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Grippewelle trifft verstärkt Jüngere

Gesundheit Grippewelle trifft verstärkt Jüngere

Die Schweinegrippe ist zurück: Das Virus H1N1, das 2008 für Panik sorgte, spielt in der diesjährigen Grippewelle eine große Rolle.

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Markus Heinzinger bei einer Grippeimpfung im Herbst.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Zwei Buchstaben und zwei Ziffern sorgten 2008 und 2009 für Angst: H1N1, eine Variante des Influenza-Virus. Weil der Grippeerreger auch Gene enthielt, die bei Influenza-Erregern von Schweinen vorkommen, erhielt er die irreführende Bezeichnung Schweinegrippe - obwohl er von Mensch zu Mensch übertragen wird und nicht von Schweinen. Die Weltgesundheitsorganisation stufte H1N1 als globale Pandemie ein, doch letztlich erwies sich die Schweinegrippe als weniger gefährlich als befürchtet.

Seit der zweiten Januarwoche rollt die Grippewelle wieder über Deutschland - und damit ist auch H1N1 zurück. Bislang verläuft die Welle flacher als im Jahr zuvor und damit auf dem für die Jahreszeit üblichen Niveau, teilt Judith Petschelt, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin, auf Anfrage mit. Von Oktober bis vergangene Woche wurden demnach bundesweit rund 13000 laborbestätigte Grippeerkrankungen gemeldet. Im vorigen Winter waren bis Mitte Februar rund 15000 Grippepatienten registriert.

Bereits 71 Influenza-Fälle im Landkreis

Allerdings zeigt sich in dieser Grippe-Saison eine Besonderheit: Es gebe mehr schwere Krankheitsverläufe bei jüngeren Erwachsenen und bei Menschen ohne Vorerkrankungen, erklärt Petschelt. Der Grund: Unter den verschiedenen Varianten des Grippeerregers dominiert diesmal der Typ H1N1. Er ist derzeit für etwa zwei Drittel aller Grippefälle verantwortlich.

Auch in der Region ist die Grippewelle angekommen. In Marburg-Biedenkopf wurden in dieser Saison bereits 71 Influenza-Fälle durch Laboruntersuchungen bestätigt, wie Stephan Schienbein, stellvertretender Sprecher des Landkreises, mitteilt. Im Vorjahr waren es insgesamt - also von Oktober 2014 bis April 2015 - 135 Fälle. Schienbein geht davon aus, dass der Anteil des Erregers H1N1 ähnlich ist wie bundesweit.

Vierfach-Impfstoff bietet Schutz

Bisher gibt es aber keine Hinweise auf ein verstärktes Auftreten schwerer Grippefälle in der Region. „Es ist normal, dass die Grippe bei dem einen und anderen etwas schwerer verläuft“, erklärt Markus Heinzinger, leitender Werksarzt von Pharmaserv, der am Standort Behringwerke arbeitet und auch für andere Unternehmen als Betriebsarzt tätig ist. „Hier am Standort habe ich noch nicht festgestellt, dass schwere Fälle besonders gehäuft aufgetreten sind.“ Dr. med. Hartmut Hesse, Vorsitzender der Marburger Ärzte-Genossenschaft Prima, sagt: „Wir haben noch keine verstärkte Anfrage nach Schweinegrippe- oder Influenza-Impfungen wahrgenommen.“

Grund zur Panik besteht sowieso nicht, schließlich kann man sich gegen Grippe impfen lassen. „Im Vierfach-Impfstoff sind unter anderem die Virustypen H1N1 und H3N2 enthalten“, erklärt Heinzinger. Das bestätigt der Impfstoffhersteller Seqirus, unter dessen Dach das bisherige Grippeimpfstoffgeschäft von Novartis und der Impfstoffbereich von bioCSL firmieren: „Der in Marburg produzierte Influenza-Impfstoff enthält entsprechend den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation Erreger der Stämme H1N1 (Schweinegrippe), H3N2 und einen Virustyp B. Alle in Deutschland erhältlichen Grippeimpfstoffe schützen vor diesen Erregerstämmen“, teilt Seqirus-Sprecherin Monica Galimberti auf Anfrage mit.

Impfen, Abstand halten und auf Hygiene achten

Laut RKI dauert es etwa 10 bis 14 Tage, bis der Impfschutz aufgebaut ist. Empfohlen wird die Impfung deshalb im Herbst. Ob eine Impfung jetzt noch ratsam ist, sollten Patienten mit ihrem Arzt besprechen, empfiehlt das RKI.Heinzinger hält die Impfung vor allem für Ältere und chronisch Kranke noch für sinnvoll - sofern noch Impfstoff verfügbar ist. Prima-Arzt Hesse nimmt nach eigener Aussage im März keine Influenza-Impfungen mehr vor.

„Der beste Schutz ist die Impfung“, betont RKI-Sprecherin Judith Petschelt. „Außerdem sollte man zu Personen mit Krankheitssymptomen Abstand halten, auf eine gute Händehygiene achten und regelmäßig lüften.“

von Stefan Dietrich und Sofiya-Lisann Velte

 
Hintergrund

Umgangssprachlich wird die „echte“ Grippe (Influenza) leicht mit einer normalen Erkältung (grippaler Infekt) verwechselt. Wer jedoch einmal die Grippe hatte, weiß: Die Symptome unterscheiden sich deutlich.
Während die Erkältung meist schleichend mit einem Kratzen im Hals und Schnupfen beginnt und häufig nur mit leichter Abgeschlagenheit und etwas erhöhter Körpertemperatur verbunden ist, tritt die Influenza schlagartig auf. Der Patient leidet an hohem Fieber, ausgeprägter Mattigkeit sowie Kopf- und Gliederschmerzen, trockenem Husten und Appetitlosigkeit – aber eher selten an Schnupfen.

Wer erkältet ist, muss (je nach Schwere) nicht unbedingt zum Arzt und kann sich vielleicht sogar noch zur Arbeit schleppen. Dagegen ist mit einer Grippe auf keinen Fall zu spaßen. Schließlich führt die Krankheit auch in Deutschland jedes Jahr zu Todesfällen.

Experten empfehlen vor allem älteren und chronisch kranken Menschen eine Grippeimpfung. Die Impfung muss jährlich aufgefrischt werden, weil sich das Virus ständig verändert. Deshalb ist auch die „Passgenauigkeit“ des Impfstoffs immer unterschiedlich, weil die Forscher bei der Entwicklung des Impfstoffs nicht genau wissen, welche Virus-Variante auftreten wird. Nach Angaben des Herstellers Seqirus war in Deutschland der Markt für Influenza-Impfungen 2015 rückläufig.

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