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Gemeinsam gegen Wohnungsnot

Marburg Gemeinsam gegen Wohnungsnot

Ein "Runder Tisch" soll in Marburg Lösungen entwickeln, wie bezahlbarer Wohnraum in der Stadt geschaffen werden kann.

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Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Wohl 100 Menschen kamen zur Auftaktveranstaltung am Montagabend, um Ideen und Bedürfnisse zu formulieren, Lösungsvorschläge zu skizzieren oder sich zu informieren. Eine Lenkungsgruppe soll nun zunächst eine präzisere Bedarfsanalyse erstellen, ehe man Lösungsvorschläge erarbeitet.

Das Problem ist keines, das Marburg exklusiv hat: Mangel an bezahlbarem Wohnraum in den Innenstädten gibt es vor allem in den Groß- und in den Universitätsstädten.

Wobei es in Marburg und Umland in Summe ausreichend Wohnraum gibt: Das zeigen Zahlen des städtischen Wohnungsamtes, die Oberbürgermeister Egon Vaupel präsentierte: Danach geht die Bevölkerungszahl in den Außenstadtteilen (mit Ausnahme von Bauerbach) zurück oder stagniert. Verbesserte Infrastruktur - etwa mit Breitband -, ein besserer Öffentlicher Personennahverkehr und ein gezieltes „Stadtteilmarketing“ - so Karin Stemmer von der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Hessen - könnten helfen, das Wohnen in diesen Quartieren attraktiver zu machen.

Das Problem, mit dem sich Mieter in Marburg wie in anderen Städten herumschlagen müssen, ist vor allem ein Kostenproblem: Mietraum ist teuer geworden - auch wenn es sich um Sozialwohnungen handelt.

Schuld daran sind in erster Linie die Mietnebenkosten. Wie Matthias Knoche, Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbau-Gesellschaft Gewobau berichtete, kann die Gesellschaft zwar im Moment eine Kaltmiete von 4,83 Euro halten - für kleine Wohnungen liegt der Preis höher. Nach der Addition von Betriebs- und Nebenkosten landet man aber bei einem Preis von mindestens 8 Euro. Auf dem „freien Wohnungsmarkt“ liegt die Kaltmiete nach einer Stichprobe von Makler Karl-Heinz Naumann bei knapp unter 8 Euro und damit nicht wesentlich über dem Niveau von 2001. Schwacher Trost, denn Marburg liegt damit mit seinen Mieten bundesweit eher im oberen Bereich und, wie Oberbürgermeister Egon Vaupel betonte, „wir haben wenig Möglichkeiten, die Mietnebenkosten insbesondere für Heizung zu beeinflussen“. Es bleibe aber politisches Ziel der Stadt, Wohnraum in der Innenstadt für alle Bevölkerungsgruppen anzubieten.

Nachgefragt werden vor allem kleinere Wohnungen - diesen Trend hat der Wohnungsmarkt noch nicht nachvollzogen. Und noch ein Trend ist wichtig, wenn man über Wohnraum - egal ob in der Innenstadt oder in den äußeren Quartieren spricht - : Wohnraum muss barrierefrei sein, das ist eine logische Folge aus der demografischen Entwicklung. Eine Wohnung, die man im Alter möglicherweise nicht verlassen kann, ist zunehmend weniger eine Option für Mieter.

Wie viele Menschen in Marburg tatsächlich eine Wohnung suchen, ist nicht bekannt: Zwar präsentierte Vaupel Zahlen, nach denen sich die Zahl der - so heißt es im Behördendeutsch „sozialwohnungssuchenden Haushalte“ - von 851 im Jahr 2011 auf 950 Ende 2012 erhöht habe. Damit werden aber nur die Menschen erfasst, die einen Wohnberechtigungsschein beantragt haben.

Wohnungen teilen, günstiger bauen, Mietobergrenzen politisch durchsetzen, Mittel für sozialen Wohnungsbau erhöhen, aber auch mehr auf sozialräumliche Besonderheiten in den Stadtteilen eingehen - Vorschläge gab es viele während der Auftaktveranstaltung. Sie werden nun in kleineren Gruppen weiter erörtert.

Im Herbst kommen 1 000 zusätzliche Studenten

Dabei geht es aber konkret auch um kurzfristige Lösungen, die Uni-Kanzler Friedhelm Nonne anmahnte: Bereits zum Wintersemester wird die Studentenzahl noch einmal deutlich steigen - Prognosen gehen dann von 23000 Studierenden aus. Und dieser „Studentenberg“ wird, so Nonne, mindestens zehn Jahre halten. „Wir müssen erste Maßnahmen ergreifen, ehe wir neuen Wohnraum gebaut haben“, forderte Nonne. Eine eigene Arbeitsgruppe wird sich hiermit beschäftigten.

von Till Conrad

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