Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Grüne Welle für Marburgs Radfahrer

Teststrecke für App Grüne Welle für Marburgs Radfahrer

Mittels GPS bestimmt ­die App Ort, Richtung ­und Geschwindigkeit des Radfahrers. Die Zahl der roten Ampeln soll sich für diese um bis zu 30 Prozent reduzieren.

Voriger Artikel
Radfahrer fordern Gleichberechtigung
Nächster Artikel
Zeitungsleser seit fünf Generationen

Für die Teststrecke der Grüne-Welle-App hat die Stadt Marburg die Ampelanlagen am Erlenring erneuern lassen.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. Stellen Sie sich vor, Sie fahren zu einem Termin mit dem Fahrrad durch den Straßenverkehr. Während Sie sich einer Kreuzung nähern, sendet Ihr Smartphone ein Signal an die Ampel und die bleibt Grün, für Sie. Was sich nach einem Traum für Radfahrer anhört, könnte mit einer von der Firma Siemens entwickelten App schon bald Realität werden. „SiBike“ soll das Radfahren durch einen schnelleren Verkehr attraktiver machen.

In Marburg wurde gestern ein Prototyp der Öffentlichkeit vorgestellt. In Kooperation mit der Stadt hatte die Firma eine Teststrecke am Erlenring eingerichtet, vom Elisabeth-Blochmann-Platz bis zur Einmündung in die Georg-Voigt-Straße. Sechs Ampeln auf einer Strecke von 700 Metern.

Normalerweise muss man nach Angaben des Unternehmens vor der Hälfte von ihnen wegen Rotlichts abbremsen. Eine Belastung für jeden, der mit Körperkraft fährt. „Der Wunsch, durchfahren zu können, hat für den Radfahrer eine ganz andere Relevanz als für den Autofahrer, der zum Anfahren lediglich seinen Fußstreckermuskel benutzt“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD).

Da die grüne Welle bisher nur auf die Geschwindigkeit von Autos abgestimmt ist, soll die Smartphone-App Radfahrern helfen: Ähnlich wie bei der ­Bevorzugung von öffentlichem Personennahverkehr sollen Grünphasen vorgezogen oder verlängert werden. Mittels GPS bestimmt die App Ort, Richtung und Geschwindigkeit des Radfahrers. Passiert er einen Auslösepunkt, sendet sie ein Signal an einen Verkehrsrechner, der je nach Programmierung „grünes Licht“ gibt.

Der Radfahrer wird durch eine Vibration seines Smartphones und ein wenige Sekunden später neben der Ampel aufleuchtendes weißes Fahrrad-Symbol über das Absetzen des Signals informiert. Die Zahl der roten Ampeln soll sich dadurch um bis zu 30 Prozent reduzieren.

Bisher ist die App dieses nach Angaben von Siemens weltweit ersten Pilotprojektes noch in der Testphase. Verkehrswissenschaftler der Technischen Universität München untersuchen derzeit den Nutzen und die Auswirkungen auf Autofahrer.

„Jede Sekunde, die man einem Radfahrer gibt, muss man einem anderen Verkehrsteilnehmer wegnehmen“, erläuterte Stefan Eckert, Leiter der Siemens-Division Mobility in Süddeutschland.

Ampel erst bei mehreren Radlern auf Grün schalten

Wie sehr die Radfahrer bevorzugt werden sollen, darüber ­bestimmten die Verkehrsplaner der jeweiligen Kommune über die Programmierung der Verkehrsrechner, die mit den Ampelanlagen kommunizieren. Beispielsweise sei es möglich, die Ampel erst bei einer Gruppe von mehreren Radfahrern auf Grün springen zu lassen.

Eine ähnliche Applikation sei ihm bisher nicht bekannt. Denkbar sei auch, sie in die Apps von Kommunen oder beispielsweise „Call a Bike“ als Funktion zu integrieren. Auch wenn die wissenschaftlichen Ergebnisse noch abgewartet würden, sagte Eckert: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die App Produktstatus erreichen wird.“

Voraussetzung für die Funktionalität ist, dass die Kommune über ausreichend moderne Ampelanlagen verfügt. „Im Idealfall ist keine Investition in die Infrastruktur notwendig, sondern vor allem eine Ingenieursleistung in Bezug auf die Planung.“

In Marburg jedoch wurden für die Teststrecke mehrere Anlagen erneuert. „Vor der Haushaltssperre“, betonte Oberbürgermeister Spies.

Die mehr als 25 Jahre alten Anlagen hätten ohnehin ersetzt werden müssen. „Ich glaube, dass die Entwicklung für Marburg ein echter Fortschritt sein dürfte“, betonte das Stadtoberhaupt.

von Freya Altmüller

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr