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Gender-Zentrum: „Kutschera-Thesen hanebüchen“

Abgesagter Vortrag Gender-Zentrum: „Kutschera-Thesen hanebüchen“

Gender Studies contra Naturwissenschaft: Das Zentrum für feministische Zukunftsforschung bezichtigt Professor Ulrich Kutschera des Verstoßes gegen Standards der deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

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Aushang an der Philipps-Universität. Foto: Peter Gassner

Marburg. Das Marburger Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung verteidigt die Entscheidung des Universitäts-Präsidiums, den Evolutionsbiologen Professor Ulrich Kutschera vom Studium Generale ausgeladen zu haben. Es sei richtig, ihm „keine wissenschaftliche Bühne für seine polemischen Ausfälle zu bieten“, sagt Professorin Annette Henninger, Geschäftsführende Direktorin.

Der Kasseler Naturwissenschaftler habe sich „gravierende Verstöße gegen die Spielregeln der Wissenschaft“ geleistet. Kutschera operiere mit „Diffamierungen, Beleidigungen und Falschaussagen“. Damit verstoße er nicht nur gegen die Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens, sondern auch gegen die Standards zur „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“, wie sie laut Henninger von der DFG formuliert worden seien. In diesen werde unter anderem „strikte Ehrlichkeit im Hinblick auf die Beiträge von Partnern, Konkurrenten und Vorgängern zu wahren“ gefordert.

Die DFG betone auch, dass Freiheit der Wissenschaft untrennbar mit Verantwortung zusammenhänge: Alle in der Wissenschaft Tätigen hätten dafür Sorge zu tragen, dass die grundlegenden Werte und Normen wissenschaftlicher Arbeit eingehalten werden. Wissenschaftliche Kontroversen sollten „sachlich und differenziert, gestützt auf Argumente und unter Verweis auf konkrete Belege und Beweise für die eigene Position ausgetragen werden“, sagt Henninger. Die Ausladung durch das Uni-Präsidium sei also „keineswegs eine Beschneidung der Freiheit der Wissenschaft. Im Gegenteil: Die Einhaltung wissenschaftlicher Spielregeln macht Wissenschaft überhaupt erst möglich.“

Biologe: Vortragskonzept ohne Gender-Studies-Kritik

Kutschera entgegnete im OP-Interview am 7. April, dass seine Kritik an den Gender Studies nicht Teil seines Vortragskonzepts beim Studium Generale gewesen wäre. Das glaubt Henninger nicht: „Er spricht über Evolution, holt dann aber die Keule raus, um sie sowohl gegen Kreationismus als auch Gender Studies zu schwingen.“ Da der Kasseler nicht wissenschaftlich argumentiere, hätte man ihn bei seinem Vortrag auch nicht als Autoren entlarven können, der „hanebüchene Gender-Mainstreaming-Thesen“ aufstellt. „Man hat mit sachlichen Argumenten keine Chance, wenn jemand alle, die sich mit der Thematik Geschlechterforschung befassen, als Krebsgeschwür bezeichnet, und der mit wüsten Beschimpfungen agiert.“ Kutschera sei für eine Debatte zwischen Ansätzen der Natur- und Sozialwissenschaften der „falsche Sparringspartner“. Daher gebe es bereits Pläne, im Wintersemester 2016/2017 ein öffentliches Streitgespräch zwischen Gender-Studies-Vertretern und Biologen von der Philipps-Universität zu führen.

Der Beginn des Studium Generale, das Wissenschaft allgemein verständlich behandelt, ist indes vom kommenden Mittwoch auf den 20. April (20.15 Uhr) verschoben worden.

Auftaktvortrags-Titel: „Am Anfang war es dunkel. Hydrothermalquellen und der Ursprung des Lebens“ (von William Martin, Uni Düsseldorf). Ort: Hörsal 215 im Hörsaalgebäude.

von Björn Wisker

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