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Gewobau stoppt Erlenring-Vorhaben

Bauen in Marburg Gewobau stoppt Erlenring-Vorhaben

Neue Wohnungen am Erlenring wird es nicht geben. Die Gewobau wird die Pläne zur Verdichtung des Gebiets nicht weiter verfolgen. Das teilte der kommunale Eigenbetrieb der Stadt mit.

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Die hier geplante Lückenbebauung am Erlenring findet jetzt doch nicht statt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Grund dafür, dass die Lückenbebauung fallengelassen worden ist, seien die fehlenden Parkplätze in dem Gebiet und die Bedenken der ­Mieter auf Gewobau-Versammlungen.

Hintergrund des nun verworfenen Vorhabens ist ein hoher Instandhaltungsaufwand an den in den Anfang der 1950er-Jahren errichteten Häusern. Die Gewobau schlug einen Ersatz der Bestandsgebäude durch moderne, barrierefreie Neubauten sowie eine Tiefgarage vor. Geplant waren drei Wohnhäuser, die sich in die Lücken der bestehenden Immobilien einfügen sollten.

Die neuen Wohnungen sollten zwischen 47 und 95 Quadratmetern messen - vor allem, um dem wachsenden Wohnungsbedarf von Familien­ Angebote entgegenzusetzen. Von 60 wäre die Zahl der Zentrums-Wohnungen auf 100 aufgestockt worden.

"Richtige Entscheidung"

„Für die breiten Schichten, etwa die Normalverdiener bei Behring, im Klinikum oder an der Universität - weniger für Arbeitslose und Geringverdiener - fehlt es weiter an Wohnraum, die bekommen in Marburg praktisch nichts. Da müssen Stadt und Politik endlich ihr Augenmerk drauf richten“, sagte der scheidende Gewobau-Geschäftsführer Bernd Schulte im Frühjahr (die OP berichtete).

Es sei die „richtige Entscheidung“, da es viele kritische Stimmen aus der Nachbarschaft gegeben habe, sagt Weidenhausens Ortsvorsteher Wolfgang Grundmann (SPD). Das sehen Anwohner ähnlich: „Es hätte viele Folgeprobleme gegeben, weil es einfach zu vollgepackt worden wäre“, sagt Gernot Veit (47). „Weidenhausen lebt doch von einem Charme, seiner Schönheit. Die würde mit Neubauten weiter leiden“, sagt Gertrud Schmidt (64).

„Geschadet hätten neue Wohnungen sicher nicht, irgendwo müssen die Menschen in Zukunft ja ­leben. Dass eine mögliche ­Enge die jetzigen Bewohner stört, ist aber verständlich. Sie sind es eben nicht gewöhnt“, sagt Justus Blumberg (22). Ob es angesichts der Innenstadt-Wohnungsnot andere Pläne der ­Bebauung am Erlenring gebe, „wird die Zukunft zeigen“, sagt Grundmann.

Poitierstraße: Statt Flach- werde es Satteldächer geben

Baudezernent Wieland Stötzel (CDU) sieht in Weidenhausen, wie generell für eine weitere ­Innenstadt-Verdichtung kaum noch Chancen. „Am Erlenring stehen die Häuser jetzt schon dicht beisammen, mit den angedachten Neubauten wäre es insgesamt zu eng geworden“, sagt er. Das andere Weidenhäuser Neubauprojekt in der ­Poitiersstraße nimmt indes konkrete Formen an.

Wie die Gewobau mitteilt, seien Absprachen mit Nachbarn getroffen worden, die die Ursprungsplanungen verändern. Statt der Flachdächer werde es Satteldächer geben, auf den Kopfbau wird verzichtet. „Dadurch wird jedoch insgesamt weniger Wohnraum geschaffen“, heißt es von der Gewobau.

Im Sinne der Ziele des Wohnraumversorgungskonzeptes der Universitätsstadt soll an diesem Standort auch ein gemeinschaftliches Wohnprojekt in ­einem barrierefreien Haus verwirklicht werden.

Abwanderung soll gestopt werden

Eine Wohnungsmarkt-Studie aus 2014 (Inwis) rechnet mit ­einem Bevölkerungswachstum von 1500 in Marburg bis 2020. Neben Studenten seien vor allem junge Familien, Berufseinsteiger und Alleinerziehende von der Wohnungsnot betroffen.

Es fehle vor allem an Angeboten im unteren und mittleren Preissegment. Der Wohnungsbau-Fokus solle auf der Kernstadt sowie zentrumsnahen Stadtteilen wie Wehrda, Cappel und Marbach liegen - durch Verdichtung, Aus- und Hochbau. Bauplätze in den Außenstadtteilen gebe es laut Studienautoren genug.

Baudezernent Stötzel will trotzdem künftig in den Außenstadtteilen mehr Bauland ausweisen, um die Abwanderung von Familien in Umland­gemeinden zu stoppen.

von Björn Wisker

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