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Gemeinsam die Vielfalt anerkennen

Pfingstgottesdienst Gemeinsam die Vielfalt anerkennen

An Pfingsten feiern die Christen das Einkehren des Heiligen Geistes in Jesus’ Jünger, und wie diese dadurch in die Lage versetzt wurden, das Wort Gottes in allen Sprachen kundzutun.

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Mit knapp 1000 Gläubigen feierten Vertreter der christlichen Kirchen am Montag auf der Schlossparkbühne das Pfingstfest. Foto: Markus Hergenhan

Marburg. Das Ereignis, das als Gründungsmoment der Kirche betrachtet wird. Dies geschah zehn Tage nach Jesus’ Aufstieg in den Himmel, die ersten überlieferten Pfingstfeste wiederum sind im Jahr 130 erwähnt. Gestern fanden sich nun etwa 2000 Jahre später annähernd 1000 Besucherinnen und Besucher auf der Marburger Schlossparkbühne ein, um diese Tradition in Ehren zu halten.

„Dieser besondere Gottesdienst wird von der Evangelischen und Katholischen Kirche seit über 25 Jahren gemeinsam organisiert und steht damit als ökumenisches Fest ganz im Sinne des Pfingstereignis,“ erklärte Karl Böttner von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK).

Zunächst wirkte das Wetter noch etwas unentschlossen, aber Besucherin Ruth Müller war sich sicher: „Das hält!“ Sie sollte recht behalten. „Ich bin zum ersten Mal hier und muss sagen, dass ist einfach wirklich schön mit den vielen Plätzen unter dem offenen Himmel,“ so die Frau aus Griesheim.

Für das umfangreiche Musikprogramm sorgten der Posaunenchor der evangelischen Stadtkommission von Björn Sandrock und das Lobpreisteam der Anskar-Kirche unter Leitung von Dinah Hirsch. Pfarrer Franz Langstein erklärte: „Wir sind heute hier, um den einen Herrn der Kirche zu feiern, Jesus Christus.“

Die christliche Einigkeit und wie sie trotz vieler Unterschiedlichkeiten in Harmonie entstehen und erhalten werden kann, darüber predigte Gemeinschaftspastor Stefan Piechottka in der Hauptpredigt. Dabei begann er ganz unkonventionell mit einer lockeren Umfrage. „Wer mag einen Gottesdienst eher traditionell oder eher frei?“ „Wer mag moderne Musik oder klassische Orgeln?“ Für jede seiner Fragen fanden sich eifrige Unterstützer und eben das war Piechottkas zentraler Ansatz, nämlich dass es auch unter Christen endlos viele Ansichten, Bewertungen und Traditionen gibt und dass Kirche nur durch ein tolerantes Miteinander möglich wird.

„Warum aber hat Gott uns nicht einfach vorgegeben, wie sich alle Christen zu verhalten haben?“ Diese rhetorische Frage war für den Pastor einfach zu beantworten, es gibt nicht den einen Weg, sondern Gott wünscht sich die Akzeptanz des Unterschiedlichen. „Aus diesem Grund hat der Heilige Geist den Jüngern Jesu ermöglicht, alle Menschen in ihrer eigenen Sprache zu erreichen.“

Diese Ansicht übertrug Piechottka auch ganz konkret auf die Herausforderungen der modernen Kirchen. „Wir leben in Zeiten, wo Flüchtlinge zu uns kommen, die ganz andere christliche Traditionen haben als wir, oder aber keinen Glauben mehr haben und dennoch Sehnsucht nach Gott spüren. Da ist es gut, dass wir Vielfalt bereits so lange gewohnt sind und gelernt haben, mit den Grenzen von Integration umzugehen, dass wir wissen, dass die Toleranz anderer Ansichten zum Miteinander dazu gehört.“

von Markus Hergenhan

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