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Grüne zweifeln an Seilbahn-Gutachten

Diskussionen dauern an Grüne zweifeln an Seilbahn-Gutachten

Das von Verkehrs-Analysten nahegelegte Aus für die Seilbahn-Pläne sorgt für Diskussionen in der Kommunalpolitik. Auch am Entwurf des Nahverkehrsplans 2015-2020 gibt es Kritik.

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Die Debatte um das Seilbahn-Projekt geht weiter.

Quelle: Archiv

Marburg. „Unsere Aufgabe war es nicht, die Sinnhaftigkeit einer Seilbahn zu bewerten. Wir haben die Folgewirkungen eines möglichen Betriebs auf den schon bestehenden ÖPNV untersucht“, erläutert Alex Müller, IDGB-Geschäftsführer während der Verkehrsausschuss-Sitzung.

Im Zuge dieses Szenarios sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass „die Weiterverfolgung der Pläne überdacht werden sollte“. Vor allem, da es bei einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung weiter Zuführung und Verteilung der Fahrgäste via Bussen geben müsse – vor allem auf den langgezogenen Lahnbergen.

Kritik an Wahl der geprüften Strecken

Kritik kommt von den Grünen: „Das Gutachten liefert keine neuen Erkenntnisse. Dass es natürlich einen ÖPNV in Kombination mit einer Seilbahn braucht, ist völlig klar. Mit dieser Einschätzung fallen wir auf das Wissen von vor mehreren Jahren zurück“, sagt Uwe Volz, Vorsitzender des Verkehrsausschusses.

Die Verkehrsplaner hätten zudem Seilbahn-Strecken geprüft, die „niemals jemand wollte und will“. Etwa Wehrda/Sachsenring oder Cappeler Gleiche bis zum Klinikum. „Solche Routen waren nie Thema.“ Die Analyse sorge nicht dafür „die Idee aufgrund von neuem Wissen tatsächlich zu hinterfragen“.

Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) sieht das auf OP-Anfrage ähnlich, verweist auf Einschätzungen 
etwa der Planungsgruppe Nord. Diese riet, einen Seilbahn-Bau auch wegen der Entwicklung der Unistadt samt Klinikstandort in Erwägung zu ziehen.

Laumer fordert Ende der Debatte

Das Transportmittel könne den sonstigen ÖPNV entlasten – ein Punkt, den das IGDB allerdings anders einschätzt. „Wir werden das Kapitel aber nach Rücksprache mit unserem Auftraggeber, dem Magistrat, nochmal neu beleuchten“, sagt Müller.

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) verweist darauf, dass die Entscheidung nun eine politische sei: „Dass das Projekt unter den Voraussetzungen – neben der Weiterversorgung durch Busse auch der Notwendigkeit von großen Parkflächen – überdacht werden muss, ist klar.“

Der SPD-Stadtverordnete und Ex-Pressesprecher der Stadt, Ralf Laumer, kritisiert die Grünen indes für das Festhalten an den Seilbahnplänen auch im Kommunalwahlprogramm 2016. „Unter anderem deshalb bezahlt man Externe, damit es leichter fällt, sich von Fehlentscheidungen zu verabschieden“, schreibt er auf dem OP-Facebookkanal.

„Ich wäre jedenfalls sehr froh, wenn die Seilbahn-Pläne auf diesem Weg erledigt werden könnten.“ Allein die für einen Bau notwendige Talstation im Campusviertel wäre „eine Zumutung, die Zubringerverkehre eine zusätzliche Belastung“.

Reaktionen von OP-Lesern

OP-Leserin Theresa Michéle Grumann schreibt: „Vielleicht mal lieber eine direkte Busverbindung von Cappel zum Klinikum. Und zwar so, dass man pünktlich zur Arbeit kommt. Wäre mal eine Idee.“ Nadine Mündel bezeichnet die Seilbahn-Idee als „den größten Schwachsinn überhaupt“.

Die geplante Neuordnung des Nahverkehrsplans wird indes schrittweise bis 2020 erfolgen. „Einen Big Bang, nachdem alles anders ist als jetzt, wird es nicht geben“, sagt Christoph Rau von Stadtwerke Consult. Die Investitionssummen etwa für neue Busse seien „viel zu groß“.

12 Millionen Euro soll laut Berechnung die Modernisierung der Fahrheug-Flotte kosten, weitere 10,4 Millionen Euro wären für der barrierefreien Haltestellen-Umbau nötig. „Im ganzen Bericht schimmert die Unterfinanzierung des ÖPNV durch. Es ist so viel mangelhaft, dass mir die Haare zu Berge stehen“, sagt Henning Köster (Linke).

Die im Entwurf angegebenen Jahreskosten (zwischen 15,4 und 17 Millionen Euro bis 2020) sind laut IGDB-Analyst Müller indes „die absolute Untergrenze“ bei exakter Umsetzung des entworfenen Angebots (OP berichtete). „Die Summen werden mit jedem Takt- oder Streckenverbesserungs-Wunsch höher.“

von Björn Wisker

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