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Große Pläne für das Nordviertel

Verkehr Große Pläne für das Nordviertel

Ein Quartier wird erneuert: Am Dienstag gab der Umweltausschuss den Startschuss für die neue Nordstadt.

Marburg. Die Zustimmung des Stadtparlaments am Freitag kommender Woche ist wohl nur noch Formsache: Mit den Stimmen der Koalition aus SPD und Grünen beschloss der Umwelt- und Verkehrsausschuss die Vorlage, die der Magistrat eingebracht hatte.

Mehr als 20 Jahre hat man in Marburg diskutiert, wie der Verkehr zwischen Wehrdaer Weg, Bahnhof und Elisabethkirche fließen kann. Verstärkt in den letzten Monaten, „Bürgerdialog“ nennt das Oberbürgermeister Egon Vaupel im Ausschuss. Umfangreiche Verkehrsuntersuchungen und -berechnungen flankierten die Diskussion.

Die Vorlage, die jetzt auf dem Tisch liege, sei eine Empfehlung, die aufgrund der Diskussion, aber auch der Zahlen der Verkehrsplaner entstanden sei. Und: Einbezogen wurden auch der Radverkehrsbeirat und der Behindertenbeirat, wie der Leitende Baudirektor Jürgen Rausch ergänzt. Viele Detailfragen sind noch offen: Man diskutiere jetzt nicht Einzelheiten der Bebauung, sondern Grundzüge der Umsetzung eines Verkehrskonzepts, sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle. „Im Laufe der Umsetzung hat sich schon öfter gezeigt, dass das ein oder andere Detail nicht so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat“, so der Bürgermeister.

Manche reden auch von einer Vision. Es ist die Vision eines Quartiers mit einer hohen Wohn- und Aufenthaltsqualität für alle Verkehrsteilnehmer, insbesondere für die schwächeren. Es ist die Vision einer Verkehrsführung, durch die Autofahrer und Stadtbusse, Radfahrer und Fußgänger in einem friedlichen Nebeneinander das Nordviertel queren.

Parkplätze, das muss der Magistrat einräumen, Parkplätze werden wegfallen - drei hier, vier dort, andernorts 25, in der Summe sind es fast 100. Wichtig ist für Vaupel, dass aber Kurzzeitparkplätze vor den Geschäften in Bahnhofs- und Elisabethstraße erhalten bleiben. Ansonsten verweist der Magistrat auf die große Parkfläche am Afföller und auf das Parkhaus Nord.

Und: Die vorgegebene Fahrbahnbreite wird es nicht an allen Ecken des Nordviertels zulassen, dass man allen unterschiedlichen Verkehren gerecht wird. Dem Radverkehr etwa wird künftig mehr Raum eingeräumt - aber das hat Grenzen: Wer etwa in der Robert-Koch-Straße Querungshilfen für Fußgänger haben möchte, muss sich entscheiden, ob der Schutzstreifen für Radfahrer auf dieser Höhe unterbrochen werden muss. Schlecht für die Radfahrer - oder vielleicht doch nicht, wie ein Parlamentarier meint: Denn auch wenn eine durchgezogene Linie die unterschiedlichen Fahrspuren trennt, wird ein Linienbus etwa oder ein Lkw an der Engstelle ausweichen müssen - Linie hin, Radfahrer her. Es sei denn, das wäre eine andere Variante, die Querungshilfen würden so schmal, dass ein Fahrrad mit Anhänger oder ein Kinderwagen nicht zur Gänze darauf passen würde.

Aber an dieser Frage wird sich Wohl und Wehe des Verkehrskonzepts nicht entscheiden. Entscheidend für das Gelingen der neuen Verkehrsführung ist vielmehr die Frage, ob die Kreuzung Bahnhofstraße/Robert-Koch-Straße/Rosenstraße auch unter den Bedingungen des Zweirichtungsverkehrs in der Robert-Koch-Straße (Vaupel: „Eine der verkehrsreichsten Kreuzungen Marburgs“) in der Lage ist, an allen vier Seiten Fußgängerüberwege wie bisher zuzulassen - und das, ohne dass der Verkehr in den Spitzenzeiten kollabiert.

Wenn es denn gut geht, und davon geht die Mehrheit im Moment aus, dann ist die Zeit gekommen, vielleicht doch noch eine der Lieblingsideen von Rot-Grün umzusetzen: die Sperrung der Elisabethstraße für den motorisierten Individualverkehr. Als Verkehrsversuch zunächst und wirklich nur dann, wenn die besagte Kreuzung dann auch noch einen Zweirichtungsverkehr in der oberen Bahnhofstraße ab Wehrdaer Weg aushielte.

Obwohl das noch Zukunftsmusik ist, wittert die CDU schon Verrat: Das böse Wort von der „Sektorierung“ macht die Runde, Rot-Grün übe sich wieder einmal in autofeindlicher „Salamitaktik“, giftet der CDU-Verkehrsexperte Joachim Brunnet. Aber das ist noch - egal, wie man zu der Umweltstraße steht - Zukunftsmusik.

von Till Conrad

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