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Grüne kritisieren: 84 Plätze sind zu viel

Altenheim Sudetenstraße Grüne kritisieren: 84 Plätze sind zu viel

Während die Marburger Linke die Pläne des Magistrats zum Umbau des Altenheims in der Sudetenstraße prinzipiell begrüßt, sind Grüne und FDP skeptisch.

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Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (stehend) stellte die Pläne zum Teilneubau des Altenwohnheims in der Sudetenstraße in einer Bewohnerversammlung öffentlich vor.Foto: Till Conrad

Marburg. Der Magistrat sieht in den diesen Monat vorgestellten Plänen die Ziele der von der Stadtverordnetenversammlung 2015 beschlossenen „Eckpunkte einer zukunftsweisenden Marburger Alterssozialpolitik“ erfüllt: Ausbau offener Angebote in den Stadtteilen, quartiersbezogene Beratung, Wohnprojekte, ambulante Pflegeinfrastruktur, Förderung ambulanter Angebote der präventiven Bewegungs- und Gesundheitsförderung und Ergänzung durch modernisierte stationäre Einrichtungen.

Konkret sieht der vom Aufsichtsrat der Marburger Altenhilfe beschlossene Plan den Abriss eines der drei Wohnblocks in der Sudetenstraße und den Neubau eines vierflügeligen, dreigeschossigen Neubaus mit Begegnungszentrum, Raum für sieben Wohngruppen mit je 12 Bewohnern und einer Anlaufstelle des ambulanten Dienstes (die OP berichtete) vor. „Im Spektrum ambulanter und stationärer Pflege sollen sich intensive ambulante und stationäre Wohnformen nur noch darin unterscheiden, dass in der stationären Form Pflegeanbieter und Versorger identisch sind“, heißt es in der Magistratsvorlage, die in dieser Woche in den Ausschüssen der Stadtverordnetenversammlung beraten wird.

Unterschiedliche Reaktionen gibt es von den drei Oppositionsfraktionen: Die Marburger Linke begrüßt das Konzept im Kern als „richtige Entwicklung“. Das Wohngruppenkonzept ermögliche eine „flexible Gestaltung“, sagte Fraktionsvorsitzende Renate Bastian der OP. Es sei keine rein stationäre Unterbringung mehr geplant, die an eine Klinik erinnert. Vor allem der mögliche autonome Zugang sei zu begrüßen. Das geplante Begegnungszentrum für den Richtsberg biete große Chancen der Öffnung des Heimes in das Quartier. Mit Sorge betrachtet Bastian aber die geschätzten Kosten für den Teilneubau. Sie dürften nicht zum sozialen Ausschlussgrund werden.

Dr. Elke Neuwohner, Fraktionsvorsitzende der Grünen-Fraktion im Stadtparlament, sagt dagegen, ihre Fraktion sei „nicht zufrieden“ mit den Plänen. Die Grünen setzen sich seit Jahren für kleine Betriebsgrößen ein, denn die Einrichtungen sollten den Bewohnern des Quartiers vorbehalten sein. „Die jetzt geplante Größe übersteigt den Bedarf am Richtsberg bei weitem“, kritisierte Neuwohner. Die Grünen träten hingegen nach wie vor für eine quartiersbezogene Versorgung ein. „Das vorgelegte Modell ist einfach nur das Heim in Cölbe 1:1 auf den Richtsberg verpflanzt“, sagte sie. Das entspreche nicht den jahrelangen Diskussionen um Anforderungen an eine moderne Altenpolitik.

Neuwohner regte an, jetzt nicht überstürzt das „unausgereifte“ Konzept für einen Teilneubau zu beschließen, sondern sich mit der Diskussion Zeit zu lassen. „Nach zehn Jahren Debatte kann man sich jetzt auch noch acht Wochen Zeit nehmen“, sagte die Fraktionschefin.

Noch grundsätzlicher ist die Kritik der FDP. „Eine von einer Stadt getragene Altenhilfe ist generell problematisch, da sie stets droht, in die ruinöse Kostenfalle zu tappen“, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Christoph Ditschler.

Klar sei, dass sich die Stadt darum kümmern muss - „was aber nicht zwingend heißt, dass sie es auch selbst durchführen und anbieten muss“, so Ditschler. Aus Sicht der Liberalen gehört die Altenhilfe in die Hände eines kompetenten Trägers, wie beispielsweise DRK, Diakonie oder Caritas. Ditschler schlussfolgert daraus, dass die Stadt über eine Ausgliederung oder einen Verkauf der städtischen Altenhilfe nachdenken solle. „Für die Sicherung der angemessenen Versorgung der Bewohner, der Arbeitsplätze und des Standorts sind betriebswirtschaftliche Aspekte nun mal wichtiger als schönes Wunschdenken oder architektonische Brillanz“, so Ditschler.

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