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Gestöbert, anprobiert und gekauft

Trachtenmarkt Gestöbert, anprobiert und gekauft

Schon lange vor Beginn des Trachtenmarktes füllte sich das Bürgerzentrum Dreihausen am Sonntag mit Besuchern, die nach Trachtenteilen, Zubehör oder ganzen Anzügen suchten. Die hessische Volkskunstgilde lud zum Kauf und Verkauf ein.

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Trachtenexperte Klaus-Peter Fett (rechts) aus Wollmar im Beratungsgespräch mit Beate Richter, dem „Ibchen“ aus dem Großseelheimer Mundart-Theater.

Quelle: Bernhard Hermann

Dreihausen. Von einer Trachtenpuppengruppe in Lebensgröße in Marburger evangelischer, katholischer und Hüttenberger Tracht wurden die weit mehr als 500 Gäste im Bürgerzentrum empfangen. Stöbern, auswählen, anprobieren, kaufen oder nicht - so lief das Ritual bei den meisten Besuchern ab.

Wer sich nicht sicher war, was Größe, Farbe und zeitliche Zuordnung der Trachtenteile anging, fand bei Eckhard Hofmann, Jürgen Homberger, Katja Bender oder Angela Paulus fachmännischen Rat. Auch Elfriede Hahn, Leiterin des Oberrospher Dorfmuseums, Fachfrau für Brauchtum und Marburger evangelische Tracht, sowie Heinz Ried vom Roßdorfer Trachtenmuseum gaben Auskunft zu ihren Fachgebieten.

Heinz Ried verband bei seiner Warenpräsentation auf dem Trachtenmarkt gleich zwei Ziele miteinander. „Ich kann hier Stücke aus dem Fundus meiner Sammlung im Roßdorfer Trachtenmuseum, die mehrfach vorhanden sind, verkaufen und von dem Erlös neue Anschaffungen tätigen.“ Zudem war Ried ein gesuchter Ansprechpartner zur Beantwortung von Fragen zum Thema katholische Trachten, Brauchtum, Sitten und Gebräuche im Landkreis Marburg Biedenkopf. Auf alles wusste er eine passende Antwort. Es müssen tausende von Trachtenteilen gewesen sein, die auf Tischen oder Kleiderständern auf Käufer warteten. Im Foyer befand sich die Abteilung „Kommissionsware“: Trachtenteile, die von Gildemitgliedern schon Wochen vor dem Markt aus dem ganzen Landkreis entgegengenommen, mit Preisen ausgezeichnet und präsentiert wurden. Ein wirklich tolles und vielfältiges Warenangebot war zu finden. Wunderschöne, alte, neue, seltene, große und kleine Trachtenteile wurden zum Verkauf angeboten. Darüber hinaus auch Stoffe und Besätze, Leinen, Tisch- und Bettwäsche in unterschiedlichen Ausführungen und Qualitäten und zur Tracht passende Bernsteinketten gab es am Stand von Petra Reitz aus Unterrosphe.

Brauchtum und Volkskunst zum Kennenlernen

Den ganzen Tag über herrschte emsiges Treiben in der Halle. „Manchmal war gar kein Durchkommen mehr“, freute sich die Vorsitzende der Hessische Volkskunstgilde, Anneliese Schömann. Eckhard Hofmann aus Dreihausen fügt an: „Der Trachtenmarkt ist weit über die Grenzen des Kreisgebietes bekannt und beliebt. So war ein Trachtenliebhaber aus Großalmerode gekommen, um für das Trachtenmuseum des Werra-Meißner-Kreises Trachtenteile aus der Schwalm oder der Marburger evangelischen Tracht zu erwerben. Am Stand von Hans Hirth aus Amönau wurde er fündig und erwarb eine Glockebeatzel aus dem Jahre 1891. Sogar aus Zeeland in den Niederlanden war ein Fachberater für Trachtengruppen angereist. Gerard van Damme informierte sich über hessische Trachten und war mit einem eigenen Stand vertreten, um Werbung für die niederländische Volkskunst zu machen. Die Volkskunstgilde wird im Juni einen Gegenbesuch in Goes machen.

Die achtjährige Leonie Claar aus Dreihausen findet das Trachtentragen ganz toll. Sie ist jüngstes Mitglied in der Volkskunstgilde und hatte zum Markt ihre schöne, von ihrer Oma Waltraud Claar geschneiderte, Marburger evangelische Tracht angelegt - ganz in Blau. Passend hierzu erwarb ihr die Oma ein Stülpchen und ein Trachtenkörbchen.

Während Mitglieder von Trachtengruppen oder Sammler die Möglichkeit nutzten, ihre Kleidungsausstattung zu erneuern oder zu erweitern, war es Meike Reinstädtler aus Kirchvers, die sich eine komplette Montur zulegte. „Einfach nur so,“ sagte sie, „ich bin in keiner Trachtengruppe, bin halt heimatverbunden“.

Die Besucher schauten den Volkskunstschaffenden während des Marktes über die Schulter und bewunderten alte handwerklichen Fähigkeiten. Da wurde kunstvoll gestickt, gefilzt oder gewebt. Die im vergangenen Jahr mit dem Volkskunstsiegel des Landkreises Marburg-Biedenkopf ausgezeichnete Webgruppe Laisa hatte einen Webstuhl aufgebaut, um zu zeigen, wie mühevoll es früher war, ein Geschirrhandtuch aus gutem Halbleinen herzustellen. „Da müssen 1200 Fäden mit einer Länge von je 30 Metern aufgespannt werden“, erklärt Karin Arnold aus Laisa. Auf der Reeperbahn eines Seilers konnte man sich einen Strick drehen lassen. Ergänzt wurde das Angebot der Originaltrachten durch den vom Gredinger Trachtenmarkt bekannten Anbieter Wolf aus Burgsinn, der edle Stoffe und Besätze, Tücher, Strümpfe und Schuhe rund um die Tracht anbot. Aus dem heimischen Raum boten die „Niestowwe Weber“ aus Kleinseelheim Trachtenzubehör an. Selbstgemachte Liköre und Marmeladen konnte man bei Rita Weber probieren und kaufen.

Unter der Moderation von Klaus-Peter Fett boten Volkstanzgruppen aus Wollmar, Kraftsolms und Roßdorf am Nachmittag ein kurzweiliges Programm, das von vielen Gästen bei Kaffee und selbstgebackenen Kuchen gerne verfolgt wurde.

von Bernhard Hermann

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