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Grundwasser wird exportiert

Wasserförderung Grundwasser wird exportiert

Am Freitag teilte das ­Regierungspräsidium (RP) Gießen mit, dass im Wasserwerk Wohratal jährlich 9,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser gefördert werden dürfen.

Gießen. „Um die ordnungsgemäße Trink- und Brauchwasserversorgung der Bevölkerung im Gebiet des Zweckverbandes Mittelhessischer Wasserwerke (ZMW) sicherzustellen, hat die Obere Wasserbehörde beim Regierungspräsidium Gießen (RP) eine Zulassung zur Entnahme von Grundwasser aus dem Wasserwerk Wohratal erteilt.“ So lautet der erste Satz der Mitteilung des RP.

Den entsprechenden Bescheid vom 31. Oktober hat Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich am Freitag dem Verbandsvorsitzenden des ZMW, Christian ­Somogyi, und dem Geschäftsführer, Karl-Heinz Schäfer, über­geben.

Der Zweckverband, der seit 50 Jahren das Wasserwerk Wohratal betreibt, konnte nach dem bisherigen Wasserrecht jährlich bis zu elf Millionen Kubikmeter Grundwasser aus den neun Brunnen des Wasserwerks zu Tage fördern. Dieses Recht ist jedoch inzwischen erloschen. Daher hat der ZMW mit Schreiben vom 26. März 2014 eine Neuerteilung des Wasserrechtes zur Grundwasserentnahme in einer­ Höhe von maximal 9,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr beantragt. Diese Menge dient zunächst zur Trink- und Brauchwasserversorgung seines Verbandsgebietes, schließt aber auch die Lieferung einer Teilmenge von zwei Millionen Kubikmeter jährlich an das benachbarte Unternehmen Oberhessische Versorgungsbetriebe AG (OVAG) ein.

Diese Abgabe an die OVAG trägt laut RP zum einen dazu­ bei, dass der kommunale Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke die Wassergebühren für die Bevölkerung in seinem ländlich geprägten Versorgungsgebiet stabil halten kann. Dies vor dem Hintergrund, dass durch die Abwanderung von immer mehr Einwohnern in die städtischen Ballungsräume die gleichbleibend hohen Kosten der öffentlichen Trinkwasserversorgung auf immer weniger Menschen verteilt werden müssen. Mit der Abgabe werden diese Kosten wieder kompensiert.

Stärkung der Versorgungssicherheit in Rhein-Main

Zum anderen soll so ein Beitrag zur Stärkung der Trinkwasserversorgungssicherheit der anwachsenden Bevölkerung im Rhein-Main Gebiet geleistet werden.

„Die im Rahmen des Zulassungsverfahrens von verschiedenen Einwendern vorgetragenen Befürchtungen, dass wertvolle Feuchtgebiete des Burgwaldes durch die über die Grundwasserentnahme in den letzten Jahren hinausgehende­ geplante Mehrförderung aus dem Wasserwerk in Kirchhain trockenfallen, konnte durch ­Bescheidauflagen Rechnung getragen werden“, führt das RP aus. Im Übrigen liege ein Großteil der wertvollen Schutzgebiete des Burgwaldes, wie das ­Natura-2000-Gebiet, „Franzosenwiesen und Rotes Wasser“, weit ­außerhalb des Wirkbereiches der Grundwasserentnahme, heißt es aus Gießen. In den Nebenbestimmungen des Zulassungsbescheides ist ein zehnjähriges umfangreiches landschaftsökologisches Monitoring festgeschrieben, das eine Dauerbeobachtung von besonders geschützten Tier- und Pflanzenarten auf naturschutzfachlich ausgewählten Flächen vorsieht. Verbunden damit ist ein hydrogeologisches Monito­ring, das ein sogenanntes „Brunnenmanagement“ vorgibt, welches an einen Grundwasserstand im ­naturschutzfachlich sensiblen Bereich in der Wohra­aue gekoppelt ist.

Durch diese Maßnahmen können die geringen von den Sachverständigen überhaupt für möglich gehaltenen Auswirkungen der beantragten Grundwasserentnahme auf den Naturhaushalt vermieden werden. Dr. Anne Archinal, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft ,Rettet den Burgwald‘ hält die Entnahme für das Rhein-Main-Gebiet für überflüssig und für ein ökologisches Risiko, da die Grundwasserneubildung stag­niere, zum Teil sogar rückläufig sei. Sie vertritt die Ansicht, dass das Wasser allein durch die ­Sanierung von Leitungen im Ballungsraum erwirtschaftet werden kann, was derzeit durch Lecke verloren gehe.

Der Zulassungsbescheid wird vom 21. November bis 5. Dezember mit den zugrunde liegenden Antragsunterlagen in den betroffenen Kommunen öffentlich ausgelegt. Außerdem kann er in dieser Zeit auf der Internetseite des Regierungspräsidiums Gießen http://www.rp-giessen.de, in der Rubrik „Presse“ - „Öffentliche Bekanntmachungen“ eingesehen werden.

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