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"Grenzen sind ein Barometer für die Politik"

Marburger Forscher veröffentlicht Sachbuch "Grenzen sind ein Barometer für die Politik"

"Grenzen. Eine Geschichte des Zusammenlebens vom Limes bis Schengen": Dies ist der Titel eines reich bebilderten Buches, das der Marburger Politologe Wilfried von Bredow jetzt vorgelegt hat.

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Ein palästinensischer Demonstrant wirft bei Ramallah einen Stein über die umstrittene Grenze zwischen dem Westjordanland und Israel. Das Foto stammt aus dem Buch von Wilfried von Bredow.

Marburg. Das Thema „Grenzen“ beschäftigte den im Jahr 2008 emeritierten Marburger Politikwissenschaftler Professor Wilfried von Bredow jahrzehntelang in seiner Forschung und Lehre. Nach einer Reihe von Vorlesungen und Seminaren zu Einzelaspekten entschloss er sich auch im Anschluss an einen halbjährigen Aufenthalt am Wissenschaftskolleg in Greifswald, die Ergebnisse seiner „Grenzenforschung“ nun als populärwissenschaftliche Gesamtdarstellung vorzulegen.

Um es vorwegzunehmen: Entstanden ist ein lebendig geschriebenes und sehr informatives Sachbuch, das man auch durch die reichhaltige Bebilderung mit eindrucksvollen Fotografien nicht so schnell weglegt.

Bredow schlägt in seinem Buch einen Bogen von der Geschichte der Grenzen wie den Grenzen in den Kolonien über die Chinesische Mauer bis hin zur deutsch-deutschen Grenze und den ganz aktuellen Grenzen wie beispielsweise im Gaza-Streifen. Dabei interessiert er sich in seiner politischen Analyse vor allem dafür, was diese von Menschen geschaffenen Grenzzäune und Mauern für ganz konkrete Auswirkungen für die Menschen gehabt habe und immer noch haben.

„Die früher wichtigen Grenzen besitzen heute keine politische Bedeutung mehr und sind zu Touristenattraktionen geworden“, macht der Forscher deutlich. „Sind also politische Grenzen antiquiert, ein Auslaufkonzept, ein lästiges Hindernis im Siegeslauf der Globalisierung“, fragt Bredow. Doch diese Frage verneint er zumindest teilweise, indem er auf ganz aktuelle Beispiele von neu gezogenen Grenzen eingeht wie „den Grenzzaun, den Israel gebaut hat, um sich vor dem Einsickern von palästinensischen Attentätern aus dem Westjordanland zu schützen“.

Wie leben die Menschen mit Grenzen? Und welche Konflikte haben sich im Lauf der Jahrhunderte daran entzündet? Ob sie nun negativ oder positiv gesehen werden - eines steht für Bredow bei der Bilanz seiner Forschung fest: „Grenzen sind ein Barometer für die Politik“.

Wilfried von Bredow: Grenzen. Eine Geschichte des Zusammenlebens vom Limes bis Schengen. Theiss Verlag 2014. 208 Seiten. 39,95 Euro.

von Manfred Hitzeroth

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