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Geplante Lahn-Insel sorgt für Kritik

Naturschutz Geplante Lahn-Insel sorgt für Kritik

Der Magistrat will das Flussbett der Lahn in der Innenstadt vergrößern. Sie soll Teile der Wiesen gegenüber der Mensa fluten, eine Insel soll vor der Abendrothbrücke ausgebaggert werden.

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Ein Bild aus der Vergangenheit? Auf den Lahnwiesen gegenüber der Mensa finden einige Feste statt. Archivfoto

Marburg. Die Umgestaltung des Ufers sorgt dafür, dass Stadtfest, Bildungsfest und Innenstadtkirmes umziehen müssen. Ab 2016 soll sich der Fluss auf der Liege- und Festwiese im Bereich der Abendrothbrücke ausbreiten. Zelte und Fahrgeschäfte sowie die generelle Zugänglichkeit zur Lahn werden sich nach Angaben des Magistrats um 180 Meter nach Norden - in Richtung Sophie-von-Brabant-Schule - verlagern. Auch der Bootseinstiegsplatz, der etwa beim Stadtfest für die Drachenboot-Wettkämpfe genutzt wird, wird ab- und weiter nördlich neu aufgebaut. 760000 Euro investiert die Stadt für das Projekt, Juli 2015 soll Baubeginn sein.

An diesem Vorhaben gibt es Kritik. „Durch diese Verlegung reißt das Band der großen Feste in die Oberstadt oder zum Blochmannplatz ab“, sagt Manfred Jannasch (CDU). Hafenfest und die regelmäßige Red-Bull-Veranstaltung sind nach Angaben von Bürgermeister Franz Kahle (Grüne) nicht von der Lahnverbreiterung betroffen, diese ende an der Abendrothbrücke. „Und für die Feste halten wir ausreichend Platz im Norden bereit“, sagt er.

Die Re-Naturrierung, die auf einer Lahnstudie von 2008 fußt, soll nach Kahles Angaben gleichsam dem Natur- und Hochwasserschutz dienen. Er verweist etwa auf den folgenschweren Deichdurchbruch an dieser Stelle von 1947, wodurch Wasser Weidenhausen überflutete. „Diese Maßnahme wird dafür sorgen, dass alles gesichert wird. Vor allem eine Unterspülung der Autobahn wird damit verhindert.“ Vor allem aber ­gebe es bald „mehr Natur, ein Refugium in der Innenstadt.“ Die Umgestaltung des Ufers sei „eine kleine historische Rückführung zu einer breiten Lahn - so, wie sie vor 70 Jahren war.“

Kritiker fürchten jedoch, dass die Insel zur Feierfläche werden könnte - ähnlich der Sandbänke nahe dem Altenzentrum „Auf der Weide“. Dort sorgen Grillparties und der von Feiernden hinterlassene Müll häufig für Ärger. „Diese Insel zu errichten halte ich alleine schon deswegen für sehr unglücklich“, sagt Jannasch. Kahle: „Die Insel soll nicht betreten werden können. Daher soll es eigentlich auch keine Brücke dorthin geben. Uns schwebt ein kleines, feines Stückchen Natur vor, keine vermüllte Feierfläche.“ Ohnehin werde die Insel viel tiefer liegen als jene „Auf der Weide“ und werde im Gegensatz zu dieser ständig von Wasser umspült und somit kaum zugänglich sein. Jedoch: Sollte sich dort doch Müll sammeln, werde man nachträglich einen Steg bauen, um den Unrat abzutransportieren.

„Man schafft damit nur eines: Mückenbrutstätten! Und für so etwas sollen dann hunderttausende Euro ausgegeben werden“, sagt Andreas Mattusch, Anwohner. Kahle entgegnet: „Eine erhöhte Brutstättengefahr gibt es nicht. Der komplette Bereich ist immer von Wasser umströmt, da halten sich Fische auf. Da haben Mücken schlechte Karten.“ Jannasch: „Naturschutz mitten in der Stadt funktioniert nicht. Dort sind täglich tausende Menschen unterwegs, kein guter Platz für Tiere.“

von Björn Wisker

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