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Gericht macht deutlich: Wer Kinder prügelt, wird bestraft

Prozess Gericht macht deutlich: Wer Kinder prügelt, wird bestraft

Ein 53-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht verantworten, weil er den 14-jährigen Sohn seiner Lebensgefährtin geschlagen hatte.

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Ein 53-Jähriger hat einen 14-Jährigen gezüchtigt und muss nun eine Geldstrafe zahlen.

Quelle: Archiv

Marburg. Jedes Kind hat ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Im Paragrafen 1631 des Bürgerlichen Gesetzbuches heißt es: „Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“

Da er dieses bürgerliche Recht eines Kindes nicht geachtet hatte, musste sich ein 53-jähriger Dachdecker in einem Strafprozess wegen Körperverletzung verantworten. Dem Mann wurde Folgendes zur Last gelegt: Am 4. Mai soll er den 14-jährigen Sohn seiner damaligen Lebensgefährtin in der gemeinsamen Marburger Wohnung gegen den Oberarm geschlagen haben.

Mittlerweile hat sich die Kindesmutter vom Angeklagten getrennt und ist zusammen mit ihrem Sohn aus der Wohnung ausgezogen. Der Dachdecker gab sich während der gesamten Verhandlung äußerst wortkarg, räumte aber ein, sich der Körperverletzung schuldig gemacht zu haben. Was war der Grund für die Körperstrafe?

Das konnte der Nebenkläger erklären: Nach eigenen Aussagen hatte sich der Jugendliche am besagten Tag am Bein verletzt und lag in seinem Bett. Wegen seiner Schmerzen begann er, nach seiner Mutter zu rufen. Diese habe sich währenddessen mit dem Angeklagten im Schlafzimmer befunden und sei nicht gekommen.

14-Jähriger bricht während seiner Aussage in Tränen aus

Dafür sei der Angeklagte nach einiger Zeit im Kinderzimmer erschienen und habe den Jungen schroff angewiesen, das Geschrei einzustellen. Doch er habe weiter nach seiner Mutter gerufen, bis dem Angeklagten der Geduldsfaden riss. „Fünf- oder sechsmal hat er mich auf den Oberarm und die Schulter geschlagen“, sagte der Nebenkläger weinend und mit zittriger Stimme.

Während seiner Aussage brach der 14-Jährige mehrmals in Tränen aus. Insbesondere, als er die Szene in seinem Kinderzimmer Revue passieren ließ. Der einstige Lebensgefährte seiner Mutter stellte die Schilderungen des Jugendlichen nicht in Abrede. „Ich wollte dem Jungen nur eine Ohrfeige verpassen, ihn disziplinieren“, sagte der 53-Jährige.

Aufgrund der Aussage des Nebenklägers „Ich habe versucht, mein Gesicht mit Händen und Armen zu schützen“ wies Richter Thomas Rohner die Titulierung „Ohrfeige“ deutlich zurück. „Mein Mandant sowie seine Mutter wollen nur, dass der Angeklagte einen Denkzettel erhält“, sagte deren Anwalt. So war es dann auch: Rohner verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 200 Euro, die dem Marburger „Arbeitskreis Sozialer Brennpunkt“ zugutekommen.

von Benjamin Kaiser

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