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Grand Dame des Volkstanzes ist tot

Nachruf Grand Dame des Volkstanzes ist tot

Hildegard Gutjahr lebt nicht mehr. Die 94-jährige Repräsentantin der heimischen Volkskultur ist in der Nacht zum 4. Mai in Marburg verstorben.

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Quelle: Archivfoto

Marburg. Die in Marburg geborene und aufgewachsene Hildegard Gutjahr, die Grand Dame des Volkstanzes, hat die heimische Volkskultur und die des Volkstanzes, aber auch der Jugendarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Marburg, im Landkreis und in Hessen entscheidend geprägt. Schon kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gründete sie zusammen mit ihrem Mann Walter und mit Edgar Rosenau eine Gewerkschaftsjugendgruppe sowie die politische Gruppe „Jungdemokraten“. Erste Tanzgruppen entstanden – und im Oktober 1946 gründete man den Marburger Jugendring. Gutjahr hatte die Fachleitung für Singen, Tanzen und Musizieren inne.

Ein General und ein japanischer Prinz zu Gast

Hildegard und Walter Gutjahr sowie von der Universität gewonnene Referenten wurden von den Militärs jeden Abend in ein anderes Dorf gebracht, um dort die Volkskultur wieder aufleben zu lassen. Selbst General Lucius D. Clay besuchte 1949 Marburg und das Jugendheim am Fronhof und überzeugte sich von der guten Jugendarbeit der Gutjahrs. Auch Prinz Mikasa vom japanischen Kaiserhaus weilte 1960 einen Abend bei den Jugendlichen. Wichtigster Bestandteil der Jugendarbeit waren neben dem Volkstanz und der Tracht die internationalen Begegnungen. Bereits 1951 führte man die erste Auslandsfahrt nach England durch. Durch diese Kontakte entstand die spätere Partnerschaft des Landkreises mit dem englischen Huntingdon­shire.

Eine Ehrenrunde mit dem Ministerpräsidenten

Die Hessische Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege (HVT) wurde durch Hildegard und Walter Gutjahr 1951 im Anschluss an einen Wochenendlehrgang in Wolfshausen gegründet. Das Kreisjugendheim Wolfshausen, immer mit dem Namen Gutjahr eng verbunden, ist Mittelpunkt der HVT geblieben. Hildegard Gutjahr als Leiterin und Walter Gutjahr als Geschäftsführer führten die HVT bis 1983. Ein besonderer Tag in der HVT-Entwicklung war der erste Hessentag in Alsfeld 1961.

Da baten die Trachtengruppen um eine Aussprache mit dem Kabinett. Ministerpräsident Georg August Zinn kam mit seinen Kollegen heraus, tanzte eine Ehrenrunde mit Hildegard Gutjahr und versprach eine finanzielle­ Förderung der HVT. Von dieser Zeit an erhielt die HVT direkt von der Staatskanzlei Mittel für ihre Kulturarbeit. Dieser blieben die Gutjahrs über die Jahrzehnte treu, leisteten einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung des Volkstanzes. Als Zeichen der ­Anerkennung erhielt Gutjahr viele Auszeichnungen, unter anderem das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und die höchste Auszeichnung des Deutschen Trachtenverbandes, die „LUISE“.

von Erich Frankenberg

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