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Gericht lehnt Beweisanträge ab

Messerstecher Gericht lehnt Beweisanträge ab

Im Prozess gegen einen 24-Jährigen, der seine Schwiegermutter (51) mit mehreren Messerstichen tötete, seine Ex-Frau und deren Bruder verletzte, will die Verteidigung nun weitere Entlastungsbeweise einbringen.

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Ein 24-jähriger Marburger (rechts) steht seit Februar wegen Totschlags vor dem Landgericht. Verteidigt wird er unter anderem von Professor Jürgen Rath.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Rückschlag für den Angeklagten: Das Landgericht hat am Montag alle Beweisanträge zurückgewiesen, die die Verteidigung in der vergangenen Sitzung vorlegte. Darunter auch jene Forderung nach einer erneuten Zeugenvernehmung, die laut den Rechtsanwälten ergeben sollte, dass das 51-jährige Opfer in das Messer gelaufen ist, der 24-Jährige nicht aktiv zustach.

„Der Antrag ist abzulehnen, weil er nur auf eine Wiederholung bereits mehrfach getätigter Aussagen zielt“, sagte Dr. Carsten Paul, Vorsitzender Richter. Er gab einen Einblick in die Auffassung des Gerichts, wonach durch Schilderungen des Nebenklägers (20) bereits naheliege, dass der Angeklagte der Schwiegermutter in die Küche folgte, dieser dort die stehende Frau angriff und dann auf das wohl zu Boden gefallene Opfer „mehrere Stiche von oben nach unten ausführte“.

Eine Gerichtsmedizinerin hatte bereits am zweiten Verhandlungstag geschildert, dass es mindestens drei Stiche in den Körper gab, von denen „zwei potentiell lebensbedrohlich“ waren.

Auch Beweise, die die Vernachlässigung der Kinder durch die Ex-Frau sowie Lügen über häusliche Gewalt bestätigten sollten, wies das Gericht ab. Die Verteidigung, die gezielte Provokationen der jungen Frau vermutet, hatte zuvor Chat-Auszüge zwischen ihr und dem mutmaßlichen Liebhaber vorgelegt. Diese sollten sowohl die Fürsorgeverletzung als auch eine erfundene Vergewaltigung nahelegen.

Antidepressiva-Auswirkung wird nicht näher untersucht

„Aus diesen vorgelegten Nachrichten können aber viele Schlüsse gezogen werden, sowohl die, die die Verteidigung vorbringt als auch das genaue Gegenteil“, sagte Paul. Zudem habe das Jugendamt, das rund zwei Wochen vor der Tat einen unangekündigten Kontrollbesuch (auf vorherigen Hinweis des Angeklagten) in der Cappeler Wohnung machte, „nichts zu beanstanden gehabt“.  

Ein zusätzliches toxikologisches Gutachten, das die Beeinträchtigung des Angeklagten durch acht vor den Messerangriffen eingenommenen Tabletten Antidepressiva untersuchen soll, wird nicht in Auftrag gegeben. „Zu den Auswirkungen dieser Dosis auf die Steuerungs- und Schuldfähigkeit hat die anwesende Sachverständige zuletzt hinreichende Fach-Aussagen getroffen“, sagte Paul.

Die Verteidigung kündigte nach der Zurückweisung ihrer Beweisanträge weitere an, will bis zum nächsten Verhandlungstermin im Mai noch Zeugen benennen und vernehmen lassen.

Fortsetzung: 4. Mai, 9 Uhr in Saal 101

von Björn Wisker

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