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Gesperrt - aber jeder kann durch

Schranke am Obermarkt Gesperrt - aber jeder kann durch

Kein anderes Objekt in Marburg ist wohl so oft Opfer von Vandalismus wie die Schranke am Obermarkt. Anwohner fordern von der Stadt ein energischeres Eingreifen.

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Die Schranke am Obermarkt soll eigentlich Personenkraftwagen die Zufahrt verwehren. In dieser Woche war sie wieder einmal aufgebrochen.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Die Schranke oberhalb des Marktbrunnens, auf Höhe des Standesamts, soll ­eigentlich der Verkehrsberuhigung dienen. Der Bereich Mainzer Gasse/Ritterstraße/Steingasse ist für den Pkw-Verkehr gesperrt, nur Anlieger dürfen hier mit ihrem Wagen fahren – und ihn entsprechend in den engen Gassen oberhalb des Marktplatzes abstellen.

Nicht jedem ist das recht. Das Durchfahrtverbot, auf das zunächst nur mit entsprechenden Verkehrschildern bekanntgegeben wurde, wurde schlicht missachtet, berichtet Stadtsprecherin Sabine Preissler. Die Stadt installierte deswegen vor einigen Jahren eine Schranke – ­optisch eine Augenweide, die Gestaltung wurde, so Preissler, mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt.

Die Schranke kann von der Feuerwehr, dem DBM und Anliegern mit einem Schlüssel geöffnet werden – und nur von ihnen. Der Schlüssel kann nur bei geschlossener Schranke wieder abgezogen werden. „Daher ist die Schranke zur Durchsetzung des Durchfahrtverbotes grundsätzlich gut geeignet“, sagt die städtische Sprecherin und beruft sich dabei auf die Einschätzung des Tiefbauamtes.

Womit vielleicht keiner rechnen konnte: Die Hartnäckigkeit einzelner Autofahrer, mit der die sich Zutritt (oder Zufahrt) zu dem verkehrsberuhigten Bereich verschaffen. Bis 2013 wurde die Schranke mehrfach abgesägt und entwendet.
Aufgrund dieser Erfahrungen tauschte die Stadt die Schranke durch ein stabileres Modell aus:  Seitdem wird sie nicht mehr abgesägt – jetzt wird sie stattdessen regelmäßig beschädigt, indem das Schloss aufgehebelt wird. Waren es im Jahr 2013 sieben Beschädigungen, so stieg diese Zahl 2014 auf sage und schreibe 15 an – anders ausgedrückt: Mehr als einmal im Monat bricht ein Zeitgenosse die Schranke auf und verschafft sich so Zutritt.

Oder noch anders formuliert: Kaum hat die Stadt die Schranke repariert, ist sie schon wieder kaputt. Anwohner erinnern sich an das Märchen vom Hasen und dem Igel. Stolze 8 000 Euro musste die Stadt im vergangenen Jahr für die ständigen Reparaturen  der Schranke anlegen.

Anwohner stören sich vor allem daran, dass die Stadt das Problem nicht in den Griff bekommt. So wendet sich etwa Peter Wennerhold immer wieder ans Ordnungsamt, um die Dauerbeschädigungen der Schranke anzuzeigen und um Abhilfe anzumahnen.

Das Ordnungsamt ist machtlos

„Es entsteht zunehmend der Eindruck, dass die faktische Aufhebung der Verkehrsberuhigung seitens der Stadt gewollt ist – die Autofahrer verstehen inzwischen die dauerhaft offene Schranke als Aufforderung, hier durchzufahren“, schreibt Wennerhold in einem Brief an Ordnungsamts-Leiterin Regina Linda, der der OP vorliegt. Er empfindet dies als eine in „Verhöhnung der Oberstadtwache, wo sich Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der Polizei in unmittelbarer Nachbarschaft befinden“.

Das Ordnungsamt ist machtlos. „Die Oberstadtwache ist nur während der Bürozeiten geöffnet“, schreibt Linda an Wennerhold. Polizei, Sicherheitsdienst und Ordnungsamt könnten, auch wenn in den Abend- und Nachtstunden Streife gegangen wird, die Schranke nicht rund um die Uhr bewachen.

Alternativen sieht die Stadt kritisch: „Bei einer Polleranlage wie am Hanno-Drechsler-Platz wären neben hohen Anschaffungskosten ständige Betriebs- und Wartungskosten und bei Vandalismus auch deutlich höhere Reparaturkosten zu erwarten, weil eine Anlage im Zweifel nur von Spezialisten gewartet werden kann“, sagt Stadtsprecherin Preissler. Eine Videoüberwachung, wie von einigen Anwohnern gefordert, sieht die Stadt kritisch. Sie führt datenschutzrechtliche Gründe an.

Anwohner wollen sich damit nicht zufriedengeben. Wennerhold führt zudem an, dass auch andere Absperrungen, etwa Sperrpfosten an der Windgasse oder am Lutherischen Kirchhof entfernt wurden. Auf dem Lutherischen Kirchhof wurden ebenfalls zwei Sperrpfosten entfernt, womit eine Vielzahl bislang gesperrter Parkmöglichkeiten wieder für Pkw erreichbar seien.

Kapitulation vor den Schrankensaboteuren oder „ein neues Verkehrskonzept?“, wie Anwohner mutmaßen.

Verwaltungsintern werden nach OP-Recherchen verschiedene mögliche Varianten diskutiert, die zunächst mit der Oberstadtgemeinde besprochen werden sollen.

von Till Conrad

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