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Ghetto-Angst am Richtsberg

Wohnungsbau Ghetto-Angst am Richtsberg

Der Ortsbeirat Richtsberg fühlt sich bei Planungen rund um den Bau von neuen Sozialwohnungen übergangen.

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Bernd Marquordt von „Hessen Mobil“ (stehend) spricht über den geplanten Ausbau der Beltershäuser Straße. Foto: Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Die Debatte um den Bau von Sozialwohnungen am Richtsberg erhitzt die Gemüter der Anwohner und Kommunalpolitiker. Gerhard Haberle, Sprecher der lokalen Agendagruppe Nachhaltige Stadtentwicklung, wies jedoch auf „die Gefahr einer Ghettobildung“ hin. Er fordert eine bessere Durchmischung der Einwohner. „Über die Hälfte der Bewohner von Richtsberg und Waldtal sind doch bereits Sozialhilfe-empfänger“. Noch mehr Wohnungen für finanziell Schwache könnte die Situation im Stadtteil kippen lassen. Viele der rund 40 Gäste der Sitzung äußerten zudem Bedenken über wegfallende Parkplätze - Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) beschwichtigte: „Es fallen keine weg.“

Mit Interesse wurde jedoch eine Information Vaupels aufgenommen, wonach in die Neubauten der GWH 19,3 Millionen Euro der Fördergelder fließen sollen. 4,7 Millionen wolle die Stadt für den Erhalt sozialen Wohnraums in der Bindung ausgeben. 2471 Sozialwohnungen gab es Ende 2012 in der Stadt, „doch jedes Jahr fallen etwa 100 aus der Bindung heraus“, sagte Vaupel.

Irritationen, dass der Ortsbeirat und die Anwohner von den Bauplänen samt der Landesförderung über 24 Millionen Euro vorher nichts erfahren hätten, erklärte Vaupel mit dem Zeitdruck. Er sei froh gewesen über die kurzfristige Zusage und der Tatsache, dass die Wohnungsbaugesellschaft GWH „bereits Vorschläge für 450 Wohnungen in der Pipeline gehabt hat, die sie ursprünglich frei finanziert errichten wollte.“ Um einen Quadratmeterpreis von 6,50 Euro zu erreichen, sei Voraussetzung, dass die Grundstücke bereits im eigenen Besitz seien. Nach dem letzten Zensus von 2011 habe der Richtsberg 8006 Einwohner, mit 58,5 Personen pro Hektar liege er etwa im Mittel Marburgs inklusive aller Stadtteile, zentralere Bereiche seien wesentlich höher besiedelt. Eine weitere Verdichtung sei also verträglich, und die vorhandene Infrastruktur von Einkaufsmöglichkeiten bis zur Bus- und Bahnanbindung seien weitere wichtige Voraussetzungen.

Karin Stemmer, Leiterin der Bestandbewirtschaftung Mittelhessen der GWH, welche über etwa 700 Wohnungen am Richtsberg verfügt, erläuterte die geplanten Neubauten. Am unteren Richtsberg sollen zweimal 15 Wohnungen durch Anbau an die fensterfreien Wände der Gebäude Damaschkeweg 12 und 14 entstehen, am mittleren Richtsberg, Am Richtsberg 12, sollen eine Garagenanlage mit 28 Wohnungen überbaut werden, und am oberen Richtsberg soll das Gebäude Karlsbader Weg 6 a mit 30 Wohneinheiten errichtete werden. Die neuen Immobilien werden barrierefrei errichtet.

Der vorhandene Wohnungsbestand sei nämlich großenteils unter dem Gesichtspunkt des demographischen Wandels nicht zukunftsfähig. „Diese Neubauten sind eine Aufwertung“, sagte Stemmer im Laufe der vierstündigen Sitzung.

von Manfred Schubert

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