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Große Liegenschaften sind nicht verfügbar

Bauarbeiten in der alten Augenklinik Große Liegenschaften sind nicht verfügbar

Es tut sich was in der alten Augenklinik in der Robert-Koch-Straße: In dem seit Jahren leerstehenden Gebäude laufen die Bauarbeiten auf Hochtouren.

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Die ehemalige Augenklinik in der Robert-Koch-Straße in Marburg wird für 12 Millionen Euro umgebaut für eine Nutzung durch den Fachbereich Pharmazie.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die alte Augenklinik, die im August 2013 von 100 Aktivisten für einige Tage besetzt und dann wieder geräumt worden war, steht seit 2011 leer.

Das Gebäude wird künftig vom Fachbereich Pharmazie genutzt. Der Innenausbau läuft gerade auf Hochtouren (Elektrik, Lüftung, Kältetechnik, Innenputz etc.), teilte Uni-Sprecherin Andrea Ruppel mit. Bis Ende 2015 werde der Südflügel fertiggestellt. Dort werde es auf zwei Etagen Praktikumsräume für insgesamt 150 Studierende geben.

Die Uni-Spitze will in dem Gebäude die beiden Bereiche Pharmazeutische Technologie und Pharmazeutische Biologie zusammenführen. Während die Pharmazeutische Biologie bisher im Schäfer-Bau im Botanischen Garten direkt an der Campus-Großbaustelle untergebracht ist, hat die Pharmazeutische Technologie ihren Standort noch in einem Pharmazie-Gebäude an der Ketzerbach. Diese Gebäude sollen nach dem Umzug von Instituten der Geistes- oder Sozialwissenschaften genutzt werden, so Krause.

Umbau kostet zwölf Millionen Euro

Insgesamt soll der Umbau der Augenklinik zwölf Millionen Euro kosten; er wird zu großen Teilen aus Fördermitteln des „Hochschulpakts 2020“ finanziert.

Die alte Augenklinik war in den vergangenen Wochen immer wieder als möglicher Alternativ-Standort für die Marburger Außenstelle der Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge genannt worden. „Die Universität braucht diese Räume dringend“, sagte Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD).

Zerschlagen haben sich auch Überlegungen, feste Unterkünfte für Flüchtlinge auf dem Gelände der Vitos-Klinik anzubieten. Vaupel berichtete von Gesprächen mit dem Geschäftsführer der Vitos-Kliniken, Marc Engelhard. Demnach benötigten die Vitos-Kliniken freistehende Gebäude auf dem Gelände zwischen Friedrich-Ebert-Straße, Cappeler Straße und Großseelheimer Straße für Zwischennutzungen während Umbauarbeiten auf dem Gelände. Nicht ausgeschlossen sei aber, dass künftig Wohngruppen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF) in Wohnungen auf dem Gelände einziehen könnten.

Stadt könnte sich rund 200 umF in Marburg vorstellen

Die Stadt Marburg hat angeboten, ein Zentrum für die Betreuung von umF zu werden. Zur Zeit werden gut 50 minderjährige Flüchtlinge, die allein in Deutschland angekommen sind, vom Jugendamt in Wohngruppen betreut. Nach Vorstellungen der Stadt könnten es bis zu 200 werden. Betreute Wohngruppen sollen daneben unter anderem an der Steinmühle, an der Blista und im früheren Kindergarten in Cappel „Am Teich“ entstehen.

Ungeeignet für den Bezug durch Flüchtlinge ist laut Vaupel auch das im vergangenen Sommer ausgebrannte Hochhaus „Am Richtsberg 88“. Versorgungsleitungen fehlen, zudem streiten sich nach wie vor Versicherung und Gutachter über die Fragestellung, ob das Haus wieder instand gesetzt werden kann.

Eine besonders komplizierte Fragestellung ist die mögliche Nutzung der alten Kliniksgebäude auf dem Gelände des Sanatoriums Sonnenblick. Vaupel gab an, dass darüber Gespräche laufen zwischen der Landesregierung und dem Eigentümer des Gebäudes, der Deutschen Rentenversicherung. Für den Oberbürgermeister wäre es aber eine problematische Wohnsituation, wenn Flüchtlinge in großer Zahl unmittelbar neben zum Teil schwerstkranken Menschen untergebracht würden.

Vorschlag: Gewerbegebiete zu Mischgebieten umwidmen

Alternativen zur Unterbringung einer größeren Zahl von Flüchtlingen in einem Zeltlager gibt es in Marburg derzeit demzufolge nicht. Umso dringender sei es, Gewerbegebiete wie in der Temmlerstraße, in der Gisselbergerstraße oder in der Alten Kasseler Straße zu Mischgebieten umzuwandeln, um hier Wohnungen zu bauen. Sie sollten, wiederholte Vaupel seinen alten Vorschlag, zunächst von Flüchtlingen, später gegebenenfalls von Familien genutzt werden können.

Am Freitag wohnten nach Angaben von Gabriele Fischer vom Regierungspräsidium Gießen 636 Menschen im Cappeler Zeltcamp. In der Kommunalpolitik herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Unterbringung in Zelten über den Oktober hinaus nicht zumutbar ist. Eine Lösung für den Ersatz der Zelte durch feste Unterkünfte ist aber derzeit nicht in Sicht.

Auch am Freitag gab es aus dem Sozialministerium keine Informationen, ob, wann und wie die Zelte im Zeltcamp in Cappel durch winterfeste Unterkünfte ersetzt werden.

Hintergrund
Am Freitag waren in der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) in Gießen mit ihren Standorten in Gießen, Neustadt, Kassel, Rotenburg, Bad Arolsen, Kirchheim, Gersfeld, Wetzlar, Marburg, Limburg, Bensheim, Schwarzenborn, Neu-Isenburg und Darmstadt insgesamt 12 879 Flüchtlinge untergebracht. Hauptherkunftsländer sind zurzeit Syrien, Afghanistan, Pakistan, Irak und Eritrea. Am Freitag wurden den Landkreisen insgesamt 207 Menschen zugewiesen.

von Till Conrad

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