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Gemeinsam für eine bessere Welt

Israelisch-deutscher Schüleraustausch Gemeinsam für eine bessere Welt

„Es geht uns darum, junge Leute für eine bessere Welt zu erziehen“, erklärt Pava Raibstein vom Verein Kinder- und Jugend-Aliyah.

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Schulleiter Holger Leinweber (von links), David Cohen Levy vom israelischen Erziehungsministerium, der israelische Künstler Yoram Afek, Pava Raibstein vom Verein Kinder- und Jugend-Aliyah, die israelische Schülerin Liel Sinitzin, der betreuende Lehrer Itamar ­Hadari, die deutschen Schüler Vincent Schiller und Chiara Pais Albuquerque, der israelische Schüler Yaniv Cohen, die Lehrer Dirk ­Arnold und Christoph Paul und der isrealische Schüler Omer Ezra.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. Dazu organisiert sie bilaterale Projekte, wie zuletzt einen Schüleraustausch zwischen Marburger Schülern der Adolf-Reichwein-Schule und israelischen Jugendlichen aus dem Ayanoth-Jugenddorf südlich von Tel Aviv. „Uns geht es darum, dass sie Vorbehalte gegenüber dem Fremden ablegen und verstehen, dass sie nur gemeinsam eine bessere Welt gründen können“, sagt Raibstein.

Während des Austauschs setzten sich die Schüler mit dem Thema Flucht auseinander, etwas, das viele der israelischen Jugendlichen aus ihrer persönlichen Geschichte heraus beschäftigt: Die Jugenddörfer sind vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden, um Jugendliche zu beherbergen, die nach Israel gerettet wurden. Auch unter den Adolf-Reichwein-Schülern haben viele einen Migrationshintergrund.

Vor einer Woche, am 9. November, kamen die zwölf israelischen Schüler nach Deutschland. Gemeinsam mit den zwölf Deutschen besuchten sie auf dem Platz der ehemaligen Synagoge in der Universitätsstraße die Gedenkfeier zur Reichspogromnacht. „Sie waren sehr beeindruckt, zu sehen, wie viel Anteilnahme und Interesse die deutsche Bevölkerung nach so vielen Jahren noch zeigt“, erzählt Raibstein.

Als Nächstes besichtigten sie die Gedenkstätte in Trutzhain. Das ehemalige Kriegsgefangenenlager wurde nach 1945 als Aufnahmestätte für „Displaced Persons“ und Heimatvertriebene genutzt. „Das war sehr beispielhaft für unsere Idee“, erklärt Raibstein. Es sei wichtig gewesen, den Schülern im Laufe der Austauschwoche den Facettenreichtum des Themas Flucht zu zeigen.

Deshalb sprachen die Schüler mit einem Sudetendeutschen, einer Frau, die als Jugendliche mit ihren Eltern aus der DDR geflüchtet war, und einem Schüler der Adolf-Reichwein-Schule, der als unbegleiteter Minderjähriger aus Guinea kam. In Frankfurt lernten sie Nadia Qani kennen, eine erfolgreiche Unternehmerin aus Afghanistan, die einen interkulturellen Pflegedienst gegründet hat und mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Ein arabisches Paar aus Israel berichtete von seiner Integrationsarbeit in deutschen Flüchtlingsheimen. „Keiner ist davor gefeit, Flüchtling zu werden“, meint Raibstein. Die israelischen Schüler ließ sie Dinge mit nach Deutschland bringen, die sie auf eine Flucht mitnehmen würden, darunter eine vom Großvater geerbte Lederjacke oder Blumendekoration von der eigenen Taufe. „Menschen, die flüchten, müssen häufig alles hinter sich lassen,­ ihnen bleibt nichts als die ­Erinnerung.“

Gespräche haben emotional viel bewegt

Die Besichtigungen und Gespräche hätten bei den Schülern emotional viel bewegt, meint Raibstein. Auch von der Gastfreundschaft der Deutschen seien die Israelis beeindruckt gewesen, reisten sie doch in ein Land wie Deutschland mit Vorsicht. „Sie freuen sich, dass es keine Relevanz hat, dass sie Juden sind, dass man ihnen auf Augenhöhe begegnet und die Deutschen die gleichen Interessen haben.“

In Kontakt mit der Adolf-Reichwein-Schule kam Raibstein, als Lehrer Christoph Paul während einer Veranstaltung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Israel war.

Beide Schulen haben einen Schwerpunkt auf Gestaltungs- und Medientechnik. So kam es auch zu der Idee eines Kunstprojektes, um sich miteinander sowie mit den unterschiedlichen Kulturen und dem Thema Flucht auseinanderzusetzen. Gemeinsam mit dem israelischen Künstler Yoram Afek erstellten die Schüler Collagen mit Fotos ihrer Familienmitglieder, die sie zu neuen „Großfamilien“ zusammenfügten. Auch Zeichnungen und plastische Arbeiten fertigten sie an. „Die Zielsetzung war, etwas von uns hier zu lassen“, erklärt Gal Spector aus Israel. Die 17-Jährige fertigte gemeinsam mit einem anderen Schüler mit Gips einen Abdruck ihres Gesichtes. Sie malte ihrem Werk geschlossene ­Augen. „Sie ist sehr entspannt, so wie ich mich hier in der Gastfamilie, mit den Lehrern und Schülern gefühlt habe“, sagt sie über die Kunstfigur.

Im April wollen die deutschen Schüler ebenfalls für eine Woche nach Israel reisen, um sich mit dem Thema Flucht zu beschäftigen. „Dort wollen wir mit dem Medium Video arbeiten“, erklärt Paul. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Programms „Europeans for Peace“ von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“.

von Freya Altmüller

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