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Gezielte Hilfe für Pflegebedürftige

Fünf Jahre Stützpunkt Gezielte Hilfe für Pflegebedürftige

Seit fünf Jahren bietet der Pflegestützpunkt Marburg-Biedenkopf am Rudolphsplatz ein umfassendes kostenloses Beratungsangebot zu allen Themen der Pflege an.

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Erhard Gessner (von links), Dieter Kurth, Andrea Gockel, Karin Woscibilo, Herta Förster, Maren Findt, Astrid Fichte, Ruth Schlichting und Kirsten Fründt wollen noch mehr Menschen auf die kostenfreien Angebote des Pflegestützpunktes hinweisen.

Quelle: Heiko Krause

Marburg. Zum Jubiläum soll die Arbeit des Pflegestützpunktes im Sinne des gesetzlich festgeschriebenen Beratungsanspruchs noch bekannter gemacht werden. Wie Landrätin Kirsten Fründt (SPD) anlässlich einer Pressekonferenz betonte, wüssten nur 38 Prozent der Bevölkerung von diesem Recht. Das Beratungsangebot im Beratungszentrum mit integriertem Pflegestützpunkt (Bip) eminent wichtig für Betroffene und Angehörige, da fast 80 Prozent der Pflegebedürftigen zuhause versorgt würden, hob die Landrätin hervor.

Nach Angaben des Landkreises lebten in Marburg-Biedenkopf 9228 Pflegebedürftige zum Jahresende 2013, darunter 3623 mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz. 2095 Personen wurden in Heimen versorgt. Beauftrag durch das Land stellen die Landkreise jeweils mindestens einen Pflegestützpunkt zur Verfügung für die Bevölkerung. Die Pflegekassen finanzieren dafür jeweils einen Pflegeberater, die Sozialhilfeträger einen Sozialberater.

Erhard Gessner, Leiter des Servicezentrums DAK Gesundheit in Marburg, hob in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit der Pflegeversicherung hervor. „Ohne sie wüsste ich gar nicht, wie die Pflege heute in der Gesellschaft geregelt werden könnte.“ Eine umfassende Beratung sei unerlässlich.

66 Prozent der Betroffenen werden durch Angehörige versorg

„Häufig gibt es Situationen, die schlagartig zu Herausforderungen führen, fundierte und qualifizierte Beratung, wie es weitergehen kann, hilft hier nicht nur den Pflegebedürftigen, sondern auch den Familien, denn kaum einer will, dass sich Angehörige aufreiben“, sagte Fründt. Etwa 66 Prozent der Betroffenen würden gar nur durch Angehörige versorgt, deshalb gelte es, alle Unterstützungsangebote vorzustellen, so die Landrätin. „Und hinzu kommt noch eine hohe Dunkelziffer derjenigen, die gar nicht statistisch erfasst sind, gleichwohl aber Hilfebedarf haben.“

Seit vergangenem Jahr, so Fründt, gebe es zwei Außenstellen in Gladenbach und Stadtallendorf, um die Menschen im Landkreis außerhalb der Stadt Marburg ebenfalls umfassend zu beraten.

Ruth Schlichting, Leiterin der Stabsstelle Altenhilfe des Kreises, betonte, dass alle Angebote kostenfrei seien und im Gegensatz zu anderen Beratungsangeboten auch träger- und anbieterneutral. Pflegeberater als Fachleute für Leistungen arbeiteten im Team mit den Sozialberatern im Sinne der Bürger. „Und wir haben den Anspruch auf enge Kooperation mit allen Anbietern, sei es für ambulante oder stationäre Pflege, Selbsthilfegruppen sowie mit Kliniken und deren sozialen Diensten“, so Schlichting. „Umfangreiche Beratung und Begleitung kann in bis zu 40 Prozent der Fälle eine Heimunterbringung verhindern“, zeigte sie sich überzeugt.

Beim Hausbesuch umfassenden Eindruck sammeln

Pflegeberater Dieter Kurth sagte, dass die Beratung immer individuell sei. Dafür nehme er sich auch viel Zeit. Anfangs gehe es um kurzfristige Lösungen. In weiteren Terminen werde dann analysiert, was noch möglich sei. Wie Schlichting berichtete, seien in den letzten fünf Jahren 2623 Personen beraten worden. Insgesamt 7000 „fallbezogene“ Beratungen von der Erstberatung über Folgeberatung bis hin zu Begleitung zu Behörden verdeutlichten die intensive Arbeit der Mitarbeiter dabei. „Ich erfahre viel über Situationen und Familien“, so Sozialberaterin Astrid Fichte. Oft sei es gut, sich auch beim Hausbesuch einen umfassenden Eindruck vor Ort zu machen, um noch individueller beraten zu können. Und Kollegin Andrea Göckel ergänzte: „Die Begleitung ist sehr wichtig. Wie geht es Ihnen, können wir noch etwas anderes machen? Das sind Fragen, die ich immer wieder im persönlichen Gespräch stelle.“ Kurth verwies auf die gute Vernetzung des Pflegestützpunktes, so sei es ein Leichtes, auch außerhalb seiner Kompetenz, beispielsweise in Betreuungsfragen, Fachleute heranzuziehen und auch bei Hausbesuchen mitzunehmen. Unter dem Dach des Bip befinden sich die Alzheimergesellschaft, die Freiwilligen Agentur, der Verein für Selbstbestimmung und Betreuung und das Pflegebüro der Stadt Marburg.

Gelobt wurde die Arbeit des Pflegestützpunktes von den Kundinnen Herta Förster und Karin Woscibilo. „Es kommt ja ganz plötzlich, dass man nicht mehr alles kann“, sagte Förster. „Und da war man mir hier eine ganz große Hilfe“, denn sie selbst hätte nie die vielfältigen Möglichkeiten der Unterstützung herausgefunden. „Die Kinder sind weit weg, aber ich wollte doch gerne zu Hause bleiben.“

„Es ist gut, dass es so etwas gibt“, sagte Woscibilo, „ich habe auch viele andere hierhergeschickt".

von Heiko Krause

Anlaufstellen in Sachen Pflege

Pflegestützpunkt in Marburg (Am Grün 16):

Offene Sprechstunden: Mittwoch und Freitag: 10 bis 12 Uhr, Donnerstag: 14 bis 17 Uhr

Telefonische Erreichbarkeit: Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr

Pflege- und Sozialberatung: Dieter Kurth, Mike Escherig: Telefon 06421/4057401

Andrea Gockel, Astrid Fichte: Telefon 06421/4057402,

E-Mail : pflegestuetzpunkt@marburg-biedenkopf.de

 

Gesundheits- und Pflegestützpunkt West in Biedenkopf (Kiesackerstraße 12)

Offene Sprechstunden: Dienstag und Mittwoch von 10 Uhr bis 12 Uhr; Donnerstag von 13 Uhr bis 15 Uhr.

Termine bei Bedarf auch zu Hause, im Krankenhaus oder Pflegeheim nach Vereinbarung unter Telefon 06461/793118

E-Mail: GSP-West@marburg-biedenkopf.de

Gesundheits- und Pflegestützpunkt Ost in Stadtallendorf (Bahnhofstraße 2)

Sprechzeiten im Rathaus: Dienstag 13 Uhr bis 15 Uhr; Mittwoch und Donnerstag von 10 Uhr bis 12 Uhr.

Weitere Termine auch zu Hause oder im Pflegeheim, nach Vereinbarung unter Telefon 06428/4472161

E-Mail: GSP-Ost@marburg-biedenkopf.de

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