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Gewalt-Debatte schwelt weiter

Oberstadt Gewalt-Debatte schwelt weiter

Anwohner contra Konfliktforscher der Universität: Während Bewohner Gewaltprobleme benennen, erkennen Forscher keine Hinweise auf eine eskalierende Entwicklung.

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Spurensicherung nach der tödlichen Messerstecherei Mitte Oktober am Schuhmarkt.

Quelle: Archiv

Marburg. Auch einen Monat danach sind die von Gewalt geprägten Vorfälle in der Marburger Oberstadt noch immer ein brisantes Thema mit Diskussionspotenzial. Professor Benno Hafeneger und sein Kollege Professor Ulrich Wagner vom Zentrum für Konfliktforschung gingen in einer Podiumsdiskussion unter anderem der Frage nach, inwieweit Marburg in Anbetracht der vergangenen Ereignisse von einer Welle der Gewalt erfasst wird.
Die Wissenschaftler gaben aber Entwarnung. „Die Messerstecherei war ein schlimmes Ereignis. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass gerade diese hervorstechenden Einzelfälle schnell den Eindruck einer Gewalteskalation mit sich bringen können“, betont Wagner. Mit 371 im vergangenen Jahr registrierten Gewalttaten im Landkreis zeige die Stadt im Vergleich zu anderen sogar eine geringere Kriminalitätsrate. 
„Eine Gewalteskalation ist deshalb gerade in Marburg nicht zu erwarten.“

Zustand ist nicht wegzudiskutieren

Besonders die Anwohner sahen das aber in der anschließenden Diskussionsrunde anders. „Bei uns ist immer noch ein großes Unsicherheitsgefühl präsent“, hieß es aus ihren Reihen. Die Konfliktforscher verwiesen daraufhin in Sachen Präventionsmaßnahmen besonders auf die Schulen. Momentan versuche die AG „Marburg gegen Gewalt“, verstärkt mit den entsprechenden Einrichtungen zusammenzuarbeiten, um Präventionsprogramme weiter zu optimieren.

Dass auch der momentane Zustand in Hinblick auf Randalierer und Vandalismus in der Oberstadt nicht wegzudiskutieren ist, merkt Marketingkoordinator Jan-Bernd Röllmann an: „Was Ordnung und besonders Müllentsorgung angeht, müssten sich viele Kneipengäste umstellen. Jeder ist willkommen, aber es gibt Grenzen, auch in Hinblick auf die Lärmbelästigung.“ Nicht zuletzt auch aufgrund des Überfalls auf Mitarbeiter der Müllabfuhr und der Schlägereien im Club „Desbarado“ soll nun eine stärkere Präsenz der Ordnungsamts-Mitarbeiter am Wochenende Wiederholungstäter stoppen. Die Aktion stößt derzeit bei vielen auf Zustimmung, wie auch Röllmann sagt: „Die Präsenz des Ordnungsamts macht schon einiges aus, wie ich selbst festgestellt habe. In der Oberstadt ist es ruhiger und viele können sich auf einmal besser benehmen.“

Weiter ist er anders als die Anwohner der Meinung, dass man sich in Marburg nicht unsicher fühlen muss. „Ich wohne jetzt seit mehr als 30 Jahren hier und der Vorfall ist zwar schlimm, sollte aber in Bezug auf generelle gewalttätige Entwicklungen nicht dramatisiert werden.“

Auch Jurastudent Moritz Hartz fühlt sich sicher. „In der Oberstadt jetzt jeden Abend Angst zu haben, ist eher unangebracht“, sagt er.

von Martina Grosse Wiesmann

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Mit diesem Plakat soll für mehr Ruhe in der Oberstadt geworben werden.

Denk-Zettel als Dank: Das Ordnungsamt verteilt diesmal keine Knöllchen, sondern Plakate und Flyer an die Geschäftsleute in der Oberstadt. Diese geben die ungewöhnlichen „Danke“-Zettel an ihre Kunden weiter.

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