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Mahnwachen Gegen das Zuschauen

Am Donnerstag schon hatten sich Marburger auf dem Marktplatz zu einer Mahnwache für die Menschen in der syrischen Stadt Aleppo versammelt und gefordert, nicht länger bloß zuzusehen.

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DGB-Gewerkschaftssekretär Ulf Immelt bei der Mahnwache für Presse- und Meinungsfreiheit am Freitag, zu der die DIDF-Jugend aufgerufen hatte.

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. „Die Türkei ist auf dem Weg in eine faschistische Diktatur - wir müssen uns gemeinsam gegen dieses reaktionäre Regime wehren“, rief Ulf Immelt, Gewerkschaftssekretär­ des DGB bei der Mahnwache am Freitagmittag auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz.

Aufgerufen hatte die Jugendorganisation der Föderation Demokratischer Arbeitervereine (DIDF). Die Forderung: „Wir fordern die Bundesregierung auf, endlich Stellung gegen die Repressionen in der Türkei zu beziehen“, erklärte die Marburger Studentin Tugba Bakirci, sie hatte die Mahnwache angemeldet.

Arda Kabadayi verlas den Aufruf. Die Inhaftierung zahlreicher Journalisten, die Schließung kritischer Medien und das Vorgehen Erdogans gegen ­Oppositionelle dürfe die Regierung nicht länger akzeptieren. Um diese Forderungen zu unterstützen, kamen rund 60 Menschen trotz winterlicher Temperaturen zum Blochmann-Platz, um ihre Meinung kundzutun. „Merkel schweigt zum Unrecht in der Türkei“, befand Inge Schmidt-Böcher. „Und das nur, um uns von den Flüchtlingen freizukaufen“, ergänzte ihr Mann, Frank Peter Böcher. „Die türkische Regierung führt einen Krieg gegen die Kurden, der in der Öffentlichkeit wenig­ wahrgenommen wird“, sagte­ Rolf Hepp. Auch eine Handvoll Mitglieder des Motorrad-Clubs „Kuhle Wampe“ rollten zur Mahnwache an. „Weil in einem Land, das Ambitionen hatte, zu Europa zu gehören, die Demokratie abgeschafft wird“, erklärte Jürgen Kellermann.

Linken-Fraktionsvorsitzender Jan Schalauske kündigte für den Abend einen Antrag im Stadtparlament an, nach dem sich die Stadtverordneten mit allen demokratischen Kräften solidarisch erklären sollen.

„Besorgniserregend, dass die UN nicht eingreifen“

Am Donnerstagabend fand auf dem Marktplatz eine Mahnwache für die in der syrischen Stadt Aleppo gefangenen Zivilisten statt. Es war eine der ersten Mahnwachen, die in Hessen auf dieses Thema aufmerksam machen wollte - und es war ein eindrucksvolles Bild, das sich den Anwesenden bot ( Foto: Bonacker).

Bewegende Worte fand Hauptredner Fadi Einuz zu der Lage in Syrien und insbesondere der Stadt Aleppo: „Nach dem Holocaust hat man sich geschworen, so etwas nie wieder zuzulassen. Wie können wir weiterhin zusehen?“

Einuz forderte die Demonstrierenden auf, sich mit dem Auswärtigen Amt, der russischen sowie der saudischen Botschaft in Verbindung zu setzen, um bei den Ländern ein Umdenken zu erreichen. Auch kritisierte er das bisherige Vorgehen sowie den syrischen Machthaber Assad.

Außer Einuz trat unter anderem auch Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) als Redner auf. Er sprach von einer „Barbarei“ gegenüber den Menschen in Aleppo. Es sei beschämend, dass Europa zwar die Flucht­routen dichtmachen könnten, man jedoch keine Waffenruhe zustande bringen könne.

Auch andere Anwesende zeigten sich betroffen: Ali Alsaeid, der selbst aus Aleppo kommt, fasste die Lage als „unmöglich zu begreifen“ zusammen - vor allem, da „fast alle Betroffenen Frauen und Kinder“ seien. Der erst 16-jährige Hashem Kartumah stimmte dem zu und merkte an: „Die Menschen müssen darauf aufmerksam gemacht werden.“

Veranstalter Mubarik Sabir­ beschrieb die Lage schlicht als „schlimm. Es ist besorgniserregend, dass die Vereinten Nationen nicht eingreifen.“Die Mahnwache demonstrierte selbst genau das, was sie erreichen will. Menschen verschiedensten religiösen Hintergrunds standen am Donnerstag vereint hinter der syrischen Flagge. Ihnen allen ist eines wichtig: eine friedliche Lösung des Konflikts.

von Philipp Lauer
und Melchior Bonacker

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