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Genauigkeitstest für Navis mit GPS

Geodätischer Referenzpunkt an der Lahn Genauigkeitstest für Navis mit GPS

Wer testen will, wiegenau sein Navi oder Smartphone mit GPS-Funktion eingestellt ist, hat dazu an den Lahnterrassen Gelegenheit.

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Katharina Funk (von links), Manfred Fuchs, Christin Krummeck, Jochen Müller, Sabine Schott, Bürgermeister Dr. Franz Kahle und Thomas Engelbach, geben den zweiten geodätischen Referenzpunkt in Hessen frei.Foto: Lisa-Martina Klein

Marburg. Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) stellte gemeinsam mit Jochen Müller, Christin Krummeck und Katharina Funk (Fachdienst Vermessung) sowie Thomas Engelbach (Fachdienst Tiefbau) neben dem geodätischen Referenzpunkt auch die renovierte Stützmauer an der Lingelgasse mit Hochwassertor und den neu angelegten Zugangsweg vor.

Der öffentlich zugängliche geodätische Referenzpunkt befindet sich lahnseitig zwischen Mensasteg und Luisa-Haeuser-Brücke neben den Lahntreppen. Ein nicht zufällig gewählter Ort, denn geodätische Referenzpunkte geben zum einen die genauen geografischen Koordinaten, die ETRS89/UTM-Koordinaten und die Höhe über Normalnull an, zum anderen können sie von der Öffentlichkeit zur Überprüfung der Genauigkeit des eigenen GNSS/GPS-Empfangsgeräts, also zum Beispiel eines Navigationssystems oder eines Smartphones mit GPS-Funktion genutzt werden. „Die Vermessung der nördlichen Breite und östlichen Länge erfolgte zentimetergenau. Somit benötigt man nur noch eine Software wie GoogleMaps oder ähnliches, eine Datenverbindung und eingeschaltete GPS-Funktion und man kann das eigene Gerät testen“, erläuterte Müller. Besonders für Wanderer, Fahrradfahrer, Autofahrer oder auch Geocacher sollte dieser Referenzpunkt also nützlich sein, um festzustellen, ob auf das eigene Gerät Verlass ist. Dazu wird das Gerät mittig auf den 50 mal 50 mal 100 Zentimeter großen Monolithen gelegt und die angezeigten Koordinaten werden mit denen der eigens angebrachten Informationstafel abgeglichen.

Eine Abweichung von einer Sekunde in der Breite entspricht etwa 31 Metern, eine Sekunde in der Länge entspricht etwa 19 Metern.

Nach Möglichkeit muss das Gerät neu kalibriert werden, um die richtigen Werte anzuzeigen. Die Braille-Schrift sowohl an der Tafel wie auch auf dem Referenzpunkt selbst ermöglicht es auch Sehbehinderten, ihr Gerät zu testen. Der Text in Braille-Schrift stammt von Manfred Fuchs, Leiter der Produktion barrierefreier Medien bei der Blindenstudienanstalt. Die Besonderheit an der Tafel ist, dass die Braille-Schrift in der Druckfolie integriert und nicht nachträglich aufgebracht wurde, wie es in der Regel der Fall sei, betonte Sabine Schott von der Firma Schott und zeigte sich zufrieden mit dem Resultat.

Kahle: ein kleiner Beitrag zur Barrierefreiheit

Der geodätische Referenzpunkt ist nach Frankfurt der zweite in Hessen und wurde angeregt durch einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung. Die Kosten belaufen sich auf rund 6500 Euro.

n Schon im Herbst 2013 wurde auf Anregung des Senioren- und Behindertenbeirates die Erneuerung der Lahnterrassen beschlossen. Die Umsetzung erfolgte zwischen April und Juni. Ältere oder bewegungseingeschränkte Menschen können nun die Handlaufgeländer aus Stahl zum sicheren Betreten der Treppen benutzen. Außerdem wurden Stolperfallen entfernt, indem unbefestigter Sand zwischen den Stufen befestigt und jeweils die oberste und unterste Stufe gepflastert wurde. Der Trampelpfad hoch zur Lingelgasse wurde ebenfalls ausgebaut und mit einem Geländer mit Laufleiste für Sehbehinderte ausgestattet.

Ein Durchbruch in der Hochwasserschutzmauer ermöglicht so einen ortsnahen Zugang zu den Lahntreppen für Personen mit Rollator oder Kinderwagen. Ganz barrierefrei für Rollstuhlfahrer ist der Weg allerdings nicht, überschreitet die Steigung mit mehr als sechs Prozent doch die DIN-Verordnung. Zudem ist die Kante zwischen der Lingelgasse und dem kiesbestreuten Zugang noch zu hoch, um problemlos von Rollstuhlfahrern überfahren zu werden. Wirklich beseitigt werden kann dieses Hindernis nicht, schützt doch ein Metalltor, das bei Hochwassergefahr geschlossen werden kann, die umliegenden Häuser vor Schlimmerem. Kahle ist sich aber trotzdem sicher, dass zumindest ein kleiner Beitrag für die Barrierefreiheit geleistet wurde. Ebenfalls zufrieden zeigte er sich über die renovierte Stützmauer, die zeitweise einsturzgefährdet war. „Es wurde viel Geld in die Hand genommen, aber am Hochwasserschutz zu sparen bringt niemandem was“, rechtfertigt Kahle die Kosten in Höhe von 128000 Euro für die Lahnterrasse und 85000 Euro für den Zugangsweg.

von Lisa-Martina Klein

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