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"Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede feiern"

Tag der kulturellen Vielfalt "Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede feiern"

„Integration: Einbahnstraße, Parallelgesellschaften oder die eine Vielfaltgesellschaft?“ Mit dieser Frage beschäftigt sich die Diskussionsrunde am Donnerstag, 2. Oktober, ab 19.30 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaal.

Das Ramadan-Zelt der Islamischen Gemeinde auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz steht allen Menschen offen.

Marburg. In Marburg leben knapp 74000 Menschen aus rund 140 Nationen. Der Anteil der nichtdeutschen Bevölkerung beträgt circa acht Prozent. Marburg ist auch Ort der Bildung, eine Universitätsstadt mit über 25000 Studierenden, davon etwa 2500 Studierenden aus dem Ausland.

Diese unterschiedlichen Herkünfte begründen folgerichtig die kulturelle und religiöse Vielfalt in der Stadt, die in der Tat auch gerne gelebt wird. Die Statistiken und Realitäten zeigen, dass Integration kein Randthema ist. Vielmehr handelt es sich um ein Thema, dass die Zukunftsfähigkeit der Universitätsstadt Marburg, des Bundeslandes Hessen und der gesamten Bundesrepublik bestimmen wird.

In Anbetracht der kulturellen und religiösen Vielfalt der Stadt Marburg ist der nachhaltige Dialog und der interkulturelle Austausch existentiell wichtig, um Berührungsängste und Vorurteile abzubauen und um die Verständigung zwischen den unterschiedlichen kulturellen und religiösen Gruppierungen und somit die friedliche Koexistenz zu fördern. Die städtischen Bemühungen sowie die unermüdlichen interkulturellen beziehungsweise religiösen Dialoge, Kampagnen und Aktionen örtlicher Nichtregierungsorganisationen, Initiativen und Gemeinden zeigen Erfolge. So gibt es in Marburg seit 2006 den runden Tisch der Religionen, der bundesweit Schule macht.

Trotz hochexplosiven politischen Konflikten arbeiten die religiösen Gemeinden in Marburg eng und erfolgreich zusammen. Ein Raum der zurzeit im Bau befindlichen Moschee im Viertel Bei St. Jost soll nach dem Vorsitzenden der Marburger Jüdischen Gemeinde, Amnon Orbach, benannt werden. Die religiösen Gemeinschaften laden sich gegenseitig zu ihren unterschiedlichen Festen und Aktivitäten ein wie das diesjährige Ramadan-Zelt mit der Teilnahme von Spitzenvertretern fast aller Religionsgemeinschaften in der Stadt. Es wurde sogar gemeinsam für den Weltfrieden gebetet.

Zugewanderte berichten über Beschimpfungen

Allerdings berichten zunehmend mehr Zugewanderte und Andersaussehende über Beschimpfungen, Beleidigungen, Mobbing, über verdeckten und, ja, institutionellen Rassismus und Ausgrenzung. Fälle, die kaum zu belegen sind - sei es auf der Straße, am Arbeitsplatz, bei der Arbeits- und Wohnungssuche, in den Schulen, in den Behörden.

In diesem Zusammenhang wird am Freitag, 3. Oktober, zum fünften Mal in Marburg der „Tag der kulturellen Vielfalt“ gefeiert. Das Motto dieses Jahres lautet: „Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede feiern.“ Diverse Marburger Institutionen, Vereine und Initiativen beteiligen sich daran, darunter Radio Marimba des Marburger Weltladens mit zwei Angeboten. Neben einem Kultur-Pavillon mit der Bezeichnung „New Generation Arena“ am Tag der kulturellen Vielfalt selbst veranstaltet Radio Marimba in Kooperation mit dem Ausländerbeirat der Stadt Marburg und der Heinrich-Böll Stiftung eine Radio-TV-Podiumsdiskussion am Donnerstag, 2. Oktober, ab 19.30 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaal, Barfüßerstraße 50, mit dem Thema: „Integration: Einbahnstraße, Parallelgesellschaften oder die eine Vielfaltgesellschaft?“

Podiumsteilnehmer sind: Egon Vaupel (Oberbürgermeister der Stadt Marburg, SPD), Angela Dorn (parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Hessischen Landtag), Dr. Ralf-Norbert Bartelt (sozialpolitischer Sprecher der CDU im Hessischen Landtag), Barbara Cardenas (Sprecherin der Linken im Hessischen Landtag für Integrations- und Migrationspolitik), Asmah El-Shabassy (Islamische Gemeinde Marburg), Dr. Nkechi Madubuko (Autorin, Journalistin, TV-Moderatorin und Integrationsexpertin), Goharik Gareyan (Vorsitzende des Ausländerbeirats der Stadt Marburg), Timmo Scherenberg (Geschäftsführer des Hessischen Flüchtlingsrats), Jörg Behlen (Vorsitzender der FDP Marburg-Biedenkopf).

Infos unter: radiomarimba.de,marburger-weltladen.de und auslaenderbeirat-marburg.de

von Peter Donatus

Peter Donatus ist Journalist und Menschenrechtsaktivist aus Nigeria. Er ist beim Weltladen zuständig für Radio Marimba.

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