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Gegen die Wegwerfgesellschaft

Repair-Café Gegen die Wegwerfgesellschaft

In kaum einem anderen EU-Staat schmeißen die Bürger so viel weg wie in Deutschland: Über 600 Kilogramm Abfall fallen hierzulande jährlich pro Kopf an. Das Repair-Café will sich gegen den Wegwerf-Trend einsetzen.

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Bereit zu helfen: Das Team des Repair-Cafés in Cappel.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. Bleibt der Toaster kalt? Spielt das alte Radio nicht? Ist das Lieblingsspielzeug kaputt? „Diese Dinge müssen nicht zwangsläufig weggeworfen werden“, findet Anja Döringer-Zährl. Vor vielen Monaten wurde sie von der Initiative „Aktive Bürger/innen Cappel“ (ABC) gefragt, ob sie zusammen mit Ulrich Kalabis nach dem niederländischen Vorbild (siehe Hintergrund) ein Repair-Café in Cappel eröffnen wolle. „Ich hatte mich ganz unabhängig davon auch schon lange mit der Frage beschäftigt, weil ich die Idee des Repair-Cafés einfach toll finde und habe dann gleich ja gesagt“, so Döringer-Zährl.

„Sinn und Ziel ist, dass man vermeidet, Dinge zu entsorgen, die noch funktionsfähig sind wie zum Beispiel alte Tonbandanlagen, Mixer oder Nähmaschinen“, sagt Kalabis, der bereits das Repair-Café in Cölbe im Mai 2014 mitgegründet hat. Mit Erfolg: „In Cölbe hat sich gezeigt, dass die Resonanz größer ist, als am Anfang vermutet wurde.“ Auch Döringer-Zährl ist optimistisch: „Ich bin schon von vielen Leuten hier in Cappel auf das geplante Repair-Café angesprochen worden, die sagten: Mensch, ich hab da doch auch noch was zuhause im Keller stehen, was endlich mal repariert werden müsste.“

15 ehrenamtliche Helfer stehen Kalabis und Döringer-Zährl zur Seite. Sie kümmern sich um den Empfang der Gäste, Kaffee und Kuchen, die Gestaltung der Homepage und die anfallenden Reparaturen. Einer von ihnen ist Klaus Hosemann. Er hat lange bei „RADikate“, einer Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt in der Marburger Innenstadt gearbeitet. „Meine Devise ist: Hilfe zu Selbsthilfe“ sagt der Mann mit dem breiten Berliner Akzent.

Pensionierter Elektriker bietet Hilfe

„Die Leute sind froh, wenn man ihnen zeigt, wie man seine Sachen selbst reparieren kann“, sagt er und kniet sich vor ein ramponiertes Damenrad. Die Bremsen sind abgenutzt und das Vorderrad wackelt. Hosemann holt einen Schraubenschlüssel aus seinem Werkzeugkasten. „Sie müssen die Mutter immer mal wieder kräftig festziehen sagt er der Besitzerin.

Die Werkzeuge bringen die Reparateure selbst mit. Auch der pensionierte 
Elektriker Bernd Fischer hat sein Repertoire aus fast 30-jähriger Tätigkeit im technischen Bereich der Universität dabei. „Ich würde mich gern engagieren. Deshalb bin ich hier“, sagt der 69-Jährige. Auch die Flüchtlinge im naheliegenden Zelt-Camp in Cappel wollen die Repair-Café-Mitarbeiter einladen. „Ihnen tut es sicher gut, mal rauszukommen“, meint Hosemann.

Das Repair-Café Cappel wird am 26. September von 14 bis 18 Uhr im ehemaligen Rathaussaal am August-­Bebel-Platz eröffnet und 
hat ab dann immer am letzten Samstag im 
 Monat geöffnet. Damit die Reparateure sich vorbereiten können, wird um eine 
Anmeldung und Mitteilung des Reparaturbedarfs gebeten. Anmeldung und Information erhalten Sie bei Anja Döringer-Zährl unter der 0174-522 1084.

von Ruth Korte

 
Hintergrund
Das erste Repair-Café wurde von Martine Postma am 18. Oktober 2009 in Amsterdam eröffnet. Postma rief daraufhin die niederländische Non-Profit-Organisation „Stichting Repair-Café“ ins Leben, die lokalen Gruppen im In- und Ausland, die selbst ein eigenes Repair-Café eröffnen wollen, seit 2011 professionelle Unterstützung anbietet. Inzwischen gibt es weltweit 750 Repair-Cafés, in denen monatlich rund 13.000 Produkte repariert werden.
 
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