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Haar-Eis wächst in Marburger Wäldern

Pilz Haar-Eis wächst in Marburger Wäldern

Wer um den Jahreswechsel in den Wäldern der Region unterwegs war, konnte mit etwas Glück ein außergewöhnliches Phänomen beobachten: das sogenannte Haar-Eis.

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Diesen Ast mit feinem, weißen Haareis hat Dr. Volker Husslein bei einem Spaziergang in der kleinen Lummersbach entdeckt. Verantwortlich für die „coole Frisur“ ist ein holzzersetzender Pilz, die Rosagetönte Gallertkruste.

Quelle: Volker Husslein

Cyriaxweimar. Bei Temperaturen knapp unter null Grad Celsius, Windstille und hoher Luftfeuchtigkeit wachsen totem Holz bisweilen feine weiße­ Haare, aus Eis, sogenanntes ­Haar-Eis. Rund um den Jahreswechsel war das Wetter in der Region genauso.

Dr. Volker Husslein hat beim Spaziergang am Samstag im ­Naturschutzgebiet Kleine Lummersbach bei Cyriaxweimar ­einen Ast mit dem sogenannten Haareis entdeckt. „Ich hatte­ schon vor einem Jahr zufällig über Haar-Eis gelesen und war nun ganz überrascht, in den Marburger Wäldern welches zu finden“, sagt Husslein.

„Als Hobby-Pilzsammler freut man sich auch über die außergewöhnlichen Funde“, sagt Husslein. „Und als Marburger fasziniert mich die Beobachtungsgabe Alfred Wegeners, der als Privatdozent an der hiesigen Universität tätig war.“

Stoffwechselprodukte im Eiswasser

Der Marburger Meteorologe hatte das Haar-Eis bereits 1918 beschrieben und schon damals die Vermutung geäußert, dass ein Holzpilz dafür verantwortlich sein könnte, da das Phänomen nur auf totem Holz auftrat. Es dauerte aber fast 100 Jahre bis Wissenschaftler Wegeners Vermutung beweisen konnten.

Für die wissenschaftlich Neugierigen fasst Husslein die ­Erklärung für das Entstehen von Haareis zusammen: Das Holz dient dem holzzersetzenden Pilz „Exidiopsis effusa“ zu Deutsch „Rosagetönte Gallertkruste“ als Nahrung. Dabei baut der Pilz das Lignin im Holz ab. Seine Stoffwechselprodukte­ können im Eiswasser nachgewiesen werden und sind für das Haarwachstum bei Minusgraden verantwortlich. Dieser Stoffwechselprozess drängt das kalte, aber noch nicht gefrorene Wasser aus dem Holz heraus, das an der Oberfläche zu langen Fäden gefriert.

Da die Temperaturen seit Samstag wieder gestiegen sind, dürfte die Suche nach weiterem Haareis nicht erfolgreich sein. Husslein sieht ohnehin Schwierigkeiten beim Sammeln mit der Kühltasche. Auch die Frage nach dem Geschmack und ob es möglich ist, eine Nachspeise aus dem Haar-Eis zu kreieren, muss also vorerst unbeantwortet bleiben. „Da ist noch Raum für weitere Forschung und wer weiß schon wie die Holzabbauprodukte im Eis schmecken werden?“

von Philipp Lauer

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