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Gelungene Experimente am Herd

TV-Kandidatin Gelungene Experimente am Herd

Die Küche war wochenlang ihr Trainingslager. Heute wird sich herausstellen, ob sich die Anstrengungen der Cappeler Hobbyköchin am Herd gelohnt haben.

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Renate Zimmermann in ihrem Element: Dieses Menü zählte ausnahmsweise nicht zum Trainingsprogramm für „Die Küchenschlacht“.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Nein, im Süden Cappels hat kein neues Restaurant eröffnet. Aber warum wabern dort in jüngster Zeit die Gerüche feinster Speisen durch die Straßen? Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Renate und Peter Zimmermann ihr Küchenfenster öfter gekippt hatten als gewöhnlich. Für Renate Zimmermann war die Küche wochenlang ihr Trainingslager. Sie hat gekocht, was das Zeug hielt, um fit zu sein für „Die Küchenschlacht“, eine bei vielen Fernsehzuschauern sehr beliebte Kochshow im ZDF. Dort treten je Sendewoche sechs Hobbyköche in einem Ausscheidungswettkampf gegeneinander an.

Am Montag um 14.15 Uhr kann man miterleben, wie sich die Cappelerin am ersten Tag der „Schlacht“ geschlagen hat. „Montags kocht jeder sein Leibgericht“, verrät sie. Wenn‘s optimal läuft, ist sie in der Show täglich bis Freitag zu sehen.

Am Dienstag steht eine Vorspeise auf dem Plan, am Mittwoch eine Hauptspeise, am Donnerstag eine Haupt- und Nachspeise und am Freitag ein Hauptgericht - nach Rezept des jeweils moderierenden prominenten Kochs - sowie ein Gericht eigener Wahl.

So wie heute entscheidet am Ende jeder Sendung ein weiterer Fernsehkoch in einer Verkostung, welcher der Kandidaten auszuscheiden hat. Die Verbliebenen treten in der nächsten Sendung erneut gegeneinander an. Dass Renate Zimmermann leidenschaftlich gerne kocht, immer wieder Rezepte ausprobiert und am Herd experimentiert, ist eine Sache. Aber wie kommt man auf die Idee, sich einem solchen Wettbewerb zu stellen?

„Ich wäre nie auf eine solche Idee gekommen“, versichert Renate Zimmermann. Für die Anmeldung sorgte ihr Mann - heimlich. Nun muss man wissen, dass sich die beiden Pensionäre regelmäßig „Die Küchenschlacht“ anschauen, zur Unterhaltung und Inspiration.

Als die langjährige Sekretärin des Fachbereichs Theologie an der Marburger Universität am 1. April dieses Jahres in den Ruhestand ging, machte sie sich daran, „Ossobuco alla milanese“ zu kochen - Kalbshaxe nach Mailänder Art. Das traditionelle Schmorgericht der italienischen Küche gelang ihr offenbar so vorzüglich, dass Peter Zimmermann wertete, das sei „küchenschlachtreif“.

Nur 35 Minuten Zeit fürs Zubereiten eines Menüs

Wohl wissend, dass man in der „Küchenschlacht“ nur 35 Minuten für das Kochen und Zubereiten eines Menüs zur Verfügung hat und der Schmorbraten samt Gemüse drei bis vier Stunden braucht, kam die Hobbyköchin nicht ansatzweise auf die Idee, dass ihr Mann einen Plan schmiedete.

„Wenn sie schon so angibt mit ihrer Kocherei, dann soll sie das auch mal öffentlich unter Beweis stellen“, flachst Peter Zimmermann und lacht. Als dann das ZDF anrief, um mitzuteilen, dass seine Frau in die „Küchenschlacht“ ziehen kann, war sich der kulinarisch verwöhnte Ehemann gar nicht mehr so sicher, ob seine Renate auch zusagen würde. „Aber dann hat sie doch der Ehrgeiz gepackt“, erinnert er sich.

Als Küchenschlachtfans hatten die beiden selbstverständlich am Fernseher miterlebt, wie vor sechs Jahren der Roßdorfer Claus Waldhüter die Küchenschlacht gewann und anlässlich der 500. Sendung im Wettbewerb mit fünf weiteren ehemaligen Gewinnern zum „Koch-Giganten“ gekrönt wurde.

Bei ihm holte sich Renate Zimmermann wertvolle Tipps. Er riet ihr etwa, von vornherein daran zu denken, dass man nur für eine Person kocht. Kleine Portionen sind schneller zubereitet. In den folgenden Wochen machte sich die Cappeler Hobbyköchin intensive Gedanken, stand viele Sunden am Herd. „Man muss nicht nur gut kochen, sondern das Gericht auch ordentlich präsentieren“, betont sie und ergänzt: „Ich habe nachts sogar vom Kochen und Anrichten geträumt.“ Die angenehmere Rolle in der Vorbereitungsphase hatte ihr Ehemann: „Ich musste alles ausprobieren und meine Meinung dazu abgeben“, sagt er.

Auch vor dem Trainingslager für die „Küchenschlacht“ stellte sich die Cappelerin jeder Herausforderung am Küchenherd, kocht gerne für die Familie und Freunde. Die Euphorie fürs Kochen kommt nicht von ungefähr: „Ich bin in einem Dreigenerationenhaus aufgewachsen und habe schon im Alter von 13 Jahren regelmäßig den Samstagskuchen gebacken“, sagt sie. Auch das Kochen bereitete ihr zunehmend Freude.

Kräuter kommen aus dem eigenen Nutzgarten

Am Elternhaus gab‘s einen großen Nutzgarten, in dem alles wuchs, was man für eine gute saisonale Küche braucht. Der Maxime, das zu verwenden, was die Natur gerade zu bieten hat, sei sie treu geblieben, versichert die Hobbyköchin. So verwundert es nicht, dass sie mit ihrem Mann einen kleinen Nutzgarten betreibt. Dort und auf der Fensterbank gedeihen auch jede Menge Kräuter.

Wir dürfen gespannt sein, welches Leibgericht die experimentierfreudige Cappelerin heute am ersten Tag der „Küchenschlacht“ kochen wird, und vor allem, wie es dem als Juror tätigen Profikoch schmecken wird.

von Hartmut Berge

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