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"Gigi" hält die Justiz weiter auf Trab

Streit um Hund "Gigi" hält die Justiz weiter auf Trab

Seit 2007 beschäftigt sich die Justiz mit dem Fall des inzwischen verstorbenen Chihuahua-Hündchens „Gigi“, der bundesweit Schlagzeilen machte. Auch beim gestrigen Termin am Landgericht wurde kein Schlussstrich unter die Posse gezogen.

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Die Chihuahua-Hündin „Gigi“ ist seit vielen Jahren Streitpunkt in einer Auseinandersetzung zwischen einer Frau aus Siegen und einer Marburgerin.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Ich brauche kein Geld, ich brauche Gerechtigkeit“, sagte die in der Berufungsverhandlung Beklagte, Frau S. aus Siegen. Sie wollte sich nicht auf einen Vergleich einlassen, den der Anwalt der Gegenseite und der Richter, Landgerichtspräsident Dr. Christoph Ullrich, in der Berufungsverhandlung anstrebten.
Es sei schließlich zu erkennen, dass die Auseinandersetzung beide Parteien belaste, sagte Ullrich. Daher wolle er „sehen, ob es eine Möglichkeit gibt, die Angelegenheit endlich zu beenden“.
Im Jahr 2006 hatte Frau S. den Hund von einer Züchterin in der Slowakei erworben. Bei dem Kauf war auch die Beklagte dabei gewesen - das Verhältnis war damals noch intakt. Als diese im selben Jahr zum getrennt lebenden Ehemann von Frau S. nach Marburg zog, holte sie den Chihuahua gelegentlich ab und brachte ihn der Mutter im August 2006 schließlich nicht, wie vereinbart, zurück.
Sie gab „Gigi“ an „Frau C.“ weiter, die inzwischen heiratete und so zu „Frau M.“ wurde. Es folgte eine Vielzahl an Prozessen, bei denen unter anderem im Dezember 2009 ein Urteil erlassen wurde, in dem die Herausgabe „Gigis“ an Frau S. festgelegt war. Eine Zwangsvollstreckung konnte jedoch nie vollzogen werden, da die Hündin in der Zwischenzeit verstarb.
Die Siegenerin behauptet hingegen „Gigi“ sei noch einen Tag zuvor „quicklebendig in der Stadt gesehen worden“, weswegen der Tod durch die angegebene Todesursache so schnell medizinisch gar nicht möglich sei. Im Zuge eines Vergleichs waren 5.000 Euro von Frau M. bei der Gerichtskasse hinterlegt worden. Sie dienten als Sicherheit, falls „Gigi“ eines nicht natürlichen Todes sterben sollte. Da die Todesursache weiterhin umstritten ist, ist dieses Geld nun der Streitpunkt zwischen den Parteien. Der Anwalt von Frau S. bezeichnete den Vergleich bei der gestrigen Verhandlung sogar als „den größten Fehler meiner Laufbahn“.
Mögliche Fortsetzung vor Bundesverfassungsgericht
In Abwesenheit seiner Mandantin, Frau M., schlug der Rechtsanwalt einen erneuten Vergleich vor, der die Zahlung von 2.500 Euro an Frau S. vorgesehen hätte. Damit müsse „die Sache dann aber auch beendet sein“, betonte er.
Die Siegenerin mit slowakischen Wurzeln lehnte dies jedoch vehement ab. „Geld betrachte ich als Bestechung“, sagte sie und erhielt Unterstützung durch ihren Anwalt. „Ein Urteil kann manchmal auch eine Genugtuung sein“, gab er zu Protokoll und wünschte sich für seine Mandantin „einfach nur noch Recht zu bekommen“.
Der Vorsitzende wirkte bereits genervt. „Was wollen Sie denn überhaupt?“, fragte er sie. Es gehe ihr nicht um finanzielle Dinge - doch auf die 5.000 Euro wolle sie ja dann auch nicht verzichten. Worauf sie hinaus wollte, blieb dem Richter daher unklar, denn mit dem Urteil von 2009, das auch in der Revision erneuert worden war, war sie bereits als rechtmäßige Besitzerin der Hündin bestätigt worden. Daher appellierte er daran, eine Lösung anzustreben, auch wenn er ihren Zorn verstehen könne.
Frau S.: Beschimpfungen und Morddrohungen
Doch auch deren Anwalt war der Meinung, dass „das Verfahren Wunden gerissen hat, die ein Vergleich nicht heilen kann“. Zudem wolle er seinen Kollegen auf der anderen Seite „nicht daran hindern, Rechtsgeschichte zu schreiben“. Dieser hatte zuvor indirekt mit dem Bundesverfassungsgericht gedroht, „wenn unsere Argumente in der Entscheidung nicht berücksichtigt werden“.
Frau S. verwies immer wieder auf Beschimpfungen im Internet. Sie wolle Recht bekommen, um sich nichts nachsagen lassen zu können. Sie sei etwa als „slowakische Ziegenhirtin“ bezeichnet worden und habe Morddrohungen erhalten, wegen der sie Deutschland zeitweise verlassen habe.
Der nicht enden wollende Prozess verschlang mittlerweile wohl Kosten in sechsstelliger Höhe. Ein Urteil zu der aktuellen Berufungsverhandlung, bei der Frau M. die 5.000 Euro zurückfordert, soll Ende September ergehen.

von Peter Gassner

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