Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Gekappte Eiche sorgt für Unmut

Baumfrevel Gekappte Eiche sorgt für Unmut

Ein Baum erhitzt die Gemüter in der Friedrich-Ebert-Straße: Ein Nachbar hat die Eiche in der Mitte einer Wohnanlage gekappt - ohne Rücksprache. Seine Nachbarn sind entsetzt.

Voriger Artikel
Magazine aus aller Welt in deutschen Cafés
Nächster Artikel
CDU-Chef Philipp Stompfe verlässt Kommunalpolitik

Bruno Schwickrath zeigt aus seinem Küchenfenster auf den gekappten Baum. „Der sieht aus wie ein gerupfter Kleiderständer“, sagt er. Foto: Andreas Schmidt

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Als Bruno Schwickrath vergangenen Samstag aus seinem Küchenfenster in den Garten der Wohnanlage in der Friedrich-Ebert-Straße schaut, traut er seinen Augen nicht: Die (Eiche) in der Mitte der Rasenfläche wurde von einem Nachbarn um etwa zwei Meter gekappt - in Eigenregie.

Traurig ragen noch einige Äste der einst schön dicht gewachsenen Krone in den Sommerhimmel. Was einst ein grünes Blätterdach war, macht nun einen recht zerfledderten Eindruck. „Der sieht aus wie ein gerupfter Kleiderständer“, sagt der 79 Jahre alte Pensionär. „Alle Bewohner in unserem Haus sind empört“, sagt Schwickrath - dabei sei die Eiche „so ein schöner Baum“ gewesen. „Vor allem am Nachmittag hat sie den Kindern beim Spielen Schatten gespendet. Doch das ist jetzt vorbei“, ärgert sich Schwickrath. Seit 42 Jahren wohnt er bereits in Haus Nummer 41 - aber „so was habe ich bisher noch nicht erlebt.“

Am Samstagmorgen war es, als der erwachsene Sohn eines Mieters aus dem gegenüberliegenden Haus Nummer 47 in den Baum gestiegen ist und dem Astwerk mit der Säge zu Leibe rückte. „Meine Frau Marika hat es gesehen“, sagt Schwickrath. Doch sie habe nichts sagen wollen. „Ich will doch mit denen keinen Streit“, so die 78-Jährige.

Der Baum scheint dem Nachbarn schon seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge zu sein. Denn Schwickrath weiß: „Der Sohn wollte ihn bereits am Ostersonntag stutzen. Damals habe ich ihm gesagt, dass ich dann sofort die Polizei holen würde.“ Das habe gewirkt, und lange Zeit sei Ruhe gewesen.

Doch jetzt ist die Krone zerstört. „Und zwar meines Wissens nach ohne Zustimmung der GeWoBau“, sagt Schwickrath.

Der Wohnungsbaugesellschaft gehört die kleine Wohn-Siedlung in der Friedrich-Ebert-Straße - und somit auch der Baum. „Ich habe direkt bei dem zuständigen Sachbearbeiter angerufen, und der war sehr erstaunt“, erinnert sich der Pensionär. „Eigentlich wollte er sich den Schaden noch vor seinem Urlaub anschauen, doch das hat er wohl nicht mehr geschafft.“ Und so liegt der „Baumfrevel“ auch bei der GeWoBau zunächst auf Eis.

„Mir persönlich ist der Vorgang nicht bekannt. Ich bitte daher um Verständnis, dass ich keine genauen Angaben machen kann“, sagte Oliver Hanneder, Leiter der technischen Abteilung bei der Wohnungsbaugesellschaft, auf Anfrage der OP. Allerdings werde man den Sachverhalt prüfen und sich dann weitere Schritte überlegen.

Auch zum Baumsachverständigen der Stadt Marburg, Dieter Happel, hatte Bruno Schwickrath bereits Kontakt. Der erklärt gegenüber der OP: „Die Marburger Baumschutzsatzung greift erst dann, wenn ein Baumstamm in einem Meter Höhe einen Umfang von mindestens 60 Zentimetern hat.“ Dies sei bei der fraglichen Eiche jedoch nicht der Fall.

Zwar besage auch das Bundesnaturschutzgesetz, dass es vom 1. März bis 30. September ein Schnittverbot gebe. Mit Ausnahme von „gärtnerisch gepflegten Flächen“ - und darunter falle offensichtlich auch der Garten der Wohnanlage. „Allerdings muss vor einem solchen Schnitt geprüft werden, ob nicht etwa Singvögel in der Krone brüten. Diese dürften auf keinen Fall gestört werden“, verdeutlicht der Baumsachverständige. Diese könne man bei einem solch kleinen Baum jedoch „gut sehen.“

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr