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Gericht bestätigt Geldstrafe

Verhandlung vor dem Amtsgericht Gericht bestätigt Geldstrafe

Weil die Ladung eines Kleintransporters nicht ausreichend gesichert war, verursachte ein heraus­fallender Müllsack einen Unfall auf der Stadtautobahn. Der Fahrer gestand auch vor dem Marburger Amtsgericht keine Schuld.

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Marburg. Mit dem bereits milden Strafbefehl einer Geldstrafe in Höhe von 450 Euro war der beschuldigte Fahrer nicht einverstanden gewesen. Deswegen kam die Angelegenheit nun noch in einer Verhandlung vor dem Marburger Amtsgericht zur Sprache. Das fand keine Gründe für die Unschuld des 33-Jährigen, der wortgewaltig jedes Eigenverschulden von sich wies.

Im Januar dieses Jahres war der Angeklagte mit seinem Transporter auf der Stadtautobahn in Richtung Gießen unterwegs und transportierte dabei in dem Wagen einige Waren für eine Bäckerei.

Etwa auf Höhe der Abfahrt Marburg-Süd öffnete sich die Seitentür des Kastenwagens, und ein Sack fiel auf die Fahrbahn. Diesem versuchte eine mit einem Auto hinter dem Transporter fahrende Frau hastig auszuweichen und knallte mit ihrem Gefährt in eine Leitplanke. Bei dem Unfall wurde die Geschädigte „nicht unerheblich verletzt“, heißt es in der Anklageschrift. Und weiter: mit seinem Verhalten habe der Mann „die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen“.

Der 33 Jahre alte Fahrer gab das Ganze vor Gericht nur widerstrebend zu, brauchte einige Zeit, bis er eingestand, dass der Müllsack überhaupt aus seinem Fahrzeug stammte.

Er sei an dem Tag wie üblich auf der Schnellstraße gefahren, bis ein anderer Wagen ihm per Lichthupe zu verstehen gab, dass seine Tür nicht fest geschlossen war, teilte der Mann mit. Bei einem Zwischenstopp habe er den Wagen wieder verschlossen. Kurz darauf habe ihn die Polizei angerufen und auf den Müllsack angesprochen.

Fahrer: „Ich habe nicht fahrlässig gehandelt“

Weitere Anfragen habe es angeblich nicht gegeben, aber „aus Pflichtgefühl“ sei er wenig später zur Polizeistation gegangen und habe sich gestellt, erläuterte der Angeklagte. Dass er unachtsam gewesen sei, stritt er ab. „Ich habe nicht fahrlässig gehandelt“, betonte der Fahrer des Transporters und gab dem defekten Türschloss des eigentlich neuen Wagens sowie einem Mangel an Gummibändern zur Absicherung die Schuld an dem Ganzen.

Auch habe er die Tür nicht durch die Außenspiegel sehen können und somit also erst gar nicht bemerkt, dass etwas aus dem Wagen fiel. „Was passiert ist, war nicht vorhersehbar“, betonte der Angeklagte während der anhaltenden Diskussion um seine Schuld oder Unschuld. Auch sei der Airbag der verletzten Frau nicht ausgelöst worden, andernfalls wäre ja vielleicht gar nichts passiert, gab der Angeklagte an. Im Vorfeld überprüft worden sei der Transporter zwar nicht von ihm. Die Ladung sei jedoch korrekt gesichert gewesen, er habe all seine Aufgaben pflichtgemäß erfüllt, brachte er vor.

Dass sich trotzdem ein Sack selbstständig machte und einen Unfall verursachte, widersprach seiner Einlassung.

Richter rät eindringlich zur Rücknahme des Einspruchs

„Sie haben das Fahrzeug vorher nicht kontrolliert, die Ladung war nicht gesichert. Der Sack konnte rausfallen, daran gibt es nichts zu rütteln“, brachte es Richter Tobias Macken­thun auf den eigentlichen Kern des Ganzen. Dass auch bei offener Tür keine Gefahr entstehen kann, das sei jedoch in der Verantwortung des Fahrers gelegen, seiner Verantwortung, stellte der Richter klar und riet eindringlich zu einer Rücknahme des Einspruchs.

Nicht zuletzt, weil im Fall des Fahrers neben der Körperverletzung auch ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr infrage komme, was im Strafbefehl noch nicht vorliegt, mahnte der Richter dazu. Dieses sei im Strafbefehl noch gar nicht erwähnt worden. Bei einer Rücknahme wäre das „bereits abgegolten“, die sowieso schon milde Geldstrafe von 450 Euro würde sich nicht erhöhen. Die sei strafrechtlich bereits „am untersten Rand“ angesiedelt, „Ihnen wird keine kriminelle Energie unterstellt“, beruhigte der Richter. Die angeregte Debatte brachte für den Angeklagten nicht das gewünschte Ergebnis. Er blieb aber stur. „Meine Argumente kommen hier nicht richtig an“, zeigte er sich enttäuscht. Wenn sein Anliegen vor Gericht nicht akzeptiert werde, müsse er eben zahlen, gab er sich aber schlussendlich dann doch geschlagen und nahm den Einspruch gegen den Strafbefehl zurück.

von Ina Tannert

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