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Gewinner muss auf seinen Strauß warten

CDU-Kandidatenkür Gewinner muss auf seinen Strauß warten

Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer ist wie erwartet als CDU-Direktkandidat im Wahlkreis 12 gewählt worden. Ersatzkandidat ist Tobias Meyer aus Breidenbach - mit haarscharf erreichter Mehrheit.

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Blumen für den Sieger: Der frisch gewählte Ersatzkandidat Tobias Meyer (links) nimmt vom CDU-Kreisvorsitzenden Frank Gotthardt einen Strauß entgegen.

Quelle: Michael Hoffsteter

Biedenkopf. Die Nominierung von Dr. Thomas Schäfer möge im Mittelpunkt des Abends stehen, wünscht sich Dr. Christean Wagner, langjähriger Direktkandidat im Wahlkreis 12 Marburg-Biedenkopf West und Fraktionsvorsitzender der CDU im Hessischen Landtag. Doch daraus wird nichts am Freitagabend im Bürgerhaus Biedenkopf.

Fürs Amt des Direktkandidaten ist Schäfer der einzige Bewerber, der CDU-Kreisvorstand schlägt den früheren Biedenkopfer einmütig vor. Entsprechend fällt das Ergebnis aus: Schäfer holt 95 Prozent der Stimmen.

Bei der Wahl des Ersatzkandidaten hingegen gibt es zwei Optionen und keine Empfehlung des Kreisvorstands - jetzt sieht es so aus, als wären die 88 CDU-Delegierten aus den Kommunen von Hinterland, Südkreis und Nordkreis ganz auf sich gestellt. Doch Direktkandidat Schäfer gibt dann noch ein deutliches Signal: Er wünscht sich seinen Freund Dr. Horst Falk aus Dautphetal als Ersatzkandidaten - bei der demnächst anstehenden Wahl zum CDU-Kreisvorstand könne Falks Konkurrent Tobias Meyer dann stellvertretender Kreisvorsitzender werden (für Schäfer selbst ist das Amt des Vorsitzenden vorgesehen). Der noch amtierende CDU-Kreisvorsitzende Frank Gotthardt hat die Faxen inzwischen dicke: „Ich bin froh, wenn wir diese Wahl hinter uns haben. Es waren viele Telefongespräche und Einladungen zum Abendessen, die ich im Vorfeld hatte“, erzählt er.

Denn in der CDU rumorte es zuletzt wegen des bevorstehenden Parteitags, weil von wichtiger Stelle die Nominierung Falks gewünscht und wohl auch darauf hingearbeitet wurde.

In seiner Vorstellungsrede vor den Delegierten geht Tobias Meyer, sichtlich aufgeregt und bewegt, direkt darauf ein: „Wenn man versucht, einen Kompromiss zu finden, muss man auch in beide Richtungen denken - und das ist hier nicht geschehen.“ Zum Ende seiner Ausführungen weist er darauf hin, dass „die Wahrung und Achtung christlicher Werte im Umgang miteinander gerade unter Parteifreunden“ wichtig sei. „Einer Partei, die das C im Namen trägt, steht das gut zu Gesicht.“

Und dann, nachdem beide Bewerber sich vorgestellt haben, wird gewählt und ausgezählt. „Bevor jetzt hier Unruhe entsteht, der Hinweis, dass wir die Stimmen zur Sicherheit dreimal ausgezählt haben“, sagt Frank Gotthardt nach wenigen Minuten und verkündet, dass Tobias Meyer mit seinen 44 Stimmen zu Dr. Horst Falks 42 Stimmen vorn liegt. Applaus im Saal. Tobias Meyer kommt auf die Bühne. „Ich bin so stolz, in dieser Partei zu sein - und mir fällt ein solcher Stein vom Herzen“, sagt er. Dann auch Applaus für Dr. Horst Falk: „Vielen Dank, vielleicht hätte ich mich selbst wählen sollen“, sagt er ins Mikrophon. Jetzt kommt das Gratulieren. Tobias Meyer will seinen Blumenstrauß entgegennehmen, doch Frank Gotthardt drängt ihn mit ausgestrecktem Arm zurück: „Erst der Horst Falk!“ Die Christdemokraten dürfen jetzt nach Hause gehen. Viel haben sie an diesem Abend gehört und gesehen. Eine so turbulente Wahl zum Ersatzkandidaten - da könnte man meinen, die CDU gehe davon aus, dass dieser sein Amt im Landtag tatsächlich wird ausüben müssen. Doch Dr. Thomas Schäfer versichert augenzwinkernd: „Ich war neulich erst beim Internisten, mir geht es gut, mit meiner Gesundheit hat das nichts zu tun.“

Vom Wahlprozedere einmal abgesehen - an diesem Abend geht es auch um Botschaften an die Partei und die potenziellen Wähler. Dr. Thomas Schäfer legt in seiner Rede einen Schwerpunkt auf die Finanzpolitik. Er weist auf die Wichtigkeit der Schuldenbremse hin, bezeichnet den Länderfinanzausgleich, in dem Hessen Geberland ist, als Berliner „Hauptstadtfinanzierungsprogramm“ und kündigt an, dass das Land im Februar vor dem Bundesverfassungsgericht klagen werde gegen dieses „ungerechte System“.

Meyer und Falk, beide Lehrer, beide langjährig kommunalpolitisch engagiert, wählen recht ähnliche Themen in ihren Reden. Beide warnen sie ganz generell und ohne speziellen Bezug vor dem Islam. Meyer zitiert dazu Kabarettist Dieter Nuhr, der in einem Interview gesagt habe, der Islam sei nur tolerant, solange er keine Macht habe. Beide weisen sie auf ihr bildungspolitisches Engagement hin - Falk verfechtet dabei vehement das dreigliedrige Schulsystem und warnt vor „Gleichmachung unterschiedlicher Schüler“ in einer „Einheitsschule“.

von Carina Becker

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