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Gegenwind für Kinderförderungsgesetz

Kita-Protest Gegenwind für Kinderförderungsgesetz

Weniger Zeit für Kinder und Eltern sowie verkürzte Öffnungszeiten: Das sind die Hauptnachteile, die Erzieher infolge des geplanten Kinderförderungsgesetzes befürchten. Kirchliche Kita-Träger machen jetzt mobil.

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Mit Unterschriftenaktionen nehmen die evangelischen Kindertagesstätten des Kirchenkreises Kirchhain an einer Protestaktion gegen das neue Kinderförderungsgesetz teil.

Quelle: Privatfoto

Gemünden. Die hessische Landesregierung hat einen Entwurf zur gesetzlichen Neuregelung der Kindertagesbetreuung vorgelegt (die OP berichtete). Die nächste Lesung des hessischen Kinderförderungsgesetzes (KiföG) im Landtag ist für den 7. März angesetzt. Es tritt am 1. Januar 2014 in Kraft, so es denn verabschiedet wird.

Verhindern will das eine Reihe von Initiativen. Allen voran macht die Kirche mobil.Die Mitarbeiter der evangelischen Kitas in Gemünden, Halsdorf und Wohra sowie die Gemündener DRK-Kita „Wolkenland“ sammelten zum Besipiel in der vergangenen Woche im Gemündener Rewe-Markt Unterschriften gegen die Pläne der Landesregierung, weil sie durch das Gesetz Verschlechterungen für die Betreuung der Kinder erwarten.

„Das Interesse an den Belangen der Kinder ist groß“

Bereits innerhalb der ersten beiden Stunden kamen in Gemünden mehr als 100 Unterschriften von Bürgern zusammen. „Das Interesse an den Belangen der Kinder ist groß“, freute sich Margret Pohlmann, Leiterin der DRK-Kita. Mit ihren Kolleginnen informierte sie über die erwarteten Auswirkungen auf ihre Arbeit in der Erziehung. Auch in Rauschenberg, Kirchhain, Wetter und Cölbe waren und sind Unterschriftensammelaktionen der evangelischen Kindertagesstätten im Kirchenkreis Kirchhain geplant.

„Das KiföG schafft einen klaren Anreiz zu kürzeren Betreuungszeiten, der im Gegensatz zu der Zielsetzung steht, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Das heißt in der Praxis: Eine Tageseinrichtung für Kinder, die 50 Stunden wöchentlich geöffnet hat, erhält zukünftig eine maximale Förderung von 42,5 Wochenstunden“, sagt Ulrike Panovsky, Kindertagesstättenleiterin der Kindertagesstätte „Die Arche“ in Wohra. Die evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder forderten Qualität statt Quantität und möchten auch in Zukunft ihren Auftrag von Bildung, Erziehung und Betreuung verantwortlich erfüllen und die Kinder weiterhin in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen.

Weniger Fachkraftstunden in Fronhausen und Bellnhausen

„Aus diesen Gründen beteiligen sich die Kindertagesstätten aus dem Kirchenkreis Kirchhain mit Unterstützung der beiden Kindertagesstätten aus Gemünden und aller Eltern an der Protestaktion gegen dieses neue Gesetz“, so Panovsky weiter.

Im Südkreis laden unterdessen die Elternbeiräte und Mitarbeiter der beiden Fronhäuser Kitas, die zum Kirchenkreis Marburg gehören, zu einer Informationsveranstaltung über das Gesetz ein. „In den Kindergärten Fronhausen und Bellnhausen kann das Gesetz zu einer Kürzung der Fachkraftstunden führen. Das heißt, dass es vermehrt Zeiten geben wird, zu denen nur eine Fachkraft pro Gruppe anwesend ist. Zeit für individuelles Fördern, Kümmern und Trösten bleibt da nicht mehr“, heißt es in der Einladung für den Infoabend am 21. Februar um 20 Uhr im Kindergarten Kinderland (Struthweg 3 in Fronhausen-Bellnhausen).

Rechtsanspruch auf Platz und KiföG beißen sich

Hauptkritikpunkt ist, dass die 1,75 Fachkräfte pro Gruppe nur dann erhalten bleiben, wenn mindestens 25 Kinder in einer Gruppe sind. Das Problem sei dabei aber, dass der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz besteht und daher Plätze freigehalten werden müssen.

Aufgrund der geplanten „Stichtagsregelung“ gelte jedoch die Anzahl der Kinder bis zu einem bestimmten Datum - unabhängig davon, ob danach noch weitere hinzukommen. Sind es bis zu diesem Stichtag weniger als 25, würde sich die Zahl der Fachkräfte verringern. Dies habe zur Folge, dass weniger Zeit, etwa für Elterngespräche, Fest-gestaltung und Dokumentationen, bliebe. Auch eine Verkürzung der Öffnungszeiten könnte eine Folge des geplanten Gesetzes sein.

Die Unterschriftenlisten liegen in vielen Kitas aus

„Bis zu 20 Prozent der Betreuungszeit können künftig durch fachfremdes Personal abgedeckt werden. Eine Integration von Kindern mit Beeinträchtigung wird künftig finanziell nicht mehr möglich sein“, fürchtet die Kindergartenleiterin Elke Schwing in der Einladung zur Veranstaltung in Bellnhausen.

Um dieses Gesetz zu verhindern, haben sich auch sechs hessische Wohlfahrtsverbände zur „Liga der Freien Wohlfahrtspflege“ zusammengeschlossen. Zwischen dem 14. Februar und 25. April sind mehrere öffentlichkeitswirksame Aktionen geplant. Auch die Landesarbeitsgemeinschaft „Frühe Hilfen in Hessen“ spricht sich gegen den Gesetzesentwurf aus.

Die Unterschriftenlisten liegen oft in Kitas aus - selbst wenn nicht, sollen Eltern ruhig nachfragen, betonte Jutta Schmidtmann von der Wohraer Kita.

Nähere Informationen und digitale Unterschriftenlisten.

von Simone Schwalmund Michael Agricola

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