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Günstiger Wohnraum - der purer Luxus

Wohnungsnot in Unistädten Günstiger Wohnraum - der purer Luxus

Die Zahl der Studenten steigt von Jahr zu Jahr. Und damit auch die Wohnungsnot. Bundesminister Peter Ramsauer sieht die Länder in der Pflicht.

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Reger Verkehr im Studentenhaus: Im Wintersemester haben sich so viele Studenten wie nie zuvor in Marburg eingeschrieben – und suchen nach günstigem Wohnraum. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Mit großen Hoffnungen sind die Studentenvertreter auf Einladung des Bundesverkehrministers Ramsauer (CSU) nach Berlin gefahren. Am „Runden Tisch“ fanden Betroffene und verschiedene Experten zusammen. Den Berg, den es abzutragen gilt, beziffert das Deutsche Studentenwerk (DSW) auf 70000 bezahlbaren Unterkünften, die bundesweit in den Universitätsstädten fehlen. Um alleine dem Ansturm der Erstsemester Herr zu werden fehlen 25000 zusätzliche Plätze. Den DSW-Vorschlag, die Neuauflage eines Bundes-Länder-Programms mit Zuschüssen zum preiswerten Wohnheimbau einzurichten, ignorierte Ramsauer.

Der aber sei laut DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde „zwingend erforderlich.“ Katharina Mahrt vom studentischen Dachverband „fzs“ stimmt ihrem Kollegen bedingungslos zu: „Studierende brauchen warme Wohnungen statt warmer Worte.“ Verbesserungen würden nicht vom Himmel fallen, „sondern kosten Geld.“

Bartol: "Show-Veranstaltung"

Bahnbrechende Ergebnisse brachte der „Runde Tisch“ in Berlin nicht zustande. Das wurde auch nicht erwartet. Wohl aber gibt es einige Vorschläge, die bis zum Frühjahr geprüft werden sollen - unter anderem der Umbau von nicht mehr benötigten Kasernen am Rande von Hochschulstädten, die Nutzung von Bundesliegenschaften zum Bau von Studentenwohnungen, zinsgünstige Kredite der staatlichen Förderbank KfW und auch die „Mobilisierung von Privatengagement“. Man müsse die Defizite „Stück für Stück abbauen“, sagte Ramsauer. Das Problem verglich er mit einem „schwerfälligen Tanker“, der nicht sofort umzusteuern sei.

Bei solchen Worten sieht Marburgs Bundestagsabgeordneter Sören Bartol nicht nur politisch rot. Das Auftreten Ramsauers bewertet der SPD-Wohnungsbauexperte als „Show-Veranstaltung“.

Nachfrage steigt in Marburg um zehn Prozent

Auf der einen Seite habe die Koalition einen SPD-Antrag zur Stärkung der sozialen Infrastruktur Anfang des Jahres abgebügelt, nun werde mit dem Finger auf die Länder gezeigt, die die Situation meistern sollen.

Höchste Zeit zu handeln ist es auch aus Sicht des Marburger Studentenwerks, das 2100 Wohnungen an die Studenten vermietet. „Anfang des Semesters standen mit 1100 jungen Menschen zehn Prozent mehr auf der Warteliste als im Vorjahr“, sagt Pressesprecherin Franziska Busch. 23000 Studenten sind in Marburg eingeschrieben. So viele wie nie zuvor. „Die Stadt Marburg hat das Problem erkannt und tut was sie kann“, sagt sie. Es gebe aber in der Kernstadt einfach nicht die benötigten Flächen.

Oberbürgermeister Egon Vaupel sieht eine Möglichkeit darin, Eigentümer von Privat-Wohnungen dazu zu bewegen, mögliche Kapazitäten den Studenten zur Verfügung zu stellen. Und er sieht auch den Bund in der Pflicht: „Eine Förderung ist unbedingt notwendig.“

Dieses Ziel verfolgen auch die Grünen im hessischen Landtag: „Wir fordern, den Studierendenwerken vergünstigte Kredite und Grundstücke für neue Wohnheime zur Verfügung zu stellen“, sagt der hochschulpolitische Sprecher Daniel May. Zudem solle die Landesregierung direkte Zuschüsse an die Studierendenwerke zur Verfügung stellen - und zwar fünf Millionen Euro pro Jahr.

von Carsten Bergmann

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