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Grabenfest-Lieschen heißt Marie-Lou

Traditionsfest Grabenfest-Lieschen heißt Marie-Lou

Auf die 17-jährige Marie-Lou Lyon kommt eine ehrenvolle Aufgabe zu: Sie stellt anlässlich des Weidenhäuser Grabenfestes und in den kommenden fünf Jahren die Symbolfigur „Hoffmanns Lieschen“ dar.

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Eine echte Weidenhäuserin schlüpft anlässlich des Grabenfestes in die Rolle von „Hoffmanns Lieschen“.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. 15 Jahre lang lebte Marie-Lou Lyon in Weidenhausen, bis sie vor zwei Jahren mit ihrer Familie ins Marburger Südviertel zog. Das hielt den Vorstand der Erlengraben Gesellschaft aber nicht davon ab, der französischstämmigen Schülerin die Rolle der Weidenhäuser Symbolfigur anzubieten. Bevor sie zusagte, recherchierte die neugierige Schülerin erst einmal im Internet, sichtete alte Bilder und Texte und sprach mit vielen Weidenhäusern, um sich ein Bild von Hoffmanns Lieschen zu machen. Ihr Resümee: „Es ist mir eine Ehre, sie darzustellen.“

Der Überlieferung nach soll sich vor über 200 Jahren ein 19-jähriges Mädchen namens Elisabeth Hoffmann mit einer Weidenhäuser Bürgerdelegation nach Kassel zu dem westfälischen König und kleinen Bruder des großen Napoleon Jerome Bonaparte begeben haben, um dessen Beistand gegen den Marburger Bürgermeister zu erbitten. Dieser wollte den Weidenhäusern das Nutzungsrecht über den Erlengraben entziehen.

In Kassel angekommen, wurde Lieschen die Wartezeit zu lang und so beschloss sie, das Schloss auf eigene Faust zu erkunden. In einem der vielen Räume probte gerade das königliche Orchester.

Die Musik gefiel Lieschen so gut, dass sie begann, selbstvergessen zu tanzen. Jerome Bonaparte, der zufällig hinzukam, war so angetan von dem anmutigen Tanz des bildhübschen Mädchens, dass er den Weidenhäusern endgültig das Grabenland zusprach. Auch wenn diese Geschichte viele Fragen offen lässt, ist sie nicht nur die Grundlage der Figur von Hoffmanns Lieschen, sondern auch die der bürgerlichen Emanzipation des 19. Jahrhunderts.

Seitdem wird im Marburger Stadtteil Weidenhausen regelmäßig das Grabenfest gefeiert, bei dem es einst auch einen Hoffmanns-Lieschen-Tanz gab.

Wie Hoffmanns Lieschen tanzt auch Marie-Lou gern

Auch Marie-Lou tanzt gern, zeitgenössisch versteht sich. Ihre Leidenschaft ist Hip-Hop. Ganz besonders freut sie sich auf die Eröffnungsfeier am Samstag nächster Woche, bei der Achim Sieber, der Vorsitzende der Erlengraben Gesellschaft, sie dem Publikum und Vertretern aus Politik, Stadtteilgemeinden und Vereinen vorstellen wird.

Die feierliche Eröffnung, die am 8. August um 17 Uhr am Erlengbraben 18 vor dem "Hannes" und in der für das Fest abgesperrten Straße beginnt, wird am Abend mit dem Auftritt einer Live-Band ausklingen. Am Sonntag, 9. August gibt es ab 11 Uhr zum Abschluss des Festes am gleichen Ort einen Frühschoppen.

von Ruth Korte

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