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"Geselliger Einzelgänger" feiert 90. Geburtstag

Theologe Otto Kaiser "Geselliger Einzelgänger" feiert 90. Geburtstag

Der Marburger Theologie-Professor Otto Kaiser feiert am Sonntag seinen 90. Geburtstag. Am Montag wird er in der Alten Aula mit einem akademischen Festakt geehrt.

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Professor Otto Kaiser am Schreibtisch in seiner Wohnung in Marburg.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Professor Otto Kaiser hat in der Vergangenheit bei akademischen Würdigungen zu runden Geburtstagen bereits drei Festschriften erhalten. Auch am kommenden Montag in der Alten Aula der Marburger Universität werden ihm zu seinem 90. Geburtstag wieder viele Wegbegleiter gratulieren, darunter knapp 100 ehemalige Doktoranden und Habilitanden, die er im Laufe seiner langen Karriere betreut hat.

Eigentlich begann er zunächst ein Medizinstudium, aber nach seinem Kriegseinsatz und einer Verwundung an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg studierte er in Tübingen ab 1945 Evangelische Theologie, Philosophie, Psychodiagnostik und Ägyptologie.

Sich selbst bezeichnet der Professor als „geselligen Einzelgänger“. Dies bedeute, dass er gerne mit einzelnen Bekannten im Wald spazieren gehe und sich mit ihnen unterhalte, erzählt er im Gespräch mit der OP. Massenveranstaltungen dagegen behagen dem Ende November 1924 in Prenzlau (Uckermark) als Sohn eines preußischen Verwaltungsbeamten geborenen Marburger Professor gar nicht.

Für den Akademischen Festakt macht er eine Ausnahme – und zwar unter dem von ihm dafür gewählten Motto „Lächeln für Marburg“. Denn seit 1963 ist die „Alma Mater Philippina“ seine Universität, der er 30 Jahre lang als Professor für Altes Testament treu blieb.

„Glaube und Geschichte im Alten Testament“

1993 wurde Kaiser emeritiert, aber bis zu seinem 80. Geburtstag vor zehn Jahren hielt er auch noch Vorlesungen und Seminare im Fachbereich Theologie. Hinzu kamen bis zum letzten Jahr regelmäßige Predigten in der Lutherischen Pfarrkirche.

Von seinem Schreibtisch in seiner Wohnung im Marburger Stadtteil Ockershausen aus verfasst er nach wie vor zahlreiche wissenschaftliche Publikationen. So erschien soeben sein Buch über Philo von Alexandria. Außerdem veröffentlichte er in diesem Jahr eine Schrift unter dem Titel „Glaube und Geschichte im Alten Testament“. Darin fordert er, dass die Wissenschaft das Rüstzeug für die Notwendigkeit der Rede von Gott bereitstellen solle.

Für Kaiser sind die Texte im Alten Testament „eine große Erzählung von Gefahren und Verheißungen des Menschen, wenn er seinen Weg mit Gott geht“. Auch in die Universitätspolitik hat sich Kaiser unter anderem als Dekan in der politischen Umbruchzeit um 1968 stets eingemischt. „Ich habe immer die Form gewahrt, aber den Studenten auch immer ehrlich Bescheid gesagt“, erinnert sich Kaiser an die oftmals heißen Debatten an der Hochschule.

Ausgleich zur Wissenschaft ist das Wandern

Dabei habe er – auch wenn er in der Studierendenschaft als Reaktionär angesehen worden sei – aber auch versucht, die positiven Anregungen der Studierenden aufzunehmen und weiterzugeben. Vor allem die Neugier auf die Klärung wissenschaftlicher Fragen treibt Kaiser nach wie vor an.

Einen Ausgleich zu seiner Wissenschaft stellt für Kaiser das Wandern dar. Wanderte er früher zusammen mit Gruppen auch gerne im Hochgebirge in Südtirol, so ist er heute mit Vorliebe im Wald rund um Ockershausen unterwegs.
Der Jubilar hat zahlreiche Veröffentlichungen auf dem Gebiet des Alten Testaments sowie der antiken und modernen Geistesgeschichte vorzuweisen. Zudem ist er Ehrendoktor der Universitäten Jena, Tartu und Salzburg sowie Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlichen Gesellschaften.

  • Der akademische Festakt zu Ehren von Professor Kaiser findet am Montag, 1. Dezember, ab 14 Uhr in der Alten Aula statt. Im Festvortrag mit dem Titel „Theologiegeschichte und Religionsgeschichte“ wird Professor Christoph Levin (München) Kaisers theologisches Wirken zusammenfassen.

von Manfred Hitzeroth

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