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Gepackte Koffer, ein Video und Pelé

Dragoslav Stepanovic in Marburg Gepackte Koffer, ein Video und Pelé

"Stepi" ist für eingeschworene Eintracht-Fans noch immer ein Idol. Eine eigene Marke. Nie um eine Geschichte verlegen, erzählt der Vollblut-Fußballer aus seinem ereignisreichen Leben.

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Inmitten der Fans fühlt sich „Stepi“ noch immer am wohlsten. In der Gaststätte Holzwurm in Marburg zeigte sich der ehemalige Eintracht-Trainer in bester Laune.

Quelle: Dennis Siepmann

Marburg. Das Haar weiß und wild, die Sprüche locker. Dazu immer ein schelmisches Lächeln im Gesicht - so kennen die Fans von Eintracht Frankfurt „ihren“ Dragoslav Stepanovic. Der ehemalige Bundesliga-Trainer ist ein fester Bestandteil der Frankfurter Vereinsgeschichte. Sein Wirken verbindet sich noch immer mit der legendären Eintracht-Mannschaft von 1992. Dem Team, das mit ihrem Spiel den Ausdruck „Fußball 2000“ prägte. Stolz ist Stepanovic noch heute auf diese Ära, die er selbst die „schönste Zeit“ nennt.

Mit Begeisterung erzählt er die alten Anekdoten. So auch am Samstag in der Gaststätte Holzwurm in Marburg. Stepanovic ist eingeladen, um das letzte Spiel der Eintracht in der Saison 2012/13 zu sehen. Der Besitzer des Lokals, Thomas Peil, hat „Stepi“ über Facebook angeschrieben und eingeladen - gleich mehrfach. Zum Spiel der SGE gegen Wolfsburg hat es nun gepasst.

Nähe zu den Fans

An Stepanovic‘ Seite ist seine Frau Jelena. Beide sind gut gelaunt, sie scherzen mit den Gästen und posieren für Erinnerungsfotos. Die Nähe zu den Fans ist für Stepanovic noch immer das Wichtigste. Seine offene Art im Umgang mit den Anhängern kommt an. Etwas unruhig wird der 65-Jährige das erste Mal an diesem Tag, als sich der Minutenzeiger in Richtung 15.30 Uhr bewegt. Die Aufregung vor einem wichtigen Spiel kann der Serbe auch nach all den Jahren im harten Fußball-Geschäft nicht unterdrücken. Er fühlt sich nach wie vor als „Eintrachtler“ und drückt seinem Verein die Daumen. Das Spiel beginnt. In den kommenden 90 Minuten wird sich zeigen, ob Eintracht Frankfurt im nächsten Jahr auf internationaler Bühne in der Europa-League antreten wird.

Platz für eine Geschichte bleibt aber dennoch. Wie war das noch gleich mit Pelé? Stepanovic, einst ein Weltklasse-Kicker, erzählt von dem Spiel der jugoslawischen Nationalmannschaft gegen Brasilien. „Das war 1971 vor 180000 Zuschauern im Maracanã-Stadion“. Das letzte Spiel des Jahrhundert-Fußballers Pelé im Dress der brasilianischen National-Elf. „Wir haben 2:2 gespielt. Unglaublich.“ 2005 war Pelé zu Gast in Deutschland. Stepanovic wollte ihn nach dem Video von dem Spiel fragen, scheiterte aber an „einem Schrank von Mensch“, dem Bodyguard. „Stepi“ blieb hartnäckig und hatte schließlich Erfolg - Pelé versprach ihm das Video zu schicken. „Bis heute kam aber noch nichts an“, sagt Stepanovic.

„Lebbe geht weider“

Trotzdem gab es noch ein glückliches Ende. Das Band wurde ihm schließlich vom SWR überspielt. Zuhause machte er es sich vor dem Fernseher bequem und schaute das Spiel. Es gab nur eine Kamera und auch keine Wiederholung. Stepi musste entscheidende Szenen selbst zurückspulen. „Das ging auch gut“, sagt „Stepi“. Jedoch nur bis zur 70. Minute. „Dann wurde Pelé ausgewechselt. Die Kamera ist einfach mit ihm gegangen“. Da ist es wieder - das spitzbübische Grinsen.

Der Blick des Serben fällt auf die Leinwand. Die Eintracht tut sich schwer gegen Wolfsburg. Zur Pause steht es 2:1 für die „Wölfe“. „Wir packen das noch“, ist sich Stepanovic aber dennoch sicher. Der Familienvater erzählt an diesem Nachmittag auch von seinem neuesten Projekt: seiner Autobiographie. Ein Bekannter habe ihn gefragt, ob er nicht auch mal ein Buch schreiben wolle. Stepanovic ist zunächst skeptisch: „Bei mir gibts keine Skandale. Wer soll das lesen? Wie soll sich so was verkaufen?“ Schließlich lässt er jedoch die Zweifel beiseite und beginnt mit der Arbeit. Sein Werk entsteht innerhalb von acht Monaten. Der Titel - wie sollte es anders sein - lautet „Lebbe geht weider“. Ein Ausspruch, den „Stepi“ nach dem dramatischen Bundesliga-Finale 1992 in Rostock prägte. Damals wurde der schon sicher geglaubte Meistertitel noch in letzter Sekunde verspielt.

Nie Aufgeben

Mit dem Schicksal zu hadern ist nicht seine Sache. „Das ist meine Natur. Für jedes Problem gibt es auch eine Lösung - man darf in seinem Leben nur nicht stehenbleiben.“ Positiv denken und niemals den Mut verlieren, lautet sein Credo. Und als hätten ihn die Spieler der Eintracht gehört: Kurz vor dem Schlusspfiff fällt das 2:2. Im nächsten Jahr spielen die Hessen mit im internationalen Geschäft.

Und Stepi? Natürlich wird auch die eine Frage gestellt. Die Frage nach seiner Zukunft - ob er noch mal Trainer werden würde? „Ich habe immer einen gepackten Koffer daheim“, sagt Stepanovic und lächelt. Und dennoch klingt seine Antwort nicht unbedingt, als würde er scherzen.

von Dennis Siepmann

Im Blickpunkt:

Spaßmacher und Weltklassespieler

Dragoslav Stepanovic war in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren einer der weltbesten Außenverteidiger. 1976 wurde er in eine Weltelf berufen. Er spielte 34 Mal für Jugoslawiens Nationalmannschaft. In Deutschland war er als Spieler für Eintracht Frankfurt und Wormatia Worms aktiv. „Stepis“ freundliche Art und sein lockerer Umgangston machten ihn bei Spielern, Fans und Medien zu einem beliebten Gesprächspartner.

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