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Gegenwind vom Ortenberg

Seilbahn Gegenwind vom Ortenberg

Rund 40 Besucher einer Versammlung der Bürgerinitiative Seilbahngegner äußerten sich gegen eine Seilbahn in Marburg.

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40 Besucher informierten sich über eine mögliche Seilbahn zu den Lahnbergen.

Quelle: Pophanken

Marburg. Bereits im April letzten Jahres hatte die Stadtverordnetenversammlung das Ingenieurbüro Schweiger damit beauftragt, eine technische Machbarkeitsstudie für die geplante Seilbahn in Marburg zu erstellen. Die endgültige Version soll gemeinsam mit einer umfassenderen Analyse der Verkehrsströme zwischen dem Lahntal und den Lahnbergen in diesem Herbst der Öffentlichkeit vorgestellt werden (die OP berichtete).

Im Umlauf ist aber eine vorläufige Machbarkeitsstudie, die in der Stadt vorliegt und die Bürgermeister Dr. Franz Kahle bereits vor längerer Zeit der Bürgerinitiative gegen eine Seilbahn in Marburg (BIGeiSt) zur Verfügung gestellt hatte. „Wir wollen nicht im Verborgenen arbeiten, sondern eine breite Diskussion“, sagte Kahle am Freitag der OP.

Braucht die Stadt die Seilbahn?

Diese vorläufige Studie nun war Grundlage des Vortrags von Professor Klaus Friedrich von der Bürgerinitiative.

Die Macher der Studie gehen von derzeit 12000 Pendlern aus, die täglich auf die Lahnberge fahren. Darunter sind Mitarbeiter des Uniklinikums, Studenten und Beschäftigte, die zu den naturwissenschaftlichen Fachbereichen wollen, Patienten und Besucher.

Diese Zahl weckt unter den Mitgliedern und Bewohnern des Ortenbergs missmutiges Raunen. „Es muss eine belastbare Analyse des aktuellen Personenverkehrs zwischen Kernstadt und Lahnbergen als Voraussetzung für den möglichen Bedarf eines zusätzlichen Verkehrsmittels wie die geplante Seilbahn geben, forderte Hilmar Hellwig von der BI.

Die Stadt favorisiert laut der vorgestellten Präsentation von ursprünglich 14 möglichen Varianten zwei mögliche Trassenverläufe.

Wenn Dinge aus der Seilbahn fliegen

Der erste verläuft von der Savignystraße am westlichen Lahnufer über Lahn und Stadtautobahn in den Schüler-Park, wo eine Zwischenstation zum Um- und Einsteigen gebaut werden müsste. Weiter geht es hinauf zur Bergzwischen-station zwischen Kaiser-Wilhelm-Turm und Spiegelslust. Von dort geht es mit der Seilbahn weiter zur Endstation in der Nähe der Mensa Lahnberge.

„Die zweite ausgewählte Variante startet ebenfalls an der Savignystraße und geht direkt hoch zum Kaiser-Wilhelm-Turm - der Schüler-Park wäre damit also nicht betroffen“, erklärte Friedrich. Beide Varianten führten über bebautes Gebiet und beschneiden damit Persönlichkeitsrechte der Anwohner.

Bei der Seilbahn handelt es sich um eine Umlaufseilbahn mit Gondeln für bis zu 35 Personen.

„Die Kosten der ersten Variante belaufen sich laut der Machbarkeitsstudie auf bis zu 50 Millionen Euro. Bei der zweiten Variante auf etwa 35 Millionen Euro“, berichtete Friedrich. Die in der Studie aufgeführten Kosten beinhalten jedoch nicht die Kosten für Infrastruktur, Planung und Genehmigung, sondern beinhalten nur die Seilbahntechnik und den Bau ohne architektonische Sonderlösungen.

Kritische Nachfragen der Teilnehmer bezogen sich auf eine mögliche Gefährdung der Anwohner durch Gegenstände, die aus der Seilbahn geschmissen werden, aber auch den Einschnitt in das Stadtbild und die Zerstörung des Naherholungsgebiets.

Die Bürgerinitiative spricht davon, das 95 Prozent der Bewohner am Ortenberg die Seilbahn ablehnen. Sie fordert mehr Transparenz in den Planungen.

SPD Marburg-Nord fordert Bürgerbeteiligung

Der SPD-Ortsverein Marburg-Nord forderte den Magistrat auf, zügig ein mit Bürgerbeteiligung abgestimmtes Konzept vorzulegen. Es gebe viele Spekulationen um den Bau. „In den letzten drei Jahren wurden zwar verschiedene Studien zum Lahnbergeverkehr seitens der Stadt in Auftrag gegeben, aber keine Ergebnisse vorgelegt“, kritisieren die Genossen. „Die Zeit der Spekulationen mit Visionen dauert schon viel zu lange. Jetzt sollten realistische Konzepte diskutiert, beschlossen und umgesetzt werden, damit Studierende und Bürger/innen wissen, wie sie in den nächsten Jahren umweltschonend, schnell und sicher die Klinik und die Universität auf den Lahnbergen erreichen können“, sagte Ortsvereinsvorsitzender Ulrich Severin.

von Verena Pophanken und Till Conrad

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