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Glutofen Stadtbus

Klimaanlagen überfordert Glutofen Stadtbus

Die Klimaanlagen in den Bussen der Stadtwerke funktionieren. Ausnahme: Wenn es zu warm ist. Auf diesen Nenner lassen sich die Aussagen von Bürgermeister und Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Franz Kahle und von Christoph Rauh (Stadtwerke Consult) zusammenfassen.

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Hitze in den Marburger Bussen. Ein Bus steht an der Haltestelle Gutenbergstraße.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Stadtverordnete Dr. Michael Weber (Piratenpartei) hatte in einem Antrag gefordert, der Magistrat möge dafür Sorge tragen, dass in den Bussen des ÖPNV bei Außentemperaturen von mehr als 22 Grad die Klimaanlagen bei geschlossenen Fenstern eingeschaltet werden. Das Problem haben viele Fahrgäste in diesem Sommer besonders deutlich zu spüren bekommen: An heißen Tagen herrscht im Stadtbus brüllende Hitze und teils unerträgliche Schwüle. Klimaanlagen, so sie denn laufen, wälzen heiße Luft um, was die Situation noch verschlimmert. Fahrgäste, die versuchen ein Fenster während der Fahrt zu öffnen, werden angewiesen dies zu unterlassen - sonst würden die Klimaanlagen nicht funktionieren.

Dass die Busfahrer aber Klimaanlagen vorsätzlich nicht einschalten würden, wie Pirat Weber in seinem Antrag nahegelegt hat, könne er aber ausschließen, sagte Rauh in der Ausschussdebatte. Schließlich seien sie es, die am meisten unter Hitze zu leiden hätten. Im Fahrerbereich könnten Temperaturen bis 50 Grad erreicht werden, so Rauh.

Dieser Aussage mag man Glauben schenken oder auch nicht; Weber tat es nicht und bestand auf seinem Antrag. Henning Köster (Marburger Linke) regte eine Kundenbefragung an, um den Grad an Zufriedenheit mit der Klimatisierung der Stadtbusse zu erkunden.

Um ein Haar hätte die Koalitionsmehrheit das Anliegen Webers einfach so abgebügelt und den Antrag abgelehnt. Er sehe keinen Anlass, an den Ausführungen von Rauh zu zweifeln, sagte Ausschussvorsitzender Uwe Volz (Grüne), und Dr. Ralf Musket (SPD) wurde noch deutlicher: „Es hat keinen Sinn, mit dieser Diskussion weiter Zeit zu vergeuden“, sagte er.

Es war der CDU-Stadtverordnete Joachim Brunnet, der mit einem Änderungsantrag den Ausschuss vor einer Blamage bewahrte. Auf seine Initiative hin wurde der Antrag Weber geändert. Der Ausschuss empfahl dem Stadtparlament, den Magistrat zu bitten, über den Einsatz der Klimaanlagen im ÖPNV zu berichten und zu prüfen ob die Situation auch bei extremen Witterungsbedingungen verbessert werden kann.“

Der ursprüngliche Antrag der Priratenpartei erhielt nur die Zustimmung der Linkspartei.

Dass die Situation in den Stadtbussen nämlich alles andere als befriedigend ist, musste auch Kahle einräumen: In den meisten Bussen brächten die Klimaanlagen ab 25 Grad Außentemperatur nicht mehr viel und ab 30 Grad gar nichts mehr, sagte Kahle, und Rauh ergänzte: Angesichts der vielen Haltestellen im Innenstadtbereich ströme viel warme Luft durch sich ständig öffnende Türen in die Busse.

Möglicherweise müsse man bei den Klimaanlagen nachrüsten, regte Brunnet an und wollte wissen, ob denn Spitzentechnik eingebaut sei? „Bei den modernen Bussen ja“, antwortete Kahle und räumte indirekt ein, dass es bei älteren Fahrzeug-Modellen ein Problem geben könne.

Auf ein weiteres Problem wies Rauh noch hin: Bei angeschalteten Klimaanlagen sinke die Motorleistung um 30 bis 40 Prozent, sagte er, die Busse könnten dann Steigungen nur schwer bewältigen. Dennoch, so Rauh noch einmal, gebe es keine Anweisung an die Fahrer, Klimaanlagen auszuschalten.

von Till Conrad

Kommentar zum Thema von Till Conrad: Einfach, aber nicht selbstverständlich

Als Kunden der Deutschen Bahn mangels laufender Klimaanlagen in Intercitys schmorten, regte sich – zu Recht – die gesamte Republik auf. Insofern ist es mehr als fahrlässig, Beschwerden über brütende Hitze in Stadtwerke-Bussen auf die leichte Schulter zu nehmen. Als Kunde eines modernen Dienstleisters kann ich erwarten, dass ich das umweltfreundliche Verkehrsmittel Bus ohne gesundheitliche Gefahren nutzen kann. Klimaanlagen in Bussen haben zu funktionieren – auch wenn es heiß ist. So einfach ist das, und doch leider nicht selbstverständlich.

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