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Gericht: Zeigen des „Stinkefingers“ kostet 300 Euro

Amtsgericht Gericht: Zeigen des „Stinkefingers“ kostet 300 Euro

Obwohl er einer anderen Verkehrsteilnehmerin die Vorfahrt genommen hatte, soll ein 41-Jähriger aus Biedenkopf einer Verkehrsteilnehmerin den „Stinkefinger“ gezeigt haben

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Marburg. Jetzt musste er sich wegen dieser Beleidigung vor dem Marburger Amtsgericht verantworten. In einem auffälligen Kleinbus fahrend soll der 41-jährige Mann aus Biedenkopf einer Frau, die von Wehrda kommend auf die B3 auffahren wollte, die Vorfahrt genommen haben. Die Frau, die nur durch eine Vollbremsung einen Unfall vermeiden konnte, hupte, woraufhin der Mann sein Fahrzeug verließ, sich erst an den Kopf packte und der Verkehrsteilnehmerin dann den Stinkefinger zeigte. So weit die Anklage. Weil der Mann Einspruch eingelegt hatte landete der Fall vor Amtsrichterin Isabel Rojahn.

Der Mann habe erst im Auto getobt, bevor er ausgestiegen sei, um jene Beleidigung auszuführen, so die Verkehrsteilnehmerin, die den Vorfall zur Anzeige gebracht hatte und vor Gericht als Zeugin aussagte. „Dieser Mensch war völlig außer sich.“ In ihren Augen hatte der Fahrer des Kleinbusses Fahrerflucht begangen. Er hatte, durch die Notwendigkeit der Vollbremsung, im Inneren ihres Wagen einen Schaden verursacht und sei dann einfach weggefahren.

Die Verteidigerin ­bemühte sich, das Gericht von der Unschuld ihres Mandanten zu überzeugen. Um die Zeugin unvoreingenommen vernehmen zu können, hatte man sie auf Antrag der Verteidigerin zunächst in Abwesenheit des Angeklagten vernommen. Als er hinzu geholt wurde, gab die Zeugin an, er habe damals nicht diesen Bart gehabt, den er heute trägt, ansonsten sei sie sich aber ganz sicher. Ein ebenfalls als Zeuge auftretender Polizeibeamter gab an, der Zeugin im Zuge der Ermittlungsarbeiten ein Foto des Kleinbusses gezeigt zu haben, nicht aber, wie die Zeugin angegeben hatte, ein Foto des Angeklagten. Darüber hinaus zog die Verteidigerin ein Klassenbuch hinzu, das bestätigte, dass ihr Mandant zur Tatzeit bei einer Fortbildung in Marburg anwesend gewesen war. Eine weitere Unsicherheit ergab sich aus dem Autokennzeichen des Angeklagten, das die Zeugin nur unvollständig notiert hatte. Trotz dieser im Zweifel für den Angeklagten sprechender Punkte nahm der Fall eine überraschende Wende. Der Angeklagte, der die gesamte Verhandlung über kein Wort gesprochen hatte, zeigte sich plötzlich einverstanden, die Strafe von 300 Euro anzunehmen. Das Geld geht an den Verein Eingliederungshilfe.

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