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„Habe eindeutig pädophile Neigungen“

Besitz von Kinderpornos „Habe eindeutig pädophile Neigungen“

Fünf Monate Haft zur Bewährung, eine Geldstrafe von 1 500 Euro und psychologische Behandlung – so lautet das Urteil des Amtsgerichts Marburg nach der Verhandlung gegen einen Mann, der Kinderpornos besessen hat.

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Das Amtsgericht verurteilt einen Marburger wegen Besitzes von kinderpornografischem Material.

Quelle: Archiv

Marburg. Ein 46-jähriger Marburger musste sich vor dem Amtsgericht wegen des Besitzes von Kinderpornos verantworten. Dem Angeklagten wurde von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, 607 Fotos, die verbotene Inhalte zeigen, aus dem Internet heruntergeladen und auf verschiedenen Datenträgern gespeichert zu haben.

Die betreffenden Dateien waren am 9. November 2013 bei einer Wohnungsdurchsuchung durch die Polizei sichergestellt worden. Bei den Fotos handelte es sich um Aufnahmen, die Kinder beim Geschlechtsverkehr, in Nacktposen sowie deren Genitalbereich zeigten. Der 46-Jährige gestand den Besitz und erklärte: „Ich habe eindeutig pädophile Neigungen. Ich habe einfach nicht reflektiert, dass hinter den Fotos schreckliche Einzelschicksale stehen. Aber ich versuche alles, um dieses Problem in den Griff zu bekommen.“

Was der Angeklagte gegen das „Problem“ unternehme, fragte Boesken. „Ich habe mich in psychische Behandlung begeben, wo  ich offen über meine Neigungen sprechen und diese zu kontrollieren lernen kann“, antwortete der Angeklagte. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das Gericht begrüßten die Initiative des Angeklagten.

Verteidigung: Bei Strafe droht der Job-Verlust

Die Verteidigung gab zu bedenken, dass einige Bilder in mehrfacher Ausführung sichergestellt worden seien. Demnach sei die Anzahl niedriger als 607 Fotos. Richter Boesken entgegnete: „Dann kommen wir aber immer noch auf einige hundert Bilder. Macht es das besser?“ Nach einigen Sekunden des Schweigens erhielt er ein Kopfschütteln als Antwort.

Des Weiteren gab die Verteidigung zu bedenken, dass der Angeklagte bei einer Freiheitsstrafe mit einer Entlassung rechnen müsse, da dessen Arbeitgeber regelmäßig Einsicht in das polizeiliche Führungszeugnis fordere.

„Das stille Kämmerlein ist nicht mehr sicher“

Boesken gab zu bedenken, dass „die große Anzahl an Bildern“ gegen den Angeklagten spreche. Das Urteil – fünf Monate Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurden sowie die Weiterführung der psychologischen Behandlung für mindestens weitere zwölf Monate plus Strafzahlung von 1 500 Euro – fuße letztlich auf einer „positiven Sozialprognose, die dem Angeklagten zu attestieren ist“, erklärte Boesken.  Der Betrag von 1 500 Euro kommt dem Verein „Dunkelziffer“ zugute, der Hilfsprojekte für sexuell missbrauchte Kinder organisiert.

„Das ist das alte Spiel von Ursache und Wirkung. Mit ihrem Arbeitgeber müssen Sie sich dann selber arrangieren. Gut für Sie, dass Sie nicht vorbestraft sind, denn dann wäre das Urteil nicht so glimpflich gewesen“, sagte der Richter zu dem Angeklagten – und er schob eine Warnung an alle Besitzer von Kinderpornos hinterher: „Zum Glück kann man sich an seinem Computer im stillen Kämmerlein heute nicht mehr sicher fühlen. Die Polizei guckt nämlich mit.“

von Benjamin Kaiser

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