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Großseelheim und Niederwalgern siegen

"Unser Dorf hat Zukunft" Großseelheim und Niederwalgern siegen

Neben den Siegern Großseelheim und Niederwalgern freuen sich auch Speckswinkel und Ginseldorf über gute Platzierungen und die damit verbundenen Geldpreise für ihre weiteren Projekte.

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Im Siegerdorf Großseelheim hatten die Kommissionsmitglieder viel zu notieren. Christian Ludwig (rechts) erläuterte, wie 45 ehrenamtliche Helfer den großen Friedhof ganzjährig pflegen.

Quelle: Matthias Mayer

Landkreis. Im zweiten Anlauf hat Großseelheim den mit 3000 Euro dotierten Regionalentscheid in der Gruppe B der Dörfer ohne Dorferneuerung gewonnen und damit das „Golddorf“ Mengsberg in der ersten Runde des neuen Wettbewerbs beerbt. Vor drei Jahren hatte die eigens für den Wettbewerb ­gegründete und vom ganzen Dorf getragene Arbeitsgemeinschaft den dritten Rang erreicht.

„Wir sind sehr, sehr glücklich, das wird für uns Ansporn und Motivation für die Zukunft sein“, sagte Ortsvorsteher Helmut Hofmann gestern unter dem Eindruck der Siegesmeldung der OP. „Das ist ein Erfolg, der der ganzen Großseelheimer Dorfgemeinschaft zuzuschreiben ist“, sagte Helmut Hofmann und bezog in diese einen verstorbenen Großseelheimer Vordenker mit ein. „Peter Gade hat mit seinen Ideen für neue Nutzungskonzepte der von Landwirten nicht mehr benötigten großen Höfe im Ortskern entscheidenden und bleibenden Anteil für die zukunftsfähige Ausrichtung unseres Dorfes, sagte der Ortsvorsteher und ergänzte: „Auch ohne die öffentliche Förderung durch das Dorferneuerungsprogramm hätten wir für Großseelheim nicht mehr erreichen können.“

Helmut Hofmann freut sich bereits auf den Landesentscheid im kommenden Jahr. Doch zuvor wird in dem mit 2000 Einwohnern größten Kirchhainer Außenstadtteil gefeiert. Am 6. November gibt es für alle Helferinnen und Helfer ein Danke-fest, zu dem der Ortsbeirat und die Kirchengemeinde gemeinsam einladen.

Freude herrschte auch im Großseelheimer Nachbardorf Ginseldorf. Der Marburger Stadtteil gewann bei seiner ersten Teilnahme unter den Dörfern ohne Dorferneuerung hinter Großseelheim und Sinn-Edingen (Lahn-Dill-Kreis) den dritten Platz. Die Ginseldorfer um Ortsvorsteher Dr. Horst Wiegand beeindruckten die Jury vor allem durch ihren von der Dorfgemeinschaft gegründeten und unterhaltenen Dorfladen, der durch die Integration eines Stehcafés und der Gemeindebücherei den Charakter eines Dorftreffs hat.

Ginseldorf punktete zudem durch seine kulturellen Aktivitäten wie der Beteiligung am Mittelhessischen Kultursommer, die gut erhaltenen Fachwerkhäuser und Hofstellen, den in Kooperation mit den Fleckenbühlern betriebenen Kindergarten mit naturpädagogischer Ausrichtung und ein angedachtes Wohnprojekt für Senioren, die auch im Alter in Ginseldorf leben wollen.

„Sie können stolz auf Ihre Leistung sein“

Die Dorfgemeinschaft Niederwalgern entschied nach Bekanntgabe ihres Erfolges spontan, eine abendliche Zusammenkunft im Bürgerhaus abzuhalten, um das gemeinsam erreichte Ergebnis zu feiern. Dazu luden die Niederwälger auch Margot Schneider ein, die der Kommission angehörte. Diese berichtete, dass der Regionalentscheid auf einem sehr hohen Niveau stattgefunden habe und die Teilnehmer sehr viel anzubieten hatten. „Sie können stolz auf ihre Leistung sein“, sagte sie und übermittelte auch die Grüße von Landrätin Kirsten Fründt.

„So eine Wettbewerbsteilnahme sorgt natürlich auch dafür, dass man auf einen gewissen Punkt hinarbeitet, das sorgt für Stringenz“, sagte Karl-Heinz Muth, der vor wenigen Tagen noch zur Gruppe jener gehörte, die den Ort der Kommission vorstellten. Auch Gerd Leeder sah im großen Zusammenhalt den Erfolg: „Wir sind ganz systematisch vorgegangen und haben zu allen Anforderungen eine Antwort entwickelt, die zu unserem Dorf passt.“ Das wird auch von außen so gesehen. Waldemar Kuhlmann aus Niederweimar bewertet die Arbeit der Niederwälger rundum positiv. „Das ist eine tolle Sache, was in Niederwalgern geschieht. Ich ziehe meinen Hut vor dieser Leistung, die beispielgebend für andere Dörfer ist.“ Reinhard Karber vertrat als Gemeindevorstandsmitglied den in München weilenden Bürgermeister Peter Eidam. „Als Wenkbacher kenne ich natürlich auch den Nachbarort sehr gut und kann mich nur über so viel Bürgerengagement freuen“, sagte Karber.

In der Gruppe A auf Rang zwei hinter Niederwalgern landete Neustadts kleinster Stadtteil Speckswinkel. „Manche Leute sagen, Platz zwei sei undankbar - das finde ich nicht. Platz vier ist undankbar“, kommentierte Ortsvorsteher Karl Stehl und freute sich über das gute Ergebnis: „Die Konkurrenz war richtig stark.“ Der Ort habe „durch eine sehr engagierte Dorfgemeinschaft, die sich durch die innerhalb weniger Monate weggefallenen Kindergarten, Lebensmittelladen und Grundschule nicht entmutigen ließ“ beeindruckt, heißt es in der Bewertung der Jury. „Mit so einer maroden Infrastruktur ist es natürlich schwierig“, sagte Stehl und berichtete, dass nun auch noch die letzte Gaststätte geschlossen habe. Das Dorf werde aber weiterhin den Kopf oben behalten, die Gemeinschaft pflegen und die Projekte fortführen, die in Vorbereitung des Wettbewerbs angestoßen oder geplant wurden: „Man muss nicht immer Preise bekommen. Wir haben auch so gewonnen: Das Dorf haben wir auf jeden Fall weitergebracht - und für den Zusammenhalt war der Wettbewerb auch sehr gut.“ Auf diesen Erfolgen lasse sich gut aufbauen.

Urkunden für weitere heimische Teilnehmer

Die Kommission vergab unter den nicht platzierten Wettbewerbsteilnehmern Sonderurkunden. Unter den Gruppe-A-Dörfern wurden Amöneburg-Erfurtshausen für genossenschaftliche innovative Nahwärme- und Breitbandversorgung bis ins Haus, Breidenbach-Oberdieten für die jährlichen Hilfslieferungen in den Kosovo, Lahntal-Sterzhausen für interkommunale Zusammenarbeit im Bereich der bürgerschaftlichen Seniorenarbeit und Wetter Mellnau für den bewussten Umgang mit der dörflichen Kultur ausgezeichnet.

Unter den Gruppe-B-Dörfern aus dem Landkreis erhielten Kirchhain Kleinseelheim für die besondere Auseinandersetzung und Selbstbewertung der örtlichen Situation und Marburg-Bauerbach für den erfolgreichen Wiederaufbau der Feuerwehr und der Jugendfeuerwehr die Sonderurkunden.

Insgesamt haben 17 Dörfer aus den Landkreisen Marburg-Biedenkopf, Gießen und Lahn-Dill an der ersten Runde teilgenommen. Niederwalgern und Großseelheim starten in ihren Kategorien im nächsten Jahr im Landesentscheid gegen weitere Regionalsieger aus Hessen.

von Götz Schaub, Matthias Mayer und Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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