Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 4 ° Sprühregen

Navigation:
Grüne Welle zu Stoßzeiten?

Verkehrssituation Grüne Welle zu Stoßzeiten?

Der Magistrat prüft auf Initiative von Kommunalpolitikern derzeit eine Veränderung der Ampelschaltung zu den Stoßzeiten auf den Hauptverkehrsstraßen der Universitätsstadt.

Voriger Artikel
Politiker wollen Auswertung
Nächster Artikel
Ärzte greifen zu neuer Diagnosetechnik

Vorschlag aus der Politik: Einführung von Dauergrün für Autofahrer zu Pendlerzeiten morgens und nachmittags. Foto: Björn Wisker

Marburg. Eine zeitlich befristete Grüne Welle soll nach dem Willen von SPD, Bürger für Marburg und CDU den Verkehrsfluss in der Innenstadt verbessern und gleichzeitig die Umweltverschmutzung reduzieren. Die Regelung soll nicht für das ganze Stadtgebiet, sondern nur die Ein- und Ausfahrtsstraßen gelten: morgens stadtein-, nachmittags stadtauswärts.

„Der größte Belastungsverursacher ist das Stop-and-go-Fahren. Es muss gelingen, den Autoverkehr flüssiger zu gestalten“, sagte Andrea Suntheim-Pichler (BfM), die auch die „aktive Produktion von Staus durch die politische Entscheidung des Herausholens der Busse aus den Buchten“ kritisiert. „Eine Grüne Welle kann dabei helfen, die Verkehrsströme zu beschleunigen, die Staus zu reduzieren und somit natürlich auch die Feinstaub- und Stickoxidwerte zu senken“, sagte Joachim Brunnet (CDU). Aus einer solchen Regelung ergebe sich auch für Radfahrer kein Nachteil, ergänzt Dr. Fabio Longo (SPD): „Sie würden quasi mitschwimmen.“ Die angestrebte Ampelmodifikation für Autofahrer läuft zeitgleich zu einer Smartphone-App-Entwicklung für Marburg, die Radfahrern ein zügiges Durchfahren ermöglichen soll (zuletzt: Blochmann-Platz bis Georg-Voigt-Straße). Grünphasen für sie sollen vorgezogen oder verlängert werden.

Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) verweist auf eine skeptische Vorab-Einschätzung der Straßenverkehrsbehörde zur tatsächlichen Umsetzbarkeit der Forderung. Alleine schon wegen nicht vorhandener Daten zu den Verkehrsströmen auf den Hauptverkehrsstraßen sowie alten Ampelanlagen, deren Umschaltung technisch kaum möglich sei, sei eine Grüne Welle „eher unrealistisch“.

Linke: Marburg soll nicht attraktiver für Autofahrer werden

Kritik an dem Prüfauftrag, der seitens der Parlamentsmehrheit Ende 2016 an den Magistrat gegeben wurde, gibt es auch von den Linken: „Dieses Ansinnen ist kontraproduktiv, Marburg soll nicht noch attraktiver für Autos werden, indem man Rennstrecken organisiert“, sagt Henning Köster. Anstatt eine Beschleunigung zu fördern, solle die Kommune - wie es dem erklärten Ziel in der Elisabethstraße entspreche - eine Verlangsamung anstreben. „Lieber 20 als 50 km/h - alles andere verschlechtert das Klima in der Stadt.“

Der Grünen-Stadtverordnete Hans-Werner Seitz sieht das ähnlich: „Eine starke Gesundheitsgefährdung schleppen wir mit uns rum, da reicht der Blick auf die Messwerte zur Luftqualität in der Universitätsstraße. Wie man angesichts dessen den Autoverkehr noch attraktiver machen kann, ist mir schleierhaft.“ Man verfolge ein veraltetes Konzept aus den 1980er- und 1990er-Jahren. „Ziel muss doch sein, möglichst wenig fossil betriebene Transportmittel in die Stadt zu lassen. Eine Grüne Welle bewirkt das Gegenteil.“

CDU-Politiker Brunnet entgegnet, dass die Hauptbelastung für Luftqualität durch Schwerlastverkehr, auch durch alte Stadtbusse entstehe - Autoverkehr trage dazu wenig bei.

Die Piratenpartei, die eine Grüne Welle ebenfalls ablehnt, bestreitet positive Effekte der Idee. „Die Leute kommen aus allen Richtungen, schon aus technischen Gründen gibt es nur minimale Chancen auf Verbesserungen. In der Innenstadt wird es nicht möglich sein, signifikante Veränderungen herbeizuführen“, sagt der Stadtverordnete Dr. Michael Weber. Die Auswirkungen einer solchen Ampelschaltung auf Fußgänger sollen bei der Prüfung laut Suntheim-Pichler indes besondere Beachtung finden.

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr