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Gesucht, gefunden: Feuersalamander

Artenschutz Gesucht, gefunden: Feuersalamander

Sie sind lackschwarz mit gelben Flecken und in Europa weit verbreitet. Doch wie geht es dem Feuersalamander hierzulande überhaupt? Mithilfe der Bürger will Hessenforst-Fena es herausfinden.

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So sieht ein ausgewachsenes Feuersalamander-Exemplar aus. Das Tierchen, das Biologe Christian Geske auf der ausgestreckten Hand sitzen hat, ist allerdings kein echtes. Das Kunststoff-Modell ist dem lebenden Lurch für Anschauungszwecke exakt nachempfunden.

Quelle: Florian Gaertner

Schröck. Manche Menschen berichten aus ihren Kinder- und Jugendtagen, wie oft sie Feuersalamander gesehen haben - und wie selten sie der „Regenmännchen“ genannte Amphibie heute noch begegnen.

Schade eigentlich, denn mit seiner lackschwarzen, glänzenden Hautoberfläche, seiner leuchtend-gelben Musterung und seiner Länge von bis zu 20 Zentimetern ist der Feuersalamender ein beeindruckender Lurch - noch dazu, wo er mit seiner runden Schnauze und dem breiten Maul immer freundlich aussieht.

Regen lockt die Salamander aus den Verstecken

Die Biologen von Fena, dem Servicezentrum für Forsteinrichtung und Naturschutz bei Hessenforst, wissen nicht so genau, wie es um den Feuersalamander steht in Hessen. Die letzte Amphibien-Kartierung in Hessen fand 1980 statt, „und der Feuersalamander ist damals nicht miterfasst worden“, erklärt Fena-Biologe Christian Geske und verweist darauf, dass die Zählung vor 35 Jahren hauptsächlich an stehenden Gewässern stattfand, der schwarz-gelbe Lurch sich aber, sobald er sich von der Larve im Wasser zum Landtier gemausert hat, bevorzugt im Wald aufhält. Die Larven wachsen im Mutterleib heran und werden im Frühjahr in Bächen, Teichen und Tümpeln schon lebend abgesetzt. Dort verbringen sie etwa 120 Tage bis zur Metamorphose, dem Übergang vom Wasser- zum Landleben.

Wo im Landkreis gibt es noch Feuersalamander? Um dies herauszufinden, ging die OP mit Christian Geske auf Lurch-Suche - und zwar an einem verheißungsvollen Ort. Denn der Salamander-Teich im Wald bei Schröck trägt seinen Namen nicht umsonst. „Meine Kinder haben hier auch schon Salamander gefunden“, zeigt Geske sich zuversichtlich, denn wir wollen unbedingt eines der prachtvollen schwarz-gelben Tierchen zu sehen bekommen - obwohl das feucht-kühle Wetter der vergangenen Tage nicht gerade Salamander-Wetter ist. „Das Regenmännchen kommt gern aus seinem Versteck heraus, wenn es tagelang warm war und es dann regnet“, weiß Geske. Der Salamander-Teich präsentiert sich voller Entengrütze - kein Salamander weit und breit zu sehen. Der Biologe geht behutsam mit dem Kescher durchs grün überwucherte Wasser. Und tatsächlich holt er damit mehr aus dem Teich als nur feuchte Pflanzen: An die 20 Molche gibt Geske vorsichtig aus dem Fangnetz in eine Schüssel mit Wasser, einige Wasser-Käfer und Schnecken, Blutegel und - wir haben Glück - sechs Feuersalamander-Larven. Es sind die ersten Exemplare der gesuchten Lurch-Art, die der Biologe in diesem Jahr zu sehen bekommt.

„Das Muster warnt und schreckt ab“

Geske erkennt sie auf den ersten Blick, „an den dicken Kiembüscheln und den gelben Flecken an den Beinansätzen“, verrät er. Als Amphibien-Unkundiger muss man schon genau hinsehen, um diese Merkmale zu entdecken.

Die Larven sehen, ganz anders als der später auffällig gemusterte Lurch, recht unspektakular aus. Aber spätestens in drei bis vier Monaten wird sich dies geändert haben - dann hat der Lurch seine individuelle schwarz-gelbe Musterung, die bei jedem Exemplar dieser Art anders aussieht. „Das Muster warnt und schreckt ab“, sagt Geske und erzählt, dass Feuersalamander am Kopf über Drüsen verfügen, die die gesamte Haut mit einer Substanz überziehen, die die Lurche vor Pilzerkrankungen schützt. Für Fressfeinde werden sie dadurch ganz und gar unbekömmlich. Doch das Gift ist für Menschen ungefährlich, „also darf man Feuersalamander anfassen und vorsichtig aufheben, aber nicht mitnehmen“, sagt Geske und verweist darauf, dass Kinder die kleinen Lurche nicht einfach mit nach Hause nehmen sollten, wenn sie sie entdecken.

Quartiersuche ist gefährliches Unterfangen

„Feuersalamander werden in der Freiheit bis zu 20 Jahre alt - wenn sie nicht gerade in einen Lichtschacht fallen und dort vertrocken“, sagt Geske und rät dazu, solche Schächte abzudecken oder im Herbst regelmäßig zu kontrollieren, denn dann suchen die Lurche sich ein Quartier. Feuersalamander führen zumeist ein verborgenes Dasein in Nischen von Höhlen, unter Totholz, flachen Steinen, zwischen Felsblöcken und unter Baumwurzeln. „Doch man kann auch einiges dafür tun, dass sie sich im Garten ansiedeln“, sagt Geske und rät dazu, einen Teich anzulegen und Totholz als Quartier für die Tiere liegen zu lassen, wenn man dem schwarz-gelben Lurch einen geeigneten Lebensraum anbieten will.

Mitmachen: Wann haben Sie zuletzt einen Feuersalamander gesehen? Lange her? Hessenforst-Fena ruft zur Salamander-Beobachtung auf. Bei dem Citizen-Science-Projekt geht es darum, dass Bürger zu Forschern werden und durch ihre Beobachtungen die Biologen beim Artenschutz und der Umsetzung der Biodiversitätsstrategie unterstützen.

von Carina Becker

Kontakt
Auf der Homepage von Hessenforst können sich Salamander-Beobachter melden und Fotos von dem gesichteten Lurch hochladen, am besten mit den GPS-Daten vom Handy. Wer auf dem Postweg mitmachen will, lädt unter dem genannten Link die Salamander-Broschüre mit Postkarte herunter – oder fordert die Broschüre an bei Hessen-Forst, Servicezentrum Forsteinrichtung und Naturschutz (FENA), Europastraße 10 bis 12, 35394 Gießen, Telefon 0641/49910, E-Mail: naturschutzdaten@forst.hessen.de
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