Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Gesundheitsamt: Keim stammte nicht aus Klinik

Frühchen-Tod Gesundheitsamt: Keim stammte nicht aus Klinik

Der genetische Fingerabdruck des Darmkeims hat nach Angaben des Gesundheitsamts ein deutliches Ergebnis erbracht: Eine Infektion durch das Klinik-Personal oder hygienische Mängel könne ausgeschlossen werden.

Voriger Artikel
Ein Programm mit 50 Angeboten auf den Lahnwiesen
Nächster Artikel
Die Uhus haben Nachwuchs

Dr. Martin Just (von links) vom Gesundheitsamt sowie die UKGM-Geschäftsführer Professor Jochen Werner und Dr. Holger Thiemann informierten am 7. April auf einer Pressekonferenz über den Tod eines Frühchens. Archivfoto

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Nach dem Ende März ein frühgeborener Zwilling verstarb, bei dem eine Infektion mit Darmbakterien festgestellt worden war, liegen nun alle Untersuchungsergebnisse vor: Zwei externe Labore attestieren, dass die Infektion nicht durch die Klinik oder Mitarbeiter der Klinik verursacht worden ist, erklärt das Gesundheitsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Es ergaben sich zudem keinerlei Hinweise darauf, dass es im vorliegenden Fall Hygienemängel gab.

86 Mitarbeiter wurden untersucht

Das Klinikum hatte am 7. April die Öffentlichkeit über die Infektion zweier Frühgeborener mit Klebsiella oxytoca informiert. Bei Klebsiella oxytoca handelt es sich um einen weit verbreiteten Keim, der nicht zur Gruppe multiresistenter Erreger zu zählen ist.

Das Gesundheitsamt als Aufsichtsbehörde leitete danach umfangreiche Untersuchungen ein: 86 Mitarbeiter aus Pflege, Ärzteschaft und Reinigungsdienst wurden auf eine Besiedlung mit Klebsiella oxytoca untersucht. Weiterhin wurden 149 Umgebungsproben auf der Intensivstation für Früh- und Neugeborene und 33 weitere Proben im Kreißsaal entnommen. Diese umfassten unter anderem Abstriche von Arbeitsflächen, Matratzen, Inkubatoren, Waschbeckensiphons, Spender für Desinfektionsmittel, Computer-Tastaturen, Salbentuben und medizinische Geräte.

Geschwisterkind hat Infektion überlebt

Nach den Auswertungen fanden sich insgesamt fünf Keim-Nachweise: Bei vier Mitarbeitern sowie bei einer Probe aus einem Waschbeckensiphon. Die Untersuchungen von Experten aus Bochum ergaben jedoch, dass die DNA-Struktur der verglichenen Bakterienstämme, also der genetische Fingerabdruck der gefundenen Erreger, nicht mit dem Keim übereinstimmt, der bei den Frühgeborenen nachgewiesen wurden. Damit scheide das Klinikum als Infektionsquelle aus, erklärten Gesundheitsamt und UKGM in jeweils eigenen Pressemitteilungen. Die vier betroffenen Mitarbeiter, bei denen der Keim auch festgestellt wurde, hatten rein vorsorglich nicht in Risikobereichen der Klinik gearbeitet, teilte das Gesundheitsamt mit.

Auf Anfrage der OP erklärte die Klinik, dass das ebenfalls infizierte Geschwisterkind noch lebt. „Bei ihm schlug die umgehend eingeleitete, adäquate antibiotische Therapie an. Mehr Informationen dürfen wir aus Rücksicht auf seine Patientenrechte nicht veröffentlichen“, erklärte UKGM-Sprecher Frank Steibli. Die Klinik schweigt dazu, auf welchem Weg sich die Frühgeborenen, die mit einem Gewicht von jeweils unter 500 Gramm zur Welt kamen, sonst infiziert haben könnten.

von Anna Ntemiris

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr