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Gemeinsames Ziel für Europa entwickeln

Podiumsdiskussion Gemeinsames Ziel für Europa entwickeln

Die europäische Einigung hat vieles bewirkt, das vor einigen Jahrzehnten noch unvorstellbar war – darin waren sich die Teilnehmer einer Diskussion in der ­Alten Aula einig. Dennoch gebe es eine Vertrauenskrise, der man entgegen wirken müsse.

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In der Alten Aula diskutierten Dr. Manfred Scheuer (von links), Dr. Thomas Schäfer, Professorin Katharina Krause und Bischof Martin Hein mit Moderator Alois Theisen.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. „Was wir in Europa brauchen, ist ein gemeinsames Ziel“, sagte Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) im Hinblick auf eine „Vertrauenskrise in die europäischen Institutionen“, die es zu lösen gelte. Dass es die Europäische Union weiterhin braucht, davon ist Schäfer überzeugt. Die Schaffung der EU sei für die Gründer nach zwei verheerenden Kriegen „eine Frage des nackten Überlebens gewesen“.

Diese Dimension werde heute häufig verdrängt. Der Jugoslawien-Krieg oder die gegenwärtige Situation in der Ukraine zeigten aber, dass Europa auch in den kommenden Jahrzehnten „eine Frage von Krieg oder Frieden“ sein könne. Darüber hinaus könnten spezielle außenpolitische Herausforderungen der Zukunft von einzelnen Mitgliedsstaaten ohnehin nicht mehr alleine gelöst werden.

„Einzigartiges Friedensprojekt“

An der Podiumsdiskussion „Der Wert Europas – Die europäische Idee zwischen Idealismus und praktischer Politik“, die als gemeinsame Veranstaltung vom hessischen Finanzministerium und der Philipps-Universität ausgerichtet wurden, nahmen neben Schäfer und Uni-Präsidentin Katharina Krause auch der evangelische Bischof Martin Hein und Dr. Manfred Scheuer, Abteilungsleiter bei der Deutschen Bundesbank, teil.

Krause betonte, dass die EU „als einzigartiges Friedensprojekt auf den Trümmern des Zweiten Weltkrieges errichtet“ worden sei und die europäischen Universitäten „als Brückenbauer einen wesentlichen Beitrag geleistet“ hätten. Durch den Wegfall von Grenzen sei es mithilfe des Erasmus-Programms heute „deutlich mehr jungen Menschen möglich, sich ins Ausland zu bewegen und dort zu studieren“. Scheuer wiederum hob hervor, dass es „keinen Kontrast zwischen dem Wohlergehen der Wirtschaft und dem Wohlergehen der Menschen“ gebe. Ökonomisch habe sich der gemeinsame Binnenmarkt sowohl für Unternehmen als auch für „den einfachen Europäer gelohnt“.

Dennoch waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig, dass sich die Identifikation der Bürger mit dem Projekt Europa in einer Krise befände. Schäfer verdeutlichte jedoch, dass „nicht die Idee Europa“ in Frage gestellt werde, sondern „deren praktische Umsetzung“ mit dem hohen bürokratischen Aufwand in Brüssel.

Kirchen als „Stimme des öffentlichen Gewissens“

Den Blick auf gemeinsame Werte richtete Bischof Martin Hein. Europa – das sei „stets ein latent geteilter Kontinent voller Konflikte“ gewesen. Das Erbe dieses Kontinents sei dennoch eng verbunden mit der Geschichte des Christentums. Jenes sei daher „das einigende Band in der Friedensordnung Europas“.

Zwar werde in Zukunft „gerade auch der Islam ein Teil der Identität werden“, doch lebe „das christliche Erbe im Gedanken der Menschenrechte weiter“. Den Kirchen komme die Aufgabe zu „dazu beizutragen, dass sich Völker und Kulturen versöhnen“, denn „ohne eine friedliche Koexistenz der Religionen, wird es kein vereintes Europa geben“, so Hein.

Nachdem seit Gründung der Union vor allem wirtschaftliche Fragen im Vordergrund gestanden hätten, sei es angesichts neuer Probleme an der Zeit „Europa neu zu gestalten und ein europäisches Profil zu entwickeln, das mehr ist, als Euro und Wirtschaftszone“, schlussfolgerte er. Die Kirchen seien als „Stimme des öffentlichen Gewissens“ gefragt, für eine werteorientierte Politik zu sorgen, „die den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt der Entscheidung stellt“. Hierzu gehöre unter anderem eine „Schleifung der Festung Europa“ und die Entwicklung einer Willkommenskultur für Flüchtlinge, befand der Bischof.

von Peter Gassner

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