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Gericht vermutet Zeugenbeeinflussung

Bordell-Prozess Gericht vermutet Zeugenbeeinflussung

Nach der Erklärung der drei Angeklagten am vorherigen Verhandlungstag wurden am Freitag erneut die beiden mutmaßlichen Geschädigten vor Gericht vernommen.

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Mehrere neue Zeugen im Bordell-Prozess widersprachen vor Gericht ihren eigenen Aussagen aus der polizeilichen Vernehmung.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Beide Zeugen bestätigten die Angaben des beschuldigten Angestellten, der am Tatabend die Autoschlüssel des Mercedes einbehalten hatte, den verkauften Wagen einige Tage später wieder an die Geschädigten zurückgab.

Darüber hinaus sollen die Beschuldigten jedoch von beiden nach deren Abschied aus dem Bordell eine Abschlagszahlung von 10.000 Euro verlangt, der Forderung mit brutalen Schlägen und Tritten Nachdruck verliehen haben, so die Anklage.

Der langjährige Vertraute, der von einem der beschuldigten Angestellten noch in der Tatnacht zum „Laufhaus“ bestellt worden war, platzte erst nach der Schlägerei in die aufgeheizte Situation. Der ehemalige Chef schrie den verletzten Ex-Mitarbeiter an, warf ihm vor, seine Schulden nicht zu bezahlen und „andere Leute abzuzocken“, erinnerte sich der Zeuge.

Richter wundert sich über Aussageverhalten

Entgegen seiner polizeilichen Aussage gab er an, dass es sich bei der Forderung um den Restwert des verkauften Mercedes handelte. Von Straf-, Ablöse- oder Abstandszahlungen sei keine Rede gewesen. Während seiner ersten Vernehmung vor der Polizei hatte er von „10.000 Euro Strafe“ gesprochen.

Nachdrücklich erinnerte der Vorsitzende Richter Gernot Christ den Mann an seine Wahrheitspflicht und sagte: „Ich wundere mich über das Aussageverhalten, es besteht der Verdacht, dass der Zeuge unter Druck gesetzt wurde.“

Die Verteidigung verwahrte sich indes gegen den unausgesprochenen Vorwurf der Zeugenbeeinflussung. Und der Zeuge blieb bei seiner Aussage, die sogenannte Strafzahlung habe er auf den Wagen bezogen. Einige weitere Fragen beantwortete der Mann nicht, machte von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, um sich nicht selber belasten zu müssen – so wie einige weitere Zeugen aus der Szene.

Nach der Auseinandersetzung mit den Angeklagten hätten die Geschädigten das Bordell fluchtartig verlassen, vor allem der Mann sei „sehr nervös“ gewesen, hätte „wüste Androhungen“ und Rachegedanken gegen die Bordell-Angestellten ausgestoßen – wie etwa „den mache ich fertig“, gab der Zeuge an.

Prügel-Opfer musste dreimal operiert werden

Mangels eigenem Auto fuhr er beide zu der Schwester des Mannes. Diese zeigte sich schockiert vom Zustand ihres verletzten Bruders. „Er sah total entstellt aus, war blutüberströmt, ich habe ihn fast nicht erkannt“, erklärte die Zeugin vor Gericht.

Die ehemalige Prostituierte und Freundin des Mannes sei weinend zusammengebrochen, beide berichteten ihr gegenüber von brutalen Prügel-Attacken. Erst einige Tage danach ließ der Geschädigte seine Verletzungen im Krankenhaus behandeln, musste dreimal operiert werden.

Später suchte er erneut das Gespräch mit einem der Angeklagten, um über die erheblichen Behandlungskosten zu sprechen. Diese schätzte der Geschädigte auf mindestens 60.000 Euro. Das Problem dabei: Er wollte den Übergriff der ehemaligen Kollegen anfangs eigentlich nicht zur Anzeige bringen, die Krankenkasse forderte jedoch einen Bericht über die schweren Verletzungen, den er ignorierte.

Direkt Geld von dem ehemaligen Chef verlangt habe er nicht, „ich wollte, dass er sich was einfallen lässt“, gab der Zeuge an. Ohne Erfolg, der Ex-Chef habe ihn rüde zurückgewiesen. „Drei Operationen und noch heute tut mir alles weh“, teilte der Mann frustriert mit.

  • Der Prozess wird am Freitag, 12. Februar, fortgesetzt.

von Ina Tannert

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