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Geschädigter soll Rachepläne gehabt haben

Prozess nach Schlägerei im Bordell Geschädigter soll Rachepläne gehabt haben

Mehrere Zeugen berichteten während des sechsten Verhandlungstages vor Gericht von angeblichen Rachegefühlen und einer wachsenden Frustration des mutmaßlich Geschädigten.

Marburg. Weitere mögliche Be- oder Entlastungszeugen berichteten von ihren Erfahrungen sowohl mit den Angeklagten als auch mit den beiden mutmaßlich Geschädigten. Ein Konsens mehrerer Aussagen: Zwischen dem ehemaligen Mitarbeiter und mindestens einem der Angeklagten kam es bereits vor der gewalttätigen Auseinandersetzung wiederholt zu Streit bis hin zu regelmäßigen Anfeindungen.

Wie und warum genau der Mann seine Arbeit im Erotic Island schließlich aufgab, wusste jedoch selbst ein langjähriger guter Bekannter anscheinend nicht. Den Kumpel hatte die Tätigkeit am Empfang des Bordells sowie die Zusammenarbeit mit Kollegen wohl schon einige Zeit gestört, „er wollte schon länger aufhören und sein eigener Chef sein“, so der Zeuge. Auch nur vom Hörensagen erfuhr er zudem von einem Hausverbot, das dem Geschädigten wegen wiederholten schlechten Benehmens erteilt wurde.

Lebensgefährtin berichtet über Vorgeschichte

Über die angebliche Vorge­schichte berichtete die Lebensgefährtin eines der Angeklagten. Während seiner Tätigkeit in dem Etablissement soll der Mann zunehmend herablassend und brüsk mit den Kollegen und Frauen umgegangen sein, beschwerte sich über seine Entlohnung. „Er wurde respektlos und schien unzufrieden, er wollte immer mehr“, so die Zeugin. Über das angebliche Drogen-Nebengeschäft des Mannes hörte sie nur gerüchteweise, bemerkte regelmäßig dubiose Personen und mögliche Kunden, die in dem gemeinsamen Wohnhaus ein und aus gegangen seien.

Ebenfalls aus der offenbar brodelnden Gerüchteküche der Szene hörten mehrere Zeugen von der Attacke gegen den Geschädigten. Jedoch war stets nur von zwei Schlägen die Rede, wie auch die Angeklagten angegeben hatten. Über eine mögliche Erpressung oder brutale Übergriffe gegen das ehemalige Paar wusste keiner der Bekannten etwas zu berichten.

Krankenhausrechnung über 40.000 Euro

Einige Wochen nach der Auseinandersetzung soll der verletzte Ex-Mitarbeiter einem Kumpel von der teuren Krankenhausrechnung erzählt haben. Der schätzte die Kosten auf rund 40.000 Euro. Zusätzlich habe er angeblich geplant, von dem ehemaligen Chef weitere 20.000 Euro „als Schmerzensgeld“ zu fordern, soll sich mehrfach abfällig über die Ex-Kollegen geäußert und auf Rache gesonnen haben. „Er war voller Rachegedanken“, so der Zeuge.

Über die geschätzten Unkosten sprach im Krankenhaus einer der behandelnden Ärzte, so hatte es der Geschädigte angegeben. Die Summe konnte sich ein Vertreter seiner Krankenversicherung nicht erklären. Für die notwendigen drei Operationen übernahm die Kasse insgesamt 10.000 Euro, teilte der Mitarbeiter vor Gericht mit. Weder der Betroffene noch die Ärzte seien über die Summe informiert worden.

Daneben war auch am sechsten Verhandlungstag erneut die ominöse wertvolle Uhr des Ex-Mitarbeiters Thema vor Gericht. Laut Anklage hätten die Beschuldigten die nachgebildete Rolex-Uhr nach der Prügel­attacke einbehalten. Wie ein Zeuge berichtete, habe der Geschädigte die mehrere Tausend Euro teure Uhr zwar für einige Tage „zur Probe“ besessen, diese später doch nicht gekauft und wieder zurückgegeben. Bereits zuvor versuchte das Gericht den Weg des Schmuckstücks zu verfolgen, das anscheinend durch so einige Hände wanderte und schließlich an einen Unbekannten verkauft wurde.

  • Der Prozess wird am 14. März fortgesetzt.

von Ina Tannert

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