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„Glücklich war der, der sie als Freundin hatte“

Eva Wenckebach ist tot „Glücklich war der, der sie als Freundin hatte“

Bestürzung in der heimischen SPD: Eva Wenckebach, die langjährige Unterbezirks-Geschäftsführerin, starb am Dienstag überraschend im Alter von 66 Jahren. Am Freitag hatte sie noch an der Kreistagssitzung teilgenommen.

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Vergangenen Freitag nahm Eva Wenckebach noch an der Kreistagssitzung teil. Am Dienstag ist sie gestorben.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Sie fehlt“, sagt Werner Hesse, SPD-Fraktionschef im Kreistag, und drückt damit in zwei Worten aus, was die heimischen Sozialdemokraten denken. Eva Wenckebach hinterlässt fachlich wie menschlich eine große Lücke in der Partei.

Denn die schwedische Studentin, die einst nach dem Abitur nach Marburg kam, wurde über die Jahre zum Dreh- und Angelpunkt in der Kreis-SPD, als Organisatorin, erfahrene Kraft in unzähligen Wahlkämpfen und als Kümmererin in vielen Dingen.

„Eva war ein so wertvoller Mensch, sie war ausgesprochen solidarisch, einfühlsam und hat sich um die Dinge anderer fast mehr gekümmert als um ihre eigenen“, sagt Hesse, der Wenckebach seit 1969 kannte und auch im Wahlkreisbüro der SPD lange Jahre mit der 66-Jährigen zusammengearbeitet hat. „Glücklich war der, der sie als Freundin haben konnte.“

Wenckebach kam zum Studieren und blieb

Geboren im schwedischen Eskilstuna, kam sie einst eigentlich zum Studieren nach Marburg - und blieb dem Landkreis treu. Aus zwei Ehen hinterlässt sie zwei Söhne und war zweifache Großmutter.

Über die Parteigrenzen hinaus war sie als angenehme, humorvolle Gesprächspartnerin und Kollegin geschätzt. „Ihre Art, Sitzungen stringent zu führen und doch jedem die Möglichkeit zu geben, seine Meinung zu sagen, wird in Erinnerung bleiben“, sagt Werner Hesse. Und: „Ihre Reden waren immer knapp gehalten, aber es war dann auch alles Wichtige deutlich gesagt.“

Von 1977 bis 1990 war sie Wahlkreis-Mitarbeiterin des Bundestagsabgeordneten Gerhard Jahn, von 1991 bis 1993 auch von dessen Nachfolgerin Brigitte Lange. Geschäftsführerin des SPD-Unterbezirks war sie von 1993 bis zum Eintritt in den Ruhestand 2012.

Seit 2001 im Kreistag

Wenckebach studierte Erziehungswissenschaften an der Philipps-Universität und beschäftigte sich auch in ihrer politischen Arbeit überwiegend mit Bildungsthemen. Von 2001 an gehörte die Marburgerin dem Kreistag an, war dort unter anderem Vorsitzende des Schul- und Kulturausschusses, Mitglied im Volkshochschulbeirat und fast zehn Jahre lang Pressereferentin der SPD-Kreistagsfraktion.

Auch abseits der Politik war ihr Interesse breit gefächert. Wenckebach reiste gern, sang im Chor und schrieb mit Vorliebe eigene Geschichten, eine Beschäftigung, der sie im Ruhestand nun verstärkt nachgehen wollte. Sie selbst sah sich nicht so gern im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Bei ihrer Verabschiedung auf dem Parteitag im März 2012 bedankten sich die Delegierten mit vielen lobenden Worten und stehenden Ovationen. Bis sie sagte: „Jetzt müsst Ihr aufhören, sonst muss ich noch weinen.“

von Michael Agricola

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