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Grabung bringt auch Kindergräber zutage

Archäologie Grabung bringt auch Kindergräber zutage

Die öffentlichen Führungen auf dem Gelände am Firmaneiplatz fanden großes Interesse.

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Die archäologischen Ausgrabungen am Firmaneiplatz direkt vor der Elisabethkirche brachten erneut Spuren der Besiedelung des Areals aus dem Mittelalter zutage. Für die Ergebnisse interessierten sich einige Bürger.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das Interesse an der Stadtarchäologie ist in Marburg ungebrochen. Die Archäologinnen Dr. Christa Meiborg (wissenschaftliche Leiterin der Grabung) und Susanne Gütter (technische Grabungsleiterin) vom Landesamt für Denkmalpflege präsentierten die aktuellen Ergebnisse der Grabungen auf dem Firmaneiplatz an der Elisabethkirche vor mehr als 50 interessierten Bürgern. Dabei gab es die einmalige Chance, unter fachkundiger Führung das Grabungsgelände zu erkunden.

Dabei zeigten Meiborg und Gütter beispielsweise Fundamentreste des schon bei einer früheren Grabung teilweise entdeckten ehemaligen Pferdestalls (Marstall) der Deutschordensniederlassung sowie die Stelle, wo sich nach ihrer Überzeugung früher eine Brücke über den Bach (Ketzerbach) befunden hat (die OP berichtete).

Die mutmaßlichen Brückenfundamente lägen tiefer als der Marstall und seien auch älteren Datums. Der Marstall hatte wahrscheinlich zehn Pferdeboxen, wie anhand der Spuren von Pfostenlöchern nachvollzogen werden konnte. Er war im 15. Jahrhundert errichtet und vor 1868 abgerissen worden.

Die archäologischen Ausgrabungen am Firmaneiplatz direkt vor der Elisabethkirche brachten erneut Spuren der Besiedelung des Areals aus dem Mittelalter zutage. Für die Ergebnisse interessierten sich einige Bürger während einer Führung.

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Aber es gab auch noch tagesaktuelle Erkenntnisse: So stießen die Archäologinnen mit ihrem Team auf eine Reihe von Kindergräbern mit Schädeln und Resten von Gebeinen. Bei den seit 2006 unternommenen Grabungen parallel zur Umfeldgestaltung an der Elisabethkirche waren bisher auch schon zahlreiche Erwachsenengräber im Erdreich dokumentiert worden – Belege für mehrere Friedhöfe rund um die Kirche.

Insgesamt gebe es rund 600 Spuren von Gräbern, erläuterte Meiborg. Dabei werden die Grabgruben jeweils nur angeschnitten, und die Skelette werden dokumentiert, ansonsten aber im Untergrund belassen. Denn für die Archäologen seien Gräber ohne Grabbeigaben nicht so aufschlussreich.

Auch einige Fundstücke konnte Meiborg im Anschluss an die Führung zeigen. Es sind Bruchstücke von Ton- und Glasgefäßen oder Ofenkacheln, aber auch einige wenige Münzen. „Es gibt aber insgesamt relativ wenig Fundmaterial“, erklärte Meiborg.

Die archäologischen Grabungen rund um die Elisabethkirche werden seit dem Beginn im Jahr 2006 detailliert dokumentiert. Sie sind jeweils dann möglich gewesen, wenn es im Umfeld der Kirche Neugestaltungen gab, wie jetzt am Firmaneiplatz, wo anstelle der bisherigen Parkplätze ein Brunnen angelegt werden soll und es eine neue Platzgestaltung gibt.

Die Gesamtheit der Grabungen liefert genauere Erkenntnisse zu den ehemaligen Gebäuden rund um die Kirche. Dabei handelt es sich einerseits um das Franziskushospital, in dem ab 1228 Elisabeth von Thüringen Kranke und Arme pflegte, und andererseits um die vielfältigen Gebäude der Deutschordensniederlassung, die bis 1809 Bestand hatte.

von Manfred Hitzeroth

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